Was Rolf Elgeti an ostdeutschen Immobilien findet
Staranalyst auf Stadtflucht

Als erster deutscher Analyst brachte es Rolf Elgeti in der Londoner City zu Ruhm. Diese Karriere hat er mit 31 Jahren bereits hinter sich. Jetzt ist er selbstständig, investiert in ostdeutsche Wohnhäuser und geht im Pulli ins Büro. Eines ist aber geblieben: Seine Strategien sind immer noch ähnlich unangepasst wie früher.

FRANKFURT. Das Leben als Popstar stellt sich die Öffentlichkeit gewöhnlich anders vor. Bei Rolf Elgeti bedeutete es: Rund 1 000 Auftritte pro Jahr, manchmal bis zu einem Dutzend am Tag, mindestens drei Tage die Woche in unterschiedlichen Städten, Zeit- und Klimazonen, ein steter Wechsel zwischen Flugzeug, Auftritt und Hotel. Elgeti war in den Zwanzigern, war mit seiner eloquenten, intelligenten und gleichzeitig humorvollen Art „Everybody’s Darling“. Auch weil er Dinge vortrug, die sich wohltuend vom Einheitsbrei absetzten.

Rolf Elgeti war indes kein Sänger, Tänzer oder Schauspieler. Er war Aktienstratege, zuerst bei UBS in London, dann dort bei der Commerzbank und zuletzt bei ABN Amro. Wie die betuchten Kunden dieser Häuser ihr Geld anlegen sollten und wie besser nicht, das gab er vor. Als erster deutscher Analyst brachte er es in der Londoner City zu Ruhm.

Vor einem Jahr ist der Bauernsohn aus Mecklenburg-Vorpommern ausgestiegen und macht seither das, was vor ihm ebenfalls noch niemand versucht hat: Angelsächsischen Investoren die Vorteile deutscher – und vor allem ostdeutscher – Immobilien nahezubringen. „Ich glaube, dass deutsche Wohnimmobilien einen Zyklus erleben werden, der 20 Jahre dauern kann“, gibt sich der 1,90-Meter-Mann zuversichtlich. Er spricht bewusst von Wohnimmobilien. Gewerbeimmobilien sind eine andere Welt und nicht sein Ding.

Sein Ansatz war stets anders als der seiner Zunft. Während die Analysten oft dem Herdentrieb folgen und wirklich konträre Aussagen eher selten sind, suchte Elgeti die Chancen abseits der Trampelpfade. Das schlug sich in zahlreichen Auszeichnungen nieder. Der Branchendienst Thomson Extel Survey kürte ihn in den Jahren 2004 und 2006 zweimal zum besten und einmal zum zweitbesten Aktienstrategen Europas. Ende 2006, als die große Übernahmewelle bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen in voller Fahrt war, stellte er die für damalige Verhältnisse gewagte These auf, der Fokus bei Übernahmen werde sich künftig auf Marktschwergewichte verlagern, weshalb sich Anleger entsprechend positionieren sollten. Prompt folgte für viele überraschend die Übernahme des Dax-Konzerns Schering durch Bayer oder von die Reebok durch Adidas.

Ähnlich unangepasst ist seine Strategie heute im Immobiliensektor. „Lage, Lage, Lage“, nennt beispielsweise Sven-E. Hintz, Analyst der Berenberg Bank, den elementaren Faktor bei Immobilien – und beschreibt damit das Credo der Branche. Vom Analysehaus Starmine wurde Hintz für seine treffsicheren Prognosen gerade erst zum Immobilien-Analysten des Jahres ausgezeichnet. Der 31-jährige Elgeti interpretiert diese Aussagen auf seine Weise, indem er darauf setzt, was wohl künftig erst als gute oder sehr gute Lage entdeckt wird. Städte, die Londoner Investoren vielleicht noch nie gehört haben, wie Rostock oder Erfurt, gehören dazu, ebenso das dort wohl zumindest dem Namen nach bekannte Potsdam. Und kleine bis mittelgroße Städte in Norddeutschland wie Flensburg. „Natürlich ist der Frankfurter Opernplatz eine sehr gute Lage. Aber das weiß jeder, und da will auch jeder hin“, nennt Elgeti seine ebenso einfache wie einleuchtende Philosophie. Grundgedanke ist jedes Mal: Zu Mieten wie in Flensburg oder Erfurt kann man keinen Neubau finanzieren. Deshalb kommt es irgendwann zu Engpässen.

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