Wirtschaftsjahr 2009
Boomende Börsen, miese Perspektiven

Fast identisch sind die Kursverläufe an den Börsen 2003 und 2009: Bis März ging es steil bergab, dann stiegen Aktien wie Phönix aus der Asche. Spiegeln die aktuellen Märkte damit das gleiche Wirtschaftsszenario wie 2003 wider? Blickt man auf Konjunktur und Unternehmensgewinne, sieht es diesmal schlechter aus. Doch historisch niedrige Zinsen treiben die Anleger an die Börsen.
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DÜSSELDORF. Als die alliierten Truppen im Frühjahr 2003 ihren Angriff auf Irak und seinen Diktator, Saddam Hussein, starteten, endete der Ausverkauf an den Börsen. In Erwartung auf ein rasches Kriegsende schüttelten die Aktienmärkte die vorangegangenen Ängste um den Weltfrieden ab. Wie am Schnürchen legten die Börsen bis Jahresende zu. Investoren witterten eine kräftige Erholung der Weltwirtschaft - und sollten recht behalten.

Nach drei Verlustjahren in Folge beendete der Dax das Jahr 2003 mit einem Zuwachs von 37 Prozent. In den folgenden vier Jahren boomte die Wirtschaft in Deutschland und weltweit. Damit hatte die Börse ihren Ruf als Frühindikator wieder einmal eindrucksvoll bestätigt.

Ähnlich könnte es diesmal wieder laufen. Nachdem die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise die Börsen bis März auf Talfahrt geschickt hat, erholen sich die Kurse und mit ihnen die Stimmung, die Frühindikatoren und schließlich auch die reale Wirtschaft. Reihenweise überraschen die Banken derzeit mit Milliardengewinnen. Die bis zum Spätsommer rapide einbrechenden Firmenerträge drehen wieder nach oben.

2003 und 2009 stoppte die Talfahrt, als die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland an den Märkten nur noch so viel wert waren, wie sie an Eigenkapital auswiesen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis im Dax war auf den historischen Tiefstand von eins gefallen. Aktuell notiert es bei 1,4. Damit sind Aktien angesichts immer noch geringer Ertragsverbesserungen und immenser Abschreibungsrisiken bei Banken, aber auch vielen Industriekonzernen, keineswegs mehr günstig bewertet.

Hinzu kommen die schlechteren Perspektiven als zu Beginn der damaligen Erholung. "Wenn die Weltwirtschaft 2010 nachhaltig anspringen würde und die Unternehmen ihre Gewinne kräftig steigern könnten, dann hätte auch der Dax noch viel Potenzial", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Doch wie die meisten Experten glaubt auch er nicht daran, dass sich die vielen Hoffnungen und Eventualitäten erfüllen.

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Kommentare zu " Wirtschaftsjahr 2009: Boomende Börsen, miese Perspektiven"

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  • Wirtschaft als kleines Strohfeuer,

    Dieser Artikel sagt die momentane Entwicklung der börse, Arbeitslosenzahlen müssen noch berücksichtigt werden. Verlängerung der Kurzarbeit die jetzt zur Debatte steht, ist ein Faktor wenn es zur Verlängerung geht. Danach werde die Wirtschaft sehr zähflüssig sich entwickeln. Depression kreist auch schon in der Warteschleife.

    Mfg

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