Wertentwicklung schon gehandelter Titel im Schnitt besser – Deutsche IPOs waren Flops
Börsengänge werfen langfristig nur magere Renditen ab

Die weltweit in Schwung gekommene Welle von Neuemissionen ist an deutschen Anlegern bislang vorbeigelaufen. Doch Investoren haben dabei nicht viel versäumt, sagen Experten, nachdem mit dem Chiphersteller Siltronic zum zweiten Mal nach X-Fab ein Kandidat kurz vor dem geplanten Debüt abgesprungen ist.

DÜSSELDORF. Denn langfristig erwirtschaften bereits auf dem Markt gehandelte Aktien eine bessere Rendite, ergaben Berechnungen in den USA. Und in Deutschland sind nach einer Statistik der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) Investoren ohnehin mit den meisten Börsengängen kräftig baden gegangen.

Nach den Daten der Aktionärsschützer haben die Anleger bei gerade mal 8,4 % der insgesamt 439 deutschen Börsengänge seit 1997 Kursgewinne erzielt. 77 % der Neulinge bescherten ihren Aktionären einen Verlust von über 50 %, jeder vierte verschlang sogar komplett das eingesetzte Kapital. „Diese Ergebnisse sind zum Großteil auf den kollektiven Wahnsinn des Neuen Marktes zurückzuführen“, sagt SdK-Vorstand Markus Straub.

Doch selbst in einem normalen Umfeld halten Neuemissionen häufig nicht das, was sie versprechen. Jay Ritter, auf Börsengänge spezialisierter Professor an der Universität Florida, errechnete , dass die Anlage in Börsenneulinge über Jahrzehnte hinweg eine schlechtere Rendite erwirtschaftete als die Anlage in gleich große, bereits auf dem Markt befindliche Firmen. Über einen Zeitraum 1970 bis 2002 betrachtet, hat danach die Investition in eine Neuemission in den ersten fünf Jahren nach dem Börsenstart eine Rendite von durchschnittlich 9,4 % pro Jahr erbracht. Die Anlage in gleich große, bereits börsennotierte Werte erzielte dagegen im Schnitt 13,4 %.

„Anleger sollten nicht blind auf einen Börsenneuling springen“, warnt Ritter. Ob ein neu auf den Markt gebrachtes Papier sein Geld wert ist, sei allerdings nicht so einfach zu beurteilen, glaubt Aktionärsschützer Straub: „Man kauft immer irgendwie die Katze im Sack“. Deshalb komme es bei Neuemissionen auch sehr auf den Preis an. „Neuemissionäre müssen einen Risikorabatt bieten“,sagt Straub.

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