Warnungen nach dem Einstieg von Porsche bei VW vor Rückschlägen in der deutschen Aktionärskultur
Abwehrstrategien schaden Anlegern

Die Tendenz in deutschen Konzernen, sich vor unerwünschten Großaktionären zu schützen, schadet den Interessen der Anleger, warnen Kapitalmarktexperten. Vorkehrungen gegen Angreifer von außen beeinträchtigten auf Dauer die Effizienz und belasteten damit auch den Aktienkurs eines Unternehmens, sagen sie.

DÜSSELDORF. Dabei beziehen sie sich auch auf das jüngste Engagement des Porsche-Konzerns bei VW. Der Einstieg Porsches, der VW gegen eine feindliche Übernahme schützen soll, wurde zwar von Politikern und deutschen Managern begrüßt. Aber Vertreter von Aktionärsinteressen halten dagegen, solche Bollwerke passten nicht zu einer aktionärsfreundlichen Unternehmensethik (Corporate Governance).

Die Diskussion ist nicht erst seit dem Deal zwischen Porsche und VW aktuell. Alarmiert wurden deutsche Manager und Politiker, als es dem weitgehend unbekannten Hedge-Fonds TCI gelungen war, mit einem Kapitalanteil von zehn Prozent an der Deutsche Börse deren geplante Übernahme der London Stock Exchange zu verhindern und den Vorstand abzusetzen. Das hat mehrere Dax-Vorstände veranlasst, ihre eigene Aktionärszusammensetzung nach Hedge-Fonds-Beteiligungen zu durchleuchten. Bei VW drohte aus einem anderen Grund eine breite Angriffsflanke. Der gesetzlich verankerte Einfluss des Landes Niedersachsen könnte dem Konzern von europäischen Gerichten untersagt werden. In einem solchen Fall hätte etwa der japanische Toyota-Konzern einen Einstieg mehr oder weniger aus der Portokasse bezahlen können. So kam das Engagement von Porsche als neuer Platzhirsch gerade recht.

Doch wer sein Unternehmen vernünftig führt, braucht keine Schutzwälle, glauben Aktionärsschützer „Die beste Verteidigung dagegen, dass Hedge-Fonds etwas Schlimmes anstellen, ist ein hoher Börsenkurs“, sagt das Mitglied der deutschen Corporate Governance Kommission Theodor Baums von der Uni Frankfurt. Kapitalmarktexperte Jeffrey Gordon von der Columbia University in New York sagt: „Selbst wenn Angreifer wie Hedge-Fonds nur kurzfristige Interessen vertreten, sorgen sie häufig dafür, dass das Kapital eines Konzerns effizienter genutzt wird“. Die Strategie von Investoren, ein Konglomerat zu zerschlagen und Einzelteile Gewinn bringend zu verkaufen, könne durchaus dazu führen, dass die Ressourcen eines Unternehmens weit besser verwendet werden als zuvor.

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