Wichtiger Partner wankt
Yahoo erneut unter Druck

Einen schweren Kurseinbruch hat Yahoo vor einigen Monaten erlitten. Kaum hat sich die Aktie ein Stück weit erholt, ziehen schon die nächsten Gewitterwolken auf. Der populären US-Internetseite droht ein wichtiger Partner verloren zu gehen.

STUTTGART. Die lukrative Partnerschaft mit AT&T steht auf dem Spiel. Gemeinsam haben die beiden Gesellschaften Millionen Amerikanern Breitbandanschlüsse verkauft. Doch inzwischen braucht AT&T den Partner nicht mehr so dringend, erörterte jüngst das Wall Street Journal. Denn Breitbandanschlüsse verkauften sich für Telefongesellschaften inzwischen von allein.

Der Bericht schickte die Aktie am vergangenen Wochenende mehr als fünf Prozent in den Keller. US-Analysten stuften die Suchmaschinenaktie herab oder bekräftigte ihre Verkaufsurteile, darunter die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) sowie das Bankhaus William Blair. „Yahoo läuft Gefahr, eine wesentlich reduzierte Zusammenarbeit oder sogar deren kompletten Verlust zu erleiden“, sagt Analyst Scott Devitt vom Brokerhaus Stifel Nicolaus. Die Experten fragen sich, wie sich Yahoos Gewinn dann entwickeln wird.

Zurzeit fließen Yahoo von AT&T jährlich etwa 210 bis 290 Mill. Dollar an Abogebühren und Werbeeinnahmen zu, schätzt Anthony Noto von Goldman Sachs – das ist ein Viertel der gesamten Gebühreneinnahmen des Internetanbieters. Die Verdienstspanne in diesem Geschäftsfeld ist für Yahoo wesentlich lukrativer als in anderen Bereichen, so dass Verluste umso schmerzlicher wirken. Wird der Vertrag tatsächlich nachverhandelt und die Kooperation reduziert, dann könnte dies Yahoos Jahresgewinn um bis zu 70 Mill. Dollar und damit etwa fünf Cent pro Aktie schmälern, errechnet S&P-Analyst Scott Kessler.

Doch Panik wäre jetzt übertrieben. Laut einer Studie des Forschungsdienstes ComScore blieb Yahoo im Februar mit fast 35 Mrd. Klicks und 130 Mill. Nutzern der Marktführer unter den US-Internetseiten. Die große Mehrheit der Banken rät denn auch weiter zum Kauf der Yahoo-Titel. Auch der Kurs liegt mit knapp 30 Dollar immer noch fast ein Drittel höher als nach seinem Tiefstand vor einem halben Jahr. Analyst Jeetil Patel von Deutsche Bank rät den Anlegern zwar zum Halten, setzt sein Kursziel aber gleichzeitig nur auf 28 Dollar – was im Vergleich zum aktuellen Preis weitere Abstriche bedeuten würde, aber auch keinen größeren Einbruch.

Uneins sind sich die Experten in der Frage, ob eine Nachverhandlung bei AT&T weitere Partner abspringen lässt. Auch mit den Telekomfirmen Verizon (USA), British Telecom in Großbritannien und Rogers in Kanada laufen ähnliche Breitband-Verträge wie mit AT&T, so dass für Yahoo Gesamteinnahmen von bis zu 350 Mill. Dollar auf dem Spiel stehen. „Wir rechnen nicht damit, dass die aktuelle Diskussion einen Einfluss auf die anderen Partnerschaften hat – AT&T sitzt auf Grund seiner Größe einfach an einem längeren Hebel als die Konkurrenz, sagt Brian Pitz von Bank of America, der zum Kauf von Yahoo rät. Die Risiken seien längst im Kurs eingepreist

.

Dem widersprechen andere Experten. „Breitbandanwendungen sind inzwischen so gefragt, dass AT&T es einfach nicht mehr nötig hat, seine Produkte unter dem Namen Yahoo zu vermarkten“, sagt Jeetil Patel. „Damit ist das gesamte Konzept veraltet, wonach die Telekomfirmen jemand anderen dafür bezahlen sollen, wenn sie auch gleich direkt verkaufen könnten.“

Die Kräfteverhältnisse verschieben sich. Yahoos Erzrivale Google und auch der Computergigant Microsoft haben im vergangenen Jahr Verträge abgeschlossen, in denen sie ihre Geschäftspartner für das Privileg bezahlen, deren Kunden ihre Dienstleistungen anzubieten. Die Situation von Yahoo ist im Vergleich das kleinere Übel.

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