Weniger Aktionäre: „Viele verkaufen aus Angst“

Weniger Aktionäre
„Viele verkaufen aus Angst“

Deutsche Anleger haben im vergangenen Halbjahr reihenweise Aktien verkauft – obwohl es für den Dax aufwärts ging. War das schlau? Wir fragen nach bei Christine Bortenlänger, der Chefin des Deutschen Aktieninstituts.
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HB: Im vergangenen Halbjahr haben sich deutsche Privatanleger scharenweise aus Aktien verabschiedet, die Zahl der Aktionäre ist drastisch gesunken. Haben Sie eine Erklärung?

Bortenlänger: Wir hätten einen solchen Einbruch nicht erwartet. Allerdings steht für das Gesamtjahr immer noch ein Plus. Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland um 1,5 Millionen gestiegen, in der zweiten Jahreshälfte um 1,3 Millionen gefallen. Die Analyse ist nicht einfach.

Das erste Halbjahr war wohl eher ein Ausreißer, denn tendenziell sinkt die Zahl der Aktionäre seit Jahren. Warum sind erneut so viele Anleger ausgestiegen?

Ich vermute, dass dahinter Gewinnmitnahmen stecken. Nach dem Motto: Was man hat, hat man. Sicherlich spielte auch die wachsende Unsicherheit, wie es an dem Finanzmärkten weitergeht, eine Rolle. Viele verkaufen aus Angst – und legen das Geld aufs Konto. Auf Tagesgeldkonten liegt so viel Geld wie nie. Wir wollen niemanden zum Zocker machen, aber so viel Cash ist sicherlich nicht vernünftig.

In der zweiten Hälfte des Jahres haben die Aktienmärkte kräftig zugelegt. Während Großinvestoren ihre Aktienquoten erhöhten, haben die Privatanleger verkauft. Wer war schlauer?

Am schlauesten ist es, regelmäßig Aktien zu kaufen und mittel- bis langfristig zu investieren. So lassen sich auf die Dauer auch Rückschläge aussitzen. Es kann sein, dass sie mal etwas teurer kaufen, dann aber auch wieder günstiger – unter dem Strich werden Sie mit einem Plus rauskommen. Gar nicht schlau ist es, ständig ein- und auszusteigen. Wie heißt es so schön: Hin und her macht Taschen leer.

Eine andere Börsenweisheit besagt, dass es Privatanleger besonders gut darin sind, auf dem Höhepunkt zu kaufen und im Tief zu verkaufen. Was ist da dran?

Da ist schon etwas dran. Aber das ist auch kein Wunder. Es fehlt an Verständnis. Wirtschaft verläuft in Zyklen, nach einer schwachen Phase geht es auch wieder aufwärts. Wer das weiß, kann auch zwischenzeitliche Verluste an der Börse besser aushalten. Außerdem sollte man nicht nur eine Aktie im Depot haben, sondern streuen. Das sind alles Grundlagen der Geldanlage – aber schon daran fehlt es. Die Politik ist gefordert, die ökonomische Bildung stärker zu fördern.

Ist mangelnde Bildung wirklich das Problem? Oder steckt nicht Psychologie dahinter?

Die Psychologie steht uns oft im Wege. Wenn sie schnell Auto fahren, können Sie in einen Geschwindigkeitsrausch verfallen. Das steckt in unseren Genen. Nichtsdestotrotz können wir lernen, damit umzugehen, auch an der Börse.

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  • Was viele Investoren nicht verstehen, ist, dass man nicht in die Zukunft sehen kann. Wir wissen alle, dass die Wirtschaft in Zyklen läuft. Wir wissen, dass die Zyklen früher 4-7 Jahre lang waren. Wir können aber in diesem Moment nicht sagen, wann der aktuelle Zyklus zu Ende sein wird. Das Ende ist erst ersichtlich, wenn es vorbei ist, also deutlich nach dem Hoch. Somit kann niemand wissen, wann der beste Zeitpunkt zum verkaufen ist. Jeder der jetzt verkauft, weil er denkt, es geht nicht weiter, kann genauso Recht haben, wie falsch liegen.

    Aus dieser Erkenntnis, dass man Hochs und Tiefs erst erkennt, wenn sie vorbei sind, ergibt sich, dass man am Besten niemals verkauft und immer in kleinen Mengen dauerhaft kauft. Jeden Monat für einen kleinen Betrag gekauft, ergibt im Laufe von vielen Jahren einen sehr schönen mittleren Kaufpreis.

  • "Viele verkaufen aus Angst" Oh je-ich dachte immer zu jedem Käufer muss es auch immer einen Verkäufer geben,ansonsten wäre eine Kursbildung gar nicht möglich-oder?! Außerdem waren Angst und Gier schon immer die Triebfedern der Börse,das ist nun wirklich nichts Neues.
    Die Autorin sollte sich lieber die Frage gefallen lassen,warum gerade viele Insider ihre Bestände drastisch verringern...?

  • "Ich halte en deutschen Aktienanleger in der augenblicklichen Situation für sehr klug, nämlich bei ansehnlichen Verkaufskursen sich von den (meisten)Papieren zu trennen und dafür Cash-Positionen aufzubauen"

    Das nennt man dann Gewinne begrenzen, Verluste laufen lassen. Wirklich clever!

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