Warren Buffett in Omaha
Feierstimmung im „Woodstock für Kapitalisten“

Es ist angerichtet: Zehntausende Aktionäre sind nach Omaha gepilgert, um Warren Buffett live zu erleben. Zum Jubiläum macht sich der Investmentguru selbst ein Geschenk. Doch er zeigt auch erste Müdigkeitserscheinungen.
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OmahaSchon auf dem Flug nach Omaha dreht sich alles um Warren Buffett. Gleich mehrere Fluggäste studieren noch einmal den Brief an die Aktionäre, den der legendäre Investor Ende Februar verfasst hat. Ein anderer stöbert in dem Buch „Active Value Investing“, seine Sitznachbarin liest die Buffett-Biografie „The Snowball“. Im Gang prahlt ein Vermögensverwalter über die neusten Unternehmensschnäppchen, die er gefunden hat. „Wir haben im ersten Quartal in Asien zugeschlagen“, sagt der schlanke Herr in Jeans und Jackett. Ein anderer diktiert einer jungen Frau die besten Fonds, um wertorientiert zu investieren ins Smartphone. Sie will endlich etwas für ihre Altersvorsorge tun, und Warren Buffett hat es mit diesem Ansatz schließlich zum Milliardär geschafft.

Schon seit vielen Jahren pilgern Buffetts Anhänger zur Hauptversammlung nach Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Dieses Mal, zum 50. Firmenjubiläum, sind 44000 Buffett-Fans aus aller Welt angereist. Das ist ein neuer Rekord.

Die ganze Stadt ist im Buffett-Fieber. Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway hat mit Airbnb zusammengearbeitet, um die Menschenmassen in der 400000 Einwohner großen Stadt unterzubringen. Selbst in dem Haus, in dem Buffett aufgewachsen ist, werden Gäste übernachten. Dazu wurde eigens ein Wettbewerb ausrufen – wer in vier Fragen am überzeugendsten argumentiert, warum er Buffett und Omaha schätzt, gewinnt.

Seine beiden liebsten Steak-Häuser in Omaha machen am Wochenende der Hauptversammlung gut 30 Prozent des Jahresumsatzes. Buffett selbst hat angekündigt, am Sonntag dort zu Abend zu essen.

Der 84-Jährige Ausnahmeunternehmer hat das jährliche Treffen seiner Aktionäre in eine geschickte Marketing-Veranstaltung verwandelt. Eine ganze Reihe der gut 80 Mittelständler, die zu seinem Konglomerat gehören, verkaufen am Wochenende an die Aktionäre: Messer von „The Pampered Chef“ – einem Direktvertrieb von Küchenartikeln, Cowboystiefel von Justin Brands, Schokolade von See’s Candy, Boxershorts von Fruit of the Loom, die mit den Gesichtern von Buffett und seinem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Charlie Munger bedruckt sind.

Doch am Rande des „Woodstock für Kapitalisten“ geht es auch ums Geschäft. Hedgefonds-Manager Whitney Tilson lädt zum Empfang ins Hilton. Im Caféhaus „Scooters“ in Omahas Altstadt trifft sich ein Vermögensverwalter mit einer Gruppe brasilianischer Kunden. Buffett selbst ist drei Tage lang „komplett ausgebucht“. Auch sein Aufsichtsrat und Vertrauter Bill Gates ist in der Stadt. Der Microsoft-Gründer hat mit Buffett zusammen die Initiative gestartet, die Milliardäre dazu motiviert, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden.

Gleich zum Auftakt der Sitzung liefert Buffett starke Quartalszahlen: Vor allem die Bahn- und Versicherungs-Geschäfte liefen rund. Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf 5,16 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Operativ gab es sogar ein überraschend kräftiges Plus von 20 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Die Einnahmen wuchsen um sieben Prozent auf 48,6 Milliarden Dollar. Allein der Gewinn des Bahnkonzerns Burlington Northern Santa Fe kletterte um 44 Prozent auf gut eine Milliarde.

Doch zum 50. Jubiläum zeigt das „Orakel von Omaha“ auch erste Müdigkeitserscheinungen. Er wird nicht mehr wie in den Jahren zuvor persönlich Schmuck der hauseigenen Juwelierkette Borsheims verkaufen. Auch bei dem Fünf-Kilometerlauf am Sonntagmorgen wird er sich nicht mehr zeigen. Charlie und er, hat er angekündigt, wollen endlich einmal ausschlafen.

Am Samstag beantworten Buffett und Munger stundenlang die Fragen der Aktionäre. Es geht um die Zukunft von IBM und Coca-Cola, ebenso wie die US-Wirtschaft und die Firmenkultur. Auch Deutschland ist Thema. Das Duo zeigt sich gut gelaunt wie immer. „Hi, ich bin Warren, das ist Charlie. er kann hören, ich kann sehen, zusammen sind wir ein gutes Team“, eröffente Buffett das 50. Aktioänrestreffen.

Mit Material von Reuters

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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