Wer die Fallstricke kennt, kann sich schützen
Anleger stolpern oft über ihre eigene Psyche

Gewinneraktien zu früh verkaufen und Verlustbringer zu lange im Depot behalten – dieser wohl häufigste Anlegerfehler ist gleichzeitig auch der teuerste. Denn er kostet richtig Geld.

pga FRANKFURT/M. Auf einen zusätzlichen Gewinn von 80 Prozent verzichtete, wer sich im vergangenen Sommer für 86 Euro Puma-Aktien gekauft und diese schon nach einem halben Jahr für 122 Euro versilbert hat.

Lufthansa-Aktionäre, die am Jahresanfang für 15 Euro gekauft haben, hätten gut daran getan, im Frühjahr nach dem ersten Kursrutsch für 12,50 Euro zu verkaufen und ihre Verlustposition aufzulösen. Wer dabei geblieben ist, steht nämlich statt mit rund 16 aktuell mit 37 Prozent im Minus.

Eine Studie des US-Wissenschaftlers Terrance Odean belegt: Anleger verkaufen jede vierte Aktie, die Gewinne macht. Sie stoßen aber nur jedes siebte Papier ab, das Verluste aufweist. Diese Fehler passieren, weil Anleger wie alle Menschen stärker unter Verlusten leiden als sich über Gewinne in gleicher Höhe zu freuen, lehren Vertreter der Behavioral Finance. Diese Forschungsrichtung aus den USA beschäftigt sich mit der Anlegerpsychologie. Sie verbindet dabei psychologische mit ökonomischen Erkenntnissen.

„Verkaufen ist schwerer als kaufen“, erklärt dazu Professor Martin Weber von der Universität Mannheim. Beim Verkauf müssten Anleger zuerst ihre einstige Kaufentscheidung korrigieren. Beim Kauf hingegen entschieden sie unvorbelastet, sagt Weber.

Einen gewissen Schutz bieten computergestützte Handelsprogramme, wie sie vor allem Profianlegern zur Verfügung stehen. Denn anders als Menschen hat der Computer keine Gefühle. Er reagiert mit Kaufaufträgen, sobald eine Aktie eine vorher definierte Marke überschreitet oder verkauft automatisch, wenn der Verlust eines Titels einen vorher festgelegten Betrag sprengt. Menschen hingegen können ihre Emotionen beim Auf- und Ab der Aktienkurse nicht ausblenden – vor allem dann nicht, wenn ihr eigenes Geld in diesen Wertpapieren steckt.

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