Wohin mit dem Geld?
Die Investmentstrategie der reichsten Uni der Welt

Harvard, die reichste Hochschule der Welt, hat zuletzt nicht allzu viel Rendite erzielt bei der Anlage ihres Vermögens. Das soll sich ändern, genauso wie die Strategie. Worauf der Hüter der Milliarden jetzt setzt.
  • 0

New YorkVor vier Jahren übernahm Jane Mendillo die Leitung der 32 Milliarden Dollar (24,6 Milliarden Euro) schweren Stiftung der Harvard University. Doch nach wie vor sucht sie nach einem Mittel, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen und die Verluste aus der Zeit der Finanzkrise auszugleichen. Eine Antwort darauf könnten Investments in Nutzwald sein, die schon seit vielen Jahren zu den Favoriten von Mendillo zählen.

Harvard hat etwa die Hälfte der Verluste im Volumen von zehn Milliarden Dollar wieder hereingeholt, die bei der Finanzkrise 2008 angefallen waren. Universitäten wie Stanford, Columbia oder Princeton haben jedoch höhere Gewinne verbucht. Und das Fiskaljahr bis Ende Juni dürfte auch eher schwach ausgefallen sein, nachdem der Standard & Poor's 500 Index in den zwölf Monaten lediglich 3,1 Prozent zulegte.

„Alle versuchen übergroße Renditen zu erzielen, aber davon gibt es immer weniger“, sagt Brad Barber, Professor für Finanzwesen an der University of California in Davis. „Nur den besten und schlauesten dürfte es gelingen, etwas zu finden.“

Von allen institutionellen Investoren haben die Stiftungen in den zwölf Monaten bis Ende Juni die schlechteste Entwicklung erzielt, wie aus einem Bericht von Wilshire Associates vom 6. August hervorgeht. Im Schnitt haben sie in dem Zeitraum demnach lediglich 0,37 Prozent zugelegt. Harvard wird sein Ergebnis in den nächsten Wochen bekannt geben. Princeton-Präsidentin Shirley Tilghman kündigte vergangene Woche an, dass ihre Stiftung wohl zwischen null und fünf Prozent zugelegt hat. Im Jahr davor waren es noch 22 Prozent.

Um die reichste Hochschule der Welt auch bei der Performance an die Spitze zu bringen, hat Mendillo nun eine Strategie wieder ausgekramt, deren Wegbereiterin sie schon vor mehr als einem Jahrzehnt gewesen ist. Dabei geht es um den Kauf von Nutzwald. Die Strategie erwies sich beim Kauf von Wald in den USA als profitabel, nun will sie Mendillo weltweit einsetzen. Stattdessen sollen Investments in Beteiligungs-Fonds und andere alternative Investments zurückgefahren werden.

Im April flog Mendillo mit einer Turboprop-Maschine von der brasilianischen Hauptstadt Brasilia aus ins Landesinnere, um drei Nutzwaldplantagen von Harvard zu inspizieren. Wälder, Farmland und andere natürliche Ressourcen machen mittlerweile zehn Prozent des Portfolios – mehr als drei Milliarden Dollar – aus. Und Mendillo will den Bereich weiter ausbauen.

„Ich will Besitz, auf dem etwas produziert wird, das die Welt benötigt, und bei dem das Angebot nicht beliebig vergrößert werden kann“, sagt die 53-Jährige im Interview mit Bloomberg News im Büro von Harvard Management Co. in Boston, Massachusetts. „Nutzwald ist dafür ein perfektes Beispiel.“

Seite 1:

Die Investmentstrategie der reichsten Uni der Welt

Seite 2:

Mehr Risiko als andere

Kommentare zu " Wohin mit dem Geld? : Die Investmentstrategie der reichsten Uni der Welt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%