Wie Börsenkandidaten mit dem Erfolg von Wettbewerbern Anleger anlocken
Ein Platz an der Sonne

Was gibt es für eine bessere Werbung für einen Börsenkandidaten, als genau so in Geschäft und Strategie aufgestellt zu sein wie ein Unternehmen, das bereits an der Börse notiert ist und sich zuletzt dort prächtig entwickelt hat. Welcher Anleger möchte da nicht beim Nachahmer zugreifen, wenn er schon beim Original die Chancen, die die Aktie bietet, nicht rechtzeitig erkannt hat.

„Peer-Group-Vergleich“ heißt das Zauberwort, bei dem Unternehmen und die sie begleitenden Banken nach Konkurrenten suchen, die an der Börse schon die Erfolgsgeschichte geschrieben haben, die der Neuling erst noch schreiben will. Deren Ansehen soll erstens zum Kauf des Börsenneulings animieren und zweitens einen möglichst hohen Kaufpreis garantieren. Doch mit den Emissionen der letzten Tage häufen sich die Vergleiche von Unternehmen, die sich eigentlich gar nicht miteinander vergleichen lassen.

Beispiel HCI: Die Erstnotiz des Hamburger Fondsspezialisten steht am kommenden Donnerstag an. In einer Studie zur Emission vergleichen die Analysten von Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein den drittgrößten deutschen Anbieter geschlossener Fonds und gleichzeitig größten Anbieter von Schiffsfonds mit der Kölner Vivacon AG. Die bieten seit einiger Zeit zwar Wohnungsprivatisierungsfonds an. Die Wurzeln des 1997 gegründeten Unternehmens liegen jedoch in der Privatisierung vorwiegend denkmalgeschützter Immobilien im Erbbaurecht. Die Vergleichbarkeit geht somit gegen null. Was an Vivacon dennoch so erstrebenswert ist, ist deren Kursentwicklung. Mit einem Plus von über 300 Prozent seit Jahresanfang ist die Aktie mit Abstand der erfolgreichste Wert im Kleinwerteindex SDax.

Doch HCI ist kein Einzelfall. Die beiden Solarunternehmen Ersol und Q-Cells – das Börsendebüt von Ersol ist heute, das von Q-Cells ist am kommenden Mittwoch – vergleichen die Analysten der Emissionsbanken besonders gerne mit Solarworld. „Wir betrachten Solarworld als das angemessenste Vergleichsunternehmen zu Q-Cells“ heißt es in einer Studie von Konsortialführer Citigroup. „Solarworld ist der adäquateste Vergleich zu Ersol“, schreibt die Deutsche Bank, die den Börsengang von Ersol begleitet. Was Solarworld so attraktiv macht, ist ebenfalls die Kursentwicklung der Aktie. Mit einem Plus von über 500 Prozent war sie die erfolgreichste Aktie des vergangenen Jahres im Prime Segment der Deutschen Börse. Und in diesem Jahr hat das Bonner Unternehmen beste Aussichten, erneut ganz weit oben mit dabei zu sein. Bislang sind es schon wieder rund 270 Prozent, die die Aktie seit Anfang Januar zugelegt hat.

Nun ist die Masche, dass ein Börsenkandidat sich mit einem etablierten Erfolgswert vergleicht, nicht neu. Unvergessen ist der gescheiterte erste Versuch der Hamburger Conergy, eines ebenfalls in der Solarbranche angesiedelten Unternehmens. Das schaffte im Frühjahr dann im zweiten Anlauf mit großem Erfolg den Börsengang. Selbstredend musste in einer Studie der begleitenden Berenberg-Bank auch die Solarworld-Aktie als Vergleichsunternehmen herhalten. Viel interessanter ist jedoch, dass Conergy beim ersten Anlauf im Jahr 2001 von den Analysten der damals begleitenden HSBC Trinkaus & Burkhardt auch Energiekontor, Plambeck, P&T Technology und Umweltkontor in die Peer Group mit einbezogen wurde. Die waren zwar in erster Linie in der Windenergie tätig; aber sie fielen unter den Oberbegriff „regenerative Energien“. Außerdem waren Windenergie-Aktien zu dieser Zeit an der Börse unglaublich gefragt. Nach dem Kursverfall der letzten Jahre grenzte es heute an Geschäftsschädigung, einen Börsenneuling mit einem Windenergie-Unternehmen zu vergleichen.

Viele Investoren fragen sich inzwischen, inwieweit diesen Peer-Group-Vergleichen überhaupt noch zu vertrauen ist und wohin die aktuelle Entwicklung noch führen wird. Im Scherz wird dabei folgende Anekdote aus Zeiten des Neuen Marktes wieder aufgetischt: In den Jahren 1999 und 2000 waren Koordinatendiagramme angesagt, um den Stellenwert eines Börsenkandidaten angemessen aufzuzeigen. Selbst kleinste Internetunternehmen waren dabei stets oben rechts im Diagramm platziert – quasi als höchste erreichbare Stufe. Links davon oder darunter standen dann so illustre Namen wie Microsoft, Amazon, SAP und Yahoo, aus deren Geschäftserfolg besagter Börsenkandidat noch einmal das Beste machen wollte. In den meisten Fällen kam es bekanntlich anders.

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