Weitere Korrekturen
Anleger unterschätzen Inflation

Den Aktienmärkten erwächst mit der kräftig anziehenden Inflation eine neue Herausforderung. Weltweit haben die enormen Preissteigerungen für Energie und Nahrungsmittel die Teuerungsraten auf Höchststände getrieben. Nachdem das Thema an den Börsen lange Zeit ignoriert wurde, warnen nun Volkswirte und Aktienstrategen vor deutlichen Rückschlägen.

HB FRANKFURT. "Der Markt unterschätzt die Inflation", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Es gibt die These, dass Aktien in Zeiten steigender Preise die überlegene Anlageklasse sind, da sie reale Werte verbriefen. Doch das greift zu kurz: Inflation ist auch Gift für die Aktienmärkte."

Sorge bereitet Experten insbesondere die drohende Mischung aus steigenden Inflationsraten und nachlassendem Wirtschaftswachstum. Ein solches als Stagflation bezeichnetes Umfeld wäre nach Meinung von Georg Elsäßer, Aktienstratege der WestLB, "eine Art größter anzunehmender Unfall für die Aktienmärkte". In vergangenen Stagflationsphasen, allen voran den 1970er-Jahren, hätten Aktien kräftige Korrekturbewegungen gezeigt.

Vergleiche mit den Preisexzessen der 70er weisen Experten bisher zwar zurück. Allerdings ist die Inflation zuletzt, angetrieben vom rekordhohen Ölpreis und teuren Nahrungsmitteln, weltweit sprunghaft angestiegen. In den USA liegt die Teuerungsrate inzwischen über vier Prozent, in der Euro-Zone stieg sie im Mai mit 3,7 Prozent auf den höchsten Stand seit 16 Jahren. Einige Schwellenländer kämpfen bereits mit zweistelligen Inflationsraten.

An den Börsen wurde das lange Zeit ausgeblendet. Erst als vor drei Wochen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und US-Notenbankchef Ben Bernanke fast gleichzeitig vor den Gefahren der Inflation warnten, fand das Thema Beachtung. Seither hat der Deutsche Aktienindex (Dax) knapp 400 Punkte eingebüßt.

Die Kursverluste spiegeln vor allem die Angst vor steigenden Leitzinsen wider: "Die Gefahr besteht, dass die Zentralbanken durch die Inflation zu deutlichen Zinserhöhungen gezwungen werden könnten und so die Konjunktur abwürgen", sagt Krämer. "Die Folge wären deutlich sinkende Gewinnerwartungen der Unternehmen, die eine Korrektur der Aktienkurse nach sich ziehen würden."

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