Wetten auf die Zukunft
Wo Spekulanten zuschlagen könnten

Griechische Staatsanleihen waren die Renditebringer des vergangenen Jahres. Mit einigen wenigen Fonds haben Spekulanten ihren Einsatz mehr als verdoppelt. Welche Staaten Zocker jetzt ins Visier nehmen könnten.
  • 6

DüsseldorfEs war der 9. Januar 2012, Griechenland stand vor dem Abgrund. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen hatten mit 35,58 Prozent ihren absoluten Höhepunkt erreicht, die Kurse lagen im Keller. Drohte die Staatpleite? Würden Gläubiger einem Schuldenschnitt zustimmen? Es ging um alles. Und so musste, wer im Moment größter Unsicherheit an Griechenlands Überleben glaubte, ein Zocker vom Schlag eines Panos Simos, Aris Papageorgakopoulos oder John Gikas sein.

Diese drei Herren, sie hatten Nerven wie Drahtseile. Zu einem Zeitpunkt, wo kein Investor dem hochverschuldeten Griechenland mehr Kredit gewähren wollte, griffen sie zu – Staatsanleihen gab es zu Spottpreisen. Dann ging alles ganz schnell.

Erst verzichteten Gläubiger auf Forderungen in Höhe von 100 Milliarden Euro, dann erklärte eine neue Regierung Reformbereitschaft – schließlich versprach EZB-Chef Mario Draghi Ende Juli, alles zu tun, um die Euro-Zone zu erhalten. Sinos, Papageorgakopoulos und Gikas waren plötzlich reich: Auf Jahressicht rentierten ihre griechischen Anleihefonds mehr als 100 Prozent höher.  

Spekulation ist so alt wie die Börse selbst. Immer dort, wo die Stimmung an den Märkten zu kippen droht, legen Zocker richtig los – zu faszinierend scheint die Idee vom großen Geld. Mittlerweile scheint Europas Peripherie zwar aus dem Gröbsten heraus zu sein; doch haben diverse Länder weiterhin mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Die Frage also bleibt: Ist nach Griechenland die nächste Spekulationswelle in Europa nur eine Frage der Zeit?

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, sieht die Spekulationsfreude in Europa derzeit „abgeflaut – und das nicht ohne Grund“. Denn mit dem Rettungsfonds ESM, der Bankenunion und der neuen Rolle der Europäischen Zentralbank ist Europa wichtige Schritte hin zu einer zentralen Finanzebene gegangen. „Jeder, der jetzt spekuliert, spekuliert gegen die Geldpolitik der Notenbanken“, sagt Kater. Insofern seien Zocker von vorn herein „etwas entmutigt“.

Kommentare zu " Wetten auf die Zukunft : Wo Spekulanten zuschlagen könnten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht vergessen - Aasgeier haben in der Natur eine wichtige Funktion! (Achtung:Satire!)

  • Nerven wie Drahtseile?
    -------------------------
    Vor allem braucht man die durchsichtige Geldpolitik
    einer EZB die fast zum Nulltarif Spekulationsgelder auf
    Pump bereitstellt und ein Durchalten bis zur Banken-
    union, wo im Falle des Platzens der Blase die rück-
    zahlungsfreie Rekapitilasierung durch den ESM, sowie
    der Zugriff auf die Rücklagen der EU-Sparer winkt.

  • @Trader

    Ja, ich halte mich auch immer für umwerfend mutig wenn ich One-Pair in der Hand halte und auf ein Full-House bluffe. Wenn ich mit diesem Bluff die anderen Mitspieler bis aufs Unterhemd ausgenommen haben, empfinde ich dies stets als gerechte Belohnung meines Mutes.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%