Welthandelsindex
Hohe Kurspotenziale an den Börsen

Erstmals seit November geht der Welthandelsindex wieder zurück. Ein Grund zu großer Sorge ist das aber noch nicht, meint Vermögensverwalter Markus Zschaber. Welche Aktien er jetzt kauft.
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DüsseldorfDie Weltwirtschaft verliert offenbar an Fahrt. Das zeigt der Welthandelsindex, den die Kölner V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft einmal monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Binnen eines Monats ist der Indikator um fast vier Punkte gefallen – und liegt nun bei 60,2 Punkten. Der kurzzeitige Aufschwung zu Jahresbeginn dürfte damit vorerst ein Ende gefunden haben, auch wenn der Wert weiter auf robustes Wachstum hinweist.

Der Indikator, für den die Volkswirte bei V.M.Z. monatlich rund 400 Rohdaten auswerten, zeigt Stimmungsänderungen der Weltwirtschaft frühzeitig an. Schließlich müssen Händler immer als Erste einschätzen, wie viel es sich zu bestellen lohnt – lange bevor Konsumenten entscheiden, ob sie kaufen oder nicht. Für Anleger ist der Welthandelsindex ein guter Indikator dafür, wie es an den Aktienmärkten weitergeht. Trendwechsel zeigt der Index meist schon Monate vorher.

„Der Einfluss der Euro-Krise auf die Weltwirtschaft wird zunehmend stärker“, sagt V.M.Z.-Chef Markus Zschaber. Die europäische Führung stehe dadurch nicht mehr nur gegenüber dem Kontinent, sondern gegenüber der ganzen Welt in der Pflicht, die Krise zu lösen. Einen Einbruch der Weltkonjunktur erwarten die Experten vorerst nicht, zumindest solange die Euro-Krise nicht eskaliert. Die Zurückhaltung der Händler sei ein psychologisches Phänomen, kein strukturelles, sagt Chefvolkswirt Björn Kising. Ähnlich sehen es die Konjunkturforscher beim Kieler Institut für Weltwirtschaft in ihrer neuen Prognose: Sie korrigierten ihre Vorhersage für das Wachstum der Weltwirtschaft im nächsten Jahr nur leicht nach unten: auf 3,8 Prozent. Für 2012 rechnen sie weiterhin mit einem Plus von 3,4 Prozent. Und der ZEW-Index ist im Juni so stark gesunken wie seit fast 14 Jahren nicht mehr.

In der aktuellen Phase sehen die Experten von V.M.Z. auch Chancen für Anleger. Es gebe eine ganze Reihe an Unternehmen, die durch die politischen Börsen der vergangenen Wochen deutliche Kursabschläge verbucht hätten, ohne dass – trotz aller Unsicherheit – wirkliche Umsatz- und Gewinneinbrüche zu befürchten seien. „Wir haben sicherlich ein sogenanntes Eventrisiko hinsichtlich Griechenland und Spanien“, sagt Zschaber. „Allerdings erwarten wir selbst bei einem Austritt Griechenlands, bei gesunden Unternehmen mit hoher Eigenfinanzierungskapazität, also geringer Verschuldung, keine Ertragskrise.“ Der Welthandel stehe weiterhin gut da.

Und deshalb stehen Logistikunternehmen bei den Vermögensverwaltern weiterhin auf der Kaufliste. Dazu zählen Konzerne wie die Deutsche Post, Fedex, UPS, Kühne & Nagel, China Railway und  Nippon Express. Fundamentaldaten würden an den Märkten derzeit völlig ausgeblendet, weshalb viele Konzerne unterbewertet seien. „Wir sehen weiterhin hohe Kurspotenziale bei Rohstoffunternehmen wie Tullow Oil, Chevron oder Exxon Mobil zudem bei Schlumberger und Noble Corporation“, sagt Zschaber. Außerdem setzt er auf sogenannte „Global Player“, die international aufgestellt sind und mit zunehmenden Umsätzen in den Wachstumsregionen dieser Welt punkten. Dazu gehören Adidas, SAP, Henkel, Beiersdorf, Gildemeister, Leonie, Amazon, Eastman Chemical, Micorsoft, 3M, Symrise, Scotts Miracle, Gea, Duerr, Krones, Estee Lauder und Colgate Palmolive.

Für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont sieht Zschaber der aktuellen Krise zum Trotz eine durchaus interessante Perspektive. Allein die Cash-Flows der Unternehmen würden die hohe Attraktivität verdeutlichen. „Wir kaufen derzeit auch ganze Aktienindizes wie beispielsweise den Dax, MDax, S&P500 oder Dow Jones Global Titans, um die Gesamtattraktivität auszunutzen“, verrät der Vermögensverwalter. „Die Risiken der Euro-Schuldenkrise sollte aber allen Anlegern bewusst sein, so dass Absicherungen bei einer nachhaltigen Verschlechterung der Marktpsychologie weiterhin angebracht sind.“

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse
Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.
Hans Christian Müller-Dröge
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Welthandelsindex: Hohe Kurspotenziale an den Börsen"

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  • Aus meiner Sicht sehr schlüssig, denn es dürfte sich um empirische Daten handeln, die dann wohl über Algorithmen zum Ergebnis kommen, welches dann darstellbar ist.
    Habe mir einige Institusveröffentlichungen der vergangenen Tage angesehen, die ähnliches beschreiben, nur nicht für alle Segmente, von daher eine sehr gute Zusammenfassung. (Danke für die Info.)

    Der Welthandelsindex
    Der IndexDer Welthandelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl und wird monatlich dem Handelsblatt exklusiv von der V.M.Z. Vermögensverwaltung zur Verfügung gestellt.

  • Ach guckst du... Von der Gewinnwarnung durch FedEx aber mal schnell kein Wörtchen...
    Gell? Für den Typen zahlen Sie kein Gehalt, wertes HB, das zahlt jemand anderes, nicht wahr?
    Und dann gleich mal ne Kaufempfehlung für die ganze Gruppe...
    Welchen Staatsanwalt soll ich anrufen?

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