Zahl der Aktionäre sinkt
Anleger trauen Dax-Erholung nicht

Die deutschen Anleger haben trotz niedriger Kurse die Aktie als Anlageform im ersten Halbjahr 2003 weiter gemieden. Nach dem jähen Ende des Börsenbooms im Jahr 2000 haben viele Anlager nach wie vor kein Vertrauen in die Aktienmärkte, obwohl der Deutsche Aktienindex (Dax) seit seinem Tiefstand im März dieses Jahres über 1000 Punkte gewonnen hat.

Reuters FRANKFURT. Die Gesamtzahl der Aktionäre inklusive der Fondsbesitzer sei in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2002 leicht gesunken, teilte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Montag mit. Gleichzeitig sei die Zahl der Direkt-Anleger gefallen, nachdem deren Zahl im zweiten Halbjahr 2002 noch zugenommen hatte.

„Trotz positiver Signale ist die Unsicherheit bei den Anlegern weiterhin sehr hoch“, kommentierte DAI-Chef Rüdiger von Rosen die Ergebnisse der Infratest-Umfragen im Auftrag des DAI. „Angesichts der Tiefststände der Kurse im Frühjahr 2003 ist die weitgehende Stabilität der Anlegerzahlen ein durchaus ermutigendes Ergebnis.“

Vor allem der direkte Aktienkauf ist in der Gunst der Anleger wieder gesunken. Die Zahl der Direktanleger ging den Angaben des DAI zufolge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2002 auf 4,9 Mill. von zuvor 5,3 Mill. zurück. Im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres war die Zahl der Direktanleger erstmals seit dem Börsenboom 2000 wieder gestiegen. Diesen Anstieg hatte das DAI, das sich die Förderung der Aktienkultur zum Ziel gesetzt hat und unter anderem von börsennotierten Unternehmen getragen wird, mit den günstigen Einstiegskursen im Herbst 2002 begründet.

Insgesamt ist die Zahl der direkten Aktionäre und Fondsbesitzer in Deutschland nach DAI-Angaben von Januar bis Juni leicht auf 11,1 Mill. von zuvor 11,5 Mill. zurückgegangen. Damit besitzen derzeit 17,3 % der Deutschen Aktien. Im ersten Halbjahr 2001 hatten noch 13,5 Mill. der Deutschen über 14 Jahren Anteilsscheine gehalten. Die Zahl der Besitzer von Anteilen an Gemischten oder Aktienfonds ging hingegen nur leicht zurück.

Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied bei der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), ist skeptisch, ob vor allem die Kleinanleger ihre Verluste an den Börsen der vergangenen Jahre so rasch vergessen und bald wieder Aktien kaufen werden. „Der Vertrauensverlust tritt ganz schnell ein, aber der Wiederaufbau des Vertrauens dauert lange“, sagte Keitel.

Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), erklärt sich die rückläufigen Aktionärszahlen damit, dass viele enttäuschte Anleger die jüngsten Kursanstiege genutzt haben, um ihre Aktien mit etwas weniger Verlusten wieder abzustoßen. Seit den Tiefständen im März bei 2188 Punkten hat der Dax deutlich auf zuletzt 3420 Zähler zugelegt.

„Dass die Aktionärszahlen nicht so deutlich zurückgegangen sind, zeigt, dass das Vertrauen in die Aktien nicht komplett verloren gegangen ist“, sagte Kurz. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Anleger, die zum ersten Mal in der Hochzeit vor ein paar Jahren Aktien gekauft haben, nach den deutlichen Verlusten wieder zurückkommen.“

Keitel sieht dies ähnlich: „Erfahrenere Anleger haben die günstigen Kurse genutzt und investieren wieder gezielt. Der durchschnittliche Privatanleger sieht die steigenden Kurse aber mit Skepsis."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%