Warren Buffetts Anlagestrategie

„Immer mindestens 20 Milliarden Dollar in bar“

Ausstieg aus dem Rohöl, Investitionen in eine Raffinerie und einen Industriezulieferer: Investor Warren Buffett war zuletzt in Kauflaune. In Fernsehinterviews spricht er über Öl, Geldpolitik und seine Prinzipien.
Der US-Starinvestor gilt als Vorbild für private Geldanleger. Quelle: dpa
Warren Buffett

Der US-Starinvestor gilt als Vorbild für private Geldanleger.

(Foto: dpa)

New YorkWarren Buffett hat seine Begeisterung für Rohstoffe verloren. Das sagte der Milliardär und legendäre US-Investor am Dienstagabend in Fernsehinterviews zum Verkauf seiner Anteile am Mineralölkonzern Exxon Mobil. Er sehe die Ölpreisentwicklung pessimistisch. „Ich hatte das Gefühl, dass die Zukunft nicht so gut wird, wie die Leute dachten.“

Was auf den ersten Blick verwundert: Stattdessen beteiligt sich Buffett aber mit 4,48 Milliarden Dollar am Raffineriekonzern Phillips 66, dem führenden Raffinerieunternehmen der USA. Seine Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway besitzt damit mehr als zehn Prozent der ausgegebenen Titel.

Buffetts Erklärung für dieses Ölinvestment: „Wir kaufen Phillips 66 nicht als eine Raffinerie. Wir kaufen es ganz bestimmt auch nicht als integrierten Ölkonzern. Wir kaufen, weil wir das Unternehmen und sein Management sehr mögen.” Das Raffinerieunternehmen hatten sich in den vergangenen Monaten deutlich besser entwickelt als andere Energieunternehmen. Im bisherigen Jahresverlauf hatte die Aktie rund 15 Prozent zugelegt, während der Energiesektor etwa 20 Prozent verlor.

Welche Aktien Warren Buffett hasst – und welche er liebt

AXALTA COATING SYSTEMS LTD. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
BMG0750C1082
Börse
L&S

+1,94 +6,48%
+25,00€
Chart von AXALTA COATING SYSTEMS LTD. REGISTERED SHARES DL 1
Axalta Coating Systems
1 von 42

Neu im Depot

Zum ersten Mal führt Warren Buffett in seinem Depot Anteile an Axalta Coating, einem Beschichtungsspezialisten. Insgesamt 20 Millionen Aktien der Firma mit Sitz in Philadelphia hat er zwischen April und Juni erworben.

Buffetts Anteile: 20 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2015: 100 Prozent

Quelle aller Angaben: 13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC

NATIONAL OILWELL VARCO INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US6370711011
Börse
L&S

-1,25 -3,92%
+31,40€
Chart von NATIONAL OILWELL VARCO INC. REGISTERED SHARES DL -,01
National Oilwell Varco
2 von 42

Aus dem Portfolio geflogen

Im Laufe des zweiten Quartals 2015 baute Warren Buffett die Position komplett ab. Die Aktie des texanischen Ölkunternehmens hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Buffetts Anteile: 0
Veränderung im zweiten Quartal 2015: -100 Prozent

PHILLIPS 66 REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US7185461040
Börse
L&S

+0,58 +0,66%
+86,57€
Chart von PHILLIPS 66 REGISTERED SHARES DL -,01
Phillips 66
3 von 42

Auch von diesem Öl- und Gaskonzern hat sich Warren Buffett im zweiten Quartal komplett getrennt. Im ersten Quartal hatte er noch 7,5 Millionen Aktien des Unternehmens besessen.

Buffetts Anteile: 0
Veränderung im zweiten Quartal 2015: minus 100 Prozent

Erst nach dem Stichtag für diese Übersicht stieg Buffett wieder groß bei Phillips 66 ein.

