Warren Buffett: US-Starinvestor kauft sich in der Ölbranche ein

Warren Buffett
US-Starinvestor kauft sich in der Ölbranche ein

In Zeiten fallender Ölpreise hat Warren Buffet in eben jene Branche investiert: Allerdings nicht in die Ölförderung, sondern in eine „Downstream“-Gesellschaft. Die Berkshire B-Aktie profitiert davon aber nicht.

San FranciscoEs ist einer dieser nüchternen Zettel, die an der Wall Street jeden Tag massenhaft ausgefüllt und an die Börsenaufsicht geschickt werden. Doch Name und Inhalt des unscheinbaren Formulars „Form 4“ haben es in sich: „Berkshire Hathaway Inc.“ steht dort unter dem Punkt „Reporting Person“ (meldende Person). Und bei Wohnort: „Omaha“ in Nebraska.

Warren Buffett hat wieder zugeschlagen. Genau 1.741.210 Aktien des petrochemischen Unternehmens Phillips 66 hat der Starinvestor am 8. Januar 2016 gekauft, gibt er in der Pflichtmitteilung bekannt. Der Gesamtbestand liegt jetzt bei 65,68 Millionen Stück und beim Kästchen „10% Owner“ (Anteilseigener von zehn Prozent) ist ein Kreuzchen gesetzt.

Insgesamt kaufte Buffett in wenigen Tagen 3,5 Millionen zusätzliche Phillips-Aktien ein. Zu einer Zeit, in der der Ölpreis im freien Fall ist, baut „das Orakel aus Omaha“ seine Positionen in der Branche aus.

Am Mittwoch brachen die Rohölpreise an den Märkten zeitweise auf unter 30 Dollar ein. In Deutschland war der Liter Diesel teilweise für weniger als 0,90 Euro zu bekommen. Im US-Staat Oklahoma kostete die Gallone (3,78 Liter) Benzin laut gasbuddy.com nur noch 1,63 Dollar. In Kalifornien gab es die höchsten Preise mit 2,80 Dollar im Schnitt. 3,60 Dollar waren es Anfang 2014 noch.

An der Börse half die Nachricht vom Aktienzukauf durch Buffett nicht. Mit dem Aktienmarkt brach auch die Berkshire B-Aktie um knapp 1,96 Prozent auf 126,28 Dollar.

Die Anleger sind vorsichtig geworden. 2015 war ein bescheidenes Jahr für die erfolgsverwöhnte Investmentgesellschaft und Analysten und Marktbeobachter schauen genau hin. Denn mit seinem reich diversifizierten Anlageportfolio ist Berkshire das fünftgrößte Unternehmen der USA und hat seit Mitte der 90er-Jahre nie schlechter gelegen als der breite Markt. Und wenn Berkshire Probleme hatte, war das oft genug ein Frühindikator für drohende Wirtschaftsschwächen.

Warum jetzt Phillips 66? „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, sagte schon Carl Mayer von Rothschild und Buffett scheint dieser Regel zu folgen. Aber mit einer leichten Modifikation. Phillips 66 ist kein Ölförderer („Upstream“), sondern ein Verarbeiter von Rohöl, eine „Downstream“-Gesellschaft, wie man in der Branche sagt.

Sie verarbeitet, transportiert und vermarktet Rohölprodukte. Neben Beteiligungen an 15 Erdölraffinerien betreibt das Unternehmen gut 20.000 Tankstellen (in Deutschland Jet). Hervorgegangen ist es als Abspaltung des Ölförderers Conoco Phillips.

Anders als die Ölförderer, die unter Überkapazitäten leiden, sind die Verarbeiter nicht so hart vom Preisverfall betroffen. Derzeit besteht weltweit kein großer Überhang an Raffineriekapazitäten, so dass der Preisverfall am Rohölmarkt in der Regel nicht ungebremst ist.

Die Quartalszahlen von Phillips 66 werden am 29. Januar erwartet. Im dritten Quartal 2015 meldete der Konzern einen Gewinn von 1,58 Milliarden Dollar nach 1,02 Milliarden im Jahr zuvor. Dies, so Firmenchef Greg Garland, resultierte nicht zuletzt aus einer Kapazitätsauslastung der Raffinerien von 96 Prozent. Die Autofahrer tanken wieder voll und die Lieferanten kommen kaum noch nach.

Phillips 66 passt also doch in das konservative, eher risikoaverse Depot von Buffett. Seit dem Börsengang 2012 hat Phillips 66 die Dividende verdreifacht und bei anhaltend gutem Geschäft wäre eine weitere Erhöhung denkbar.

Zudem wurde gerade erst das Aktienrückkaufprogramm um zwei Milliarden Dollar aufgestockt. Und da das Unternehmen kein Erdöl fördert, fallen die enormen finanziellen Risiken von erfolglosen Bohrungen auch weg.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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