Wohin mit dem Geld?
„Anleger werden gezwungen, Aktien zu kaufen“

Jahrzehntelang galten Staatsanleihen als krisensichere Anlage. Doch die Schuldenkrise in Europa hat das Vertrauen erschüttert. Jetzt fragen sich viele Anleger: Wohin mit dem Geld? Statt es einem wackligen Staat zu leihen, investieren sie lieber in Aktien. Das dürfte den Dax im kommenden Jahr weiter antreiben.
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FRANKFURT. Der Dax ist auf dem Vormarsch. Gestern stieg der Index um fast drei Prozent, heute geht es erneut nach oben. Die Marke von 7 000 Punkten ist nicht mehr weit. Die Experten, die in diesen Tagen ihre Prognosen für 2011 vorstellen, gehen fast alle von steigenden Kursen aus. Nach Ansicht von Stefan Dudacy, Fondsmanager beim Bankhaus Metzler, wird der Dax im nächsten Jahr auf 8 000 Punkte steigen und damit so hoch wie vor der Finanzkrise.

Wie ist das möglich? Die Krise ist alles andere als ausgestanden. In Europa stehen ganze Volkswirtschaften am Rand der Pleite. Die Stabilität des Euros steht auf dem Spiel. Dass Anleger in solchen Zeiten europäische Aktien kaufen, erscheint auf den ersten Blick verwegen. Trotzdem nutzen die Investoren Rückschläge, um nachzukaufen. Aber nicht, weil sie die Schuldenkrise ignorieren, sondern weil sie nicht anders können. Sie wissen nicht wohin mit dem Geld.

"Unglaubliche Mengen an Cash"

Einer, der ständig mit den Nöten der Anleger konfrontiert ist, ist Konrad Hummler. Der Schweizer ist Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co. In Gesprächen mit seinen Kunden stellt Hummler vor allem eines fest: "Die meisten wollen nur, dass ihr Geld sicher ist. Viele halten unglaubliche Mengen an Cash - aus Ratlosigkeit." Aber Bargeld ersetzt auf Dauer keine Anlagestrategie. Hummler rät Anlegern, in Sachwerte zu investieren, dazu zählen zum Beispiel Immobilien, Edelmetalle, aber auch Aktien. Die seien sicherer als manche Staatsanleihe.

An den Finanzmärkten hat ein tiefgreifender Wandel stattgefunden. Jahrzehntelang galten Staatsanleihen als krisenfeste Anlage, als letzte Zuflucht in schwierigen Zeiten. Jeder Vermögensverwalter, der auf Sicherheit bedacht war, steckte sein Geld in die Papiere der Staaten. Doch nun hat die Schuldenkrise das Vertrauen erschüttert. Anleihen hätten ihren Nimbus verloren, sagt Martin Gilles, Anlagestratege der WestLB.

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  • ich weiß nicht, aus der Not heraus anlegen um
    2-3 % besseres zu jagen, ob das der richtige Weg ist.
    Welches Risiko beinhalten Aktien, minus 15 % bei
    Gewinnmitnahmen sind durchaus drin. Wieviele froh sein
    werden den letzten Rückschlag wieder auszubügeln wird
    sich auch erweisen, viele sind jetzt wieder an ihren Einstanskursen dran und drüber. Mal sehen ob die Gier wieder zieht oder die Vernunft durchschlägt.
    Außerdem stehen hinter jeder Aktie fundamentale Daten
    und nicht nur Hoffnungen und Erwartungen. Nach diesen Daten
    gibts er gar nicht mehr soviele günstige Aktien, auch
    nicht in Deutschland.
    Die Vericherungen sind ein anderer Fall.
    1. Aktien müssen zukünftig mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden und das ist gut so.
    2. Die Alterspyramide zeigt daß die große Überzahl der
    Teilnehmer wohl über 45 bis 65 Jahre ist.
    7-10 Jahre vor Auszahlung der Versicherung sollte der
    Aktienanteil der Policenehmer schon ziemlich gering sein.
    Zwischen dem Alter 55 bis 65 befinden sich immerhin 10 Millionen Menschen, wieviele davon Lebensversicherungen haben kann ja mal das Handelblatt eruieren.
    in jeden Fall werden nun jährlich 1 Million + jährlich die 65 überschreiten, während von hinten wenig nachkommt,
    sodaß die ganze beitrags-Substanz aus der Phalanz der 40-55 jähringen gestaltet werden muß. Es ist immer noch der
    Größte bevölkerungsanteil, aber er verschleicht sich langsam aber sicher. in 10 Jahren ist dieser Anteil die kritische Masse bei den Versicherungen und es wird wohl
    nicht die investition allein mehr im Vordergrund stehen,
    sondern auch die Reservebildung. Die Hochzeiten der Demographie stehen im Zenit und weniger am Anfang.
    Das Pech der niedrigen Zinsen kann wohl kaum durch Aktienmarkt-Zockerei egalisiert werden. Wenigstens nicht
    auf mittlere Zeit.
    Sollte ich aber demnächst lesen, daß die Allianz Agenten
    entläßt und Aktienhändler einstellt.
    Nehme ich alles obige zurück.

  • Auch wenn es sich manchmal ein wenig wie Werbung "kauft Fonds, kauft ETFs..." liest, sind die Einschätzungen in diesem Artikel völlig richtig. Viele Assetklassen sind für große und kleine Anleger mittlerweile vollkommen unattraktiv. Milliarden von Euro in Cash sind auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten geparkt. Die müssen langsam irgendwo hin. Einige der wenigen, gut laufenden "Produkte" sind deutsche Aktien. Sieht man sich die Kurse an, so sind viele noch von ihren Höchstständen entfernt. Attraktive Dividenden locken. Als Aktionär hat amn einen reellen Wert erworben. Als bargeldbesitzer hat man nur bunte Schnipsel mit €-Zeichen in der Hand. Es gibt einiges, was für Aktien spricht. Vorallem aber: Der Markt läuft und läuft! Einsteigen, Gewinne mitnehmen, bei der nächsten größeren Krise rechtzeitig verabschieden. Jeder Anleger sollte seinen persönlichen Exit-Plan in der Tasche haben.
    Alternativen: Gold + Rohstoffe? Nicht schlecht!
    immobilien, bargeld, Staatsanleihen, Schrott-bonds, Sparbücher? Nein, danke!
    Also, kaufen wir noch ein paar Aktien ...

  • Drum merke: Gold ist (noch) verdammt billig

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