Wall Street ist kein Kurstreiber mehr
Dax koppelt sich von US-Markt ab

Die europäischen Aktienmärkte entwickeln sich inzwischen weitgehend unabhängig von der Situation an den US-Märkten. Zu dieser Ansicht kommt die Mehrheit der vom Handelsblatt befragten Experten. Daher sei auch nicht zu befürchten, dass das erwartete abflachende Gewinnwachstum der US-Konzerne die europäischen Börsen nachhaltig belasten wird.

FRANKFURT. „Die USA dämpfen, Europa forciert dagegen die Weltkonjunktur“, sagt Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements beim Bankhaus Metzler. So kann der europäische Aktienmarkt erstmals seit langem eigene Akzente setzen. Gewöhnlich färben schwächere US-Daten auf die europäischen Börsen ab und belasten dadurch unabhängig vom Zustand der hiesigen Märkte die Kurse. Weil sich jedoch diesmal die Weltwirtschaft mit Ausnahme der USA nahezu synchron auf Expansionskurs befindet, kommt es derzeit zu dieser historisch betrachtet seltenen Situation.

Innerhalb einer starken Euro-Zone hat Deutschland eine Schlüsselrolle. Weil der hiesige Markt ein Drittel von Euro-Land ausmacht und die Konjunktur den jüngsten Zahlen zufolge sehr gut läuft, kommt dem Deutschen Aktienindex (Dax) eine Leitfunktion zu. „Da ist richtig Dampf hinten dran“, bringt Naab die Stimmung auf den Punkt.

Aber auch andere Regionen der Welt stützen den Aufwärtstrend. So sollte beispielsweise der Anteil von China und Indien am globalen Wachstum weiter zunehmen, glaubt Klaus Martini von der Deutschen Bank. „Insofern kompensiert die Dynamik der Emerging Markets eine erwartete Konjunkturabkühlung in den USA“, sagt er. Da sich auch Japan als dritter wesentlicher Einflussfaktor stabil präsentiert, gibt es neben den USA keinen anderen nennenswerten Gefahrenherd.

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Speziell für den deutschen Aktienmarkt bedeutet dies weiter erhebliches Potenzial. Und das, obwohl der Dax in den dreieinhalb Monaten seit Jahresbeginn bereits über zehn Prozent an Wert gewonnen hat. Dafür spricht, dass mittlerweile auch Faktoren, die lange Zeit als belastend galten, sich verbessert haben. So ist der Auftragseingang und die Industrieproduktion in Deutschland inzwischen stark wie seit Jahren nicht mehr.

Ein weiteres Sorgenkind von einst – der private Konsum – profitiert von der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit zehn Jahren und kommt ebenfalls in Fahrt. Konsumwerte wie Metro, Douglas oder Karstadt-Quelle stehen in der Branchenbetrachtung von Analysten inzwischen weit oben. Noch vor kurzem rangierten sie unter den 18 Branchen, in die Börsianer die Aktienwelt unterteilen, auf dem letzten Platz.

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