Charter Communications

WKN
ISIN
Börse

Chart von Charter Communications
Charter Communications
4 von 42

Aufsteiger

Im ersten Quartal des Jahres hatte Warren Buffett seinen Anteil an dem US-amerikanischen Kabelkonzern abgebaut. Doch im zweiten Quartal entschied er sich anders und stockte seine Beteiligung deutlich auf. Charter Communications ist der viertgrößte Kabelbetreiber in den USA. Der Aktienkurs des Konzerns hat in den vergangenen zwölf Monaten um 58 Prozent zugelegt.

Buffetts Anteile: 8.500.000
Veränderung im zweiten Quartal 2015: Die Beteiligung wurde um 42 Prozent aufgestockt und ist etwa 1,5 Milliarden Dollar wert.

VIACOM INC. REG. SHARES CLASS B DL -,001

WKN
ISIN
US92553P2011
Börse
L&S

+0,29 +1,06%
+27,07€
Chart von VIACOM INC. REG. SHARES CLASS B DL -,001
Viacom
5 von 42

Großer Verlierer

Das Vertrauen Warren Buffetts in den US-Medienkonzern sinkt weiter. Der 84-Jährige stieß mehr als 2,5 Millionen Papiere des Unternehmens zwischen April und Juni 2015 ab. Viacom ist ein amerikanischer TV-Konzern, der unter anderem an Kabelgesellschaften wie MTV, aber auch an Filmproduktionsgesellschaften wie Paramount und Dreamworks beteiligt ist.

Buffetts Anteile: 5,65 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2015: Anteil um 32 Prozent verringert

AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US0258161092
Börse
L&S

+0,32 +0,40%
+79,63€
Chart von AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20
American Express
6 von 42

Die vier wichtigsten Titel (1/4)

Fast 60 Prozent des Aktienwerts in Warren Buffetts Portfolio geht auf vier Einzeltitel zurück. Dazu zählt der Kreditkartenanbieter American Express.

Buffetts Anteile: mehr als 151 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2015: unverändert

COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
US1912161007
Börse
L&S

+0,24 +0,63%
+38,58€
Chart von COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25
Coca Cola
7 von 42

Die vier wichtigsten Titel (2/4)

Der bekennende Limonaden-Trinker Buffett hält auch im zweiten Quartal 2015 an seinen Coca-Cola-Aktien fest. Der Investor hat insgesamt 400 Millionen Papiere in seinem Portfolio, damit gehören ihm fast zehn Prozent der gesamten Anteile an dem Konzern.

Buffetts Anteile: 400 Millionen
Veränderung im ersten Quartal 2015: unverändert

Erst 2013 hatte Buffett große Teile seiner Aktien an Phillips 66 zugunsten des Kaufs einer Tochterfirma des Unternehmens abgegeben. „Wir waren in der Lage, das aufgrund von Steuervorteilen zu tun. Wir haben den Bestand nicht verkauft, weil wir ihn nicht mochten.“

Dass er nicht endgültig bei dem Raffinerieunternehmen aussteigen wolle, sei ihm schon damals klar gewesen. „Ich habe immer beabsichtigt zurückzukommen, vorausgesetzt der Preis stimmte. Und das habe ich jetzt getan“

Weitere Investitionen in den kommenden Monaten

Im Gespräch mit dem Sender CNBC verkündete Buffett zudem, dass er weitere Anteile am IT- und Beratungsunternehmen IBM gekauft hat. Sofort folgten zahlreiche Anleger seinem Beispiel. Nach Ausstrahlung des Interviews stieg der Aktienkurs von IBM um fast zwei Prozent.

Erst im August hatte Buffett für 37,2 Milliarden Dollar den Industriezulieferer Precision Castparts übernommen, den größten Zukauf in der Geschichte seines Unternehmens. Dennoch möchte Buffett auch in den nächsten Monaten das Geldausgeben nicht sein lassen. Er kündigte Buffett an, dass er in den kommenden vier bis fünf Monaten wahrscheinlich weitere 32 Millarden Dollar investieren würde, größtenteils in Precision Castparts. Doch von einem Prinzip weiche er trotz Shoppinglaune nicht ab. „Ich habe immer noch Geld, um zu kaufen. Ich behalte immer mindestens 20 Milliarden Dollar in bar.“

„Ein Boom sieht anders aus“
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