Wahlen sorgen für Unsicherheit
Risiko in der Türkei wächst

Das Jahr 2007 verlief für Anleger an der türkischen Börse bislang sehr gut. Doch die anstehenden Wahlen versprechen schwerwiegende Turbulenzen, die sich bis auf die Aktienmärkte auswirken könnte. Investoren bemerken erste Warnsignale.

ISTANBUL. Besser hätte der Start ins neue Jahr für die Anleger in Istanbul kaum ausfallen können: Über zehn Prozent legte der Leitindex IMKB-100 seit Jahresbeginn bereits zu. Istanbul liegt mit dieser Performance weltweit in der Spitzengruppe. Doch Bosporus-Börsianer brauchen jetzt mehr denn je gute Nerven, denn politisch verspricht 2007 für die ohnehin turbulente Türkei ein besonders aufgeregtes Jahr zu werden. Das könnte auch die Aktienkurse unter Druck bringen.

Dass Istanbul ein glattes Börsenparkett ist, erfuhren die Anleger bereits 2006. Die Kapitalflucht aus den Schwellenmärkten im Mai und Juni traf die Türkei härter als irgendeinen anderen Markt. Binnen weniger Wochen verlor der IMKB 20 Prozent. Ausländische Anleger verloren wegen des gleichzeitigen Kursverfalls der Lira sogar fast 50 Prozent. Die Lira hat sich zwar mittlerweile erholt. Sie notiert nur noch etwa fünf Prozent unter ihrem Höchststand vom Frühjahr 2006. Auch stiegen die Aktienkurse wieder, aber im Jahresverlauf ergab sich für 2006 ein Indexminus von 1,7 Prozent – enttäuschend für Türkei-Zocker, die bisher daran gewöhnt waren, ihre Einsätze spätestens alle zwei Jahre zu verdoppeln.

Das Interesse der Ausländer an Türkei-Aktien scheint aber größer denn je: Mehr als 50 Prozent der im Januar an der Istanbuler Börse getätigten Umsätze gingen auf ihr Konto. Dabei wurden viermal mehr Kauf- als Verkaufsorders gegeben. Am stärksten gefragt waren die Aktien der Geldinstitute Garanti Bankasi und der Is Bankasi.

Doch der Ansturm der ausländischen Anleger könnte auch ein Alarmsignal sein. Im Frühjahr 2006 zeigte sich, dass dieses heiße Geld noch schneller wieder die Flucht ergreifen kann, als es in einen Markt hineinfließt. Zudem drohen in der Türkei spezifische Risiken. Mit der Präsidentenwahl im Mai und den spätestens im November fälligen Parlamentswahlen steht das Land vor zwei politischen Weichenstellungen. Greift Premierminister Tayyip Erdogan nach dem höchsten Staatsamt und lässt sich von seiner Parlamentsfraktion zum Präsidenten wählen, könnte das die türkischen Militärs herausfordern. Sie fürchten, der gewendete Fundamentalist Erdogan plane eine Islamisierung der Türkei. In Unternehmerkreisen stößt Erdogan wegen seiner religiösen Rhetorik ebenfalls aus Misstrauen, genießt aber andererseits wegen seiner investitionsfreundlichen Wirtschaftspolitik auch einiges Ansehen.

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