Wetterderivate
Die Stürme umschiffen

Es geht turbulent zu in der Welt - und zwar nicht nur an den vom Beben der Kreditkrise erschütterten Finanzmärkten. Turbulenzen in Form von Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Dürrekatastrophen gibt es auch beim Wetter. Die ökonomischen Gefahren dieser Wetter-Unbilden sind riesig. Mit Derivaten wird versucht, die Risiken zu steuern.

FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat errechnet, dass rund 80 Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung in den Industrieländern direkt oder indirekt in irgendeiner Form vom Wetter abhängen.

Obwohl Wetter an sich im Gegensatz zu Finanzinstrumenten keinen zu Grunde liegenden Wert repräsentiert, sind die Risiken, die aus Wetterschwankungen resultieren, in Form von synthetischen Instrumenten (also Derivaten) an OTC-Märkten und Terminbörsen handelbar. Mit Derivaten können die aus Wetter-Turbulenzen resultierenden Risiken kontrolliert und gesteuert werden. Solchen Risiken sehen sich vor allem Akteure der Energiebranche und der Landwirtschaft ausgesetzt. Auch das Wohl und Wehe in der Touristik, der Bauindustrie und des Einzelhandels hängt vom Wetter ab.

"Wetterderivate haben sich in diesen Branchen einen festen Platz im Risikomanagement erobert", sagen Experten des Rückversicherers Swiss Re, der nach Statistiken der Fachzeitschrift EnergyRisk mit einem Anteil von rund 30 Prozent vor Finanzhäusern wie Merrill Lynch, UBS und Barclays Capital globaler Marktführer bei Wetterderivaten ist.

Solche Finanzvehikel (Futures, Optionen, Swaps, Forwards) werden auf der einen Seite an Freiverkehrsmärkten (OTC) von Banken maßgeschneidert auf Bedürfnisse von Unternehmen abgestimmt. Andererseits werden Derivate in standardisierter Form auch an Terminbörsen gehandelt. Für Unternehmen der Wirtschaft erweisen sie sich als attraktive Sicherungsinstrumente, für Finanzmarkt-Akteure als interessante Anlage- und Spekulationsvehikel.

Ungeachtet des starken Interesses wartet der Markt bislang noch auf den Durchbruch. Das Volumen des Weltmarktes wird von der Weather Risk Management Association (WRMA) für die Saison 2006/2007 mit rund 20 Mrd. Dollar angegeben."Wir sehen seit Jahren stark zunehmendes Interesse", sagt WRMA-Finanzchef Warren Isom, der in diesem Kontext unter anderem auf das starke Wachstum auf dem indischen Markt verweist. Für die laufende Saison erwarten Fachleute einen Anstieg auf weit über 25 Mrd. Dollar. Aktuelle Zahlen wird die WRMA Anfang Juni veröffentlichen.

Seite 1:

Die Stürme umschiffen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%