Zahl privater Investmentclubs bleibt in Deutschland konstant
Hobby-Börsianer halten weiter an Aktien fest

In den Boom-Jahren der Börse schossen sie wie Pilze aus dem Boden: private Investmentclubs. Inzwischen ist vielen die Lust auf Aktien zwar vergangen, doch die Investmentclubs halten sich hartnäckig.

"Et kütt wie et kütt", dachte sich Clarissa Kurscheid und gründete 1988 in Köln den Frauen-Investmentclub "Kaesch Marie".Der zweite Artikel des rheinischen Grundgesetzes, frei übersetzt mit "Habe keine Angst vor der Zukunft!", war das Motto für den Einstieg in die Welt der Aktien.In den ersten drei Jahren erzielte das Portfolio Zuwächse von mehr als 20 Prozent.Die Strategie, das Portfolio zu 40 Prozent konservativ, zu 40 Prozent wachstumsorientiert und zu 20 Prozent spekulativ auszurichten, ging auf.

Auch wenn die Börsenjahre nach 2001 die rheinischen Frohnaturen auf eine harte Probe stellten, hat sich "Kaesch Marie" wacker geschlagen."Wir hatten nur eine Pleite", sagt Geschäftsführerin Clarissa Kurscheid.Und die war, wie könnte es anders sein, EM.TV.

Knapp sechs Jahre nach der Gründung zählt der Frauen-Investmentclub noch immer 25 Mitglieder.Und auch wenn laut Kurscheid ein wenig die "Luft raus" sei, weil nicht mehr so viel Zeit bleibe, sich auf dem Laufenden zu halten in Sachen Aktienanlage, rechnet die Geschäftsführerin für 2004 mit einem Gewinn zwischen sechs und sieben Prozent.

Der Investmentclub "Kaesch Marie" ist nicht der einzige Fels in der Brandung. Auch andere Gruppen haben das turbulente Auf und Ab an den Finanzmärkten überlebt.Investmentclubs schießen zwar nicht mehr wie Pilze aus dem Boden wie während der Hausse zwischen 1997 und 2001, ihre Zahl blieb aber weitgehend konstant.Knapp 7 000 Investmentclubs, 370 davon mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern, zählt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zwar hätten einige Investmentclubs den stürmischen Börsen-Zeiten nicht standhalten können, räumt Marc Tüngler von der DSW ein.Dafür gründeten sich wiederum andere neu - nicht mehr aus Euphorie, sondern aus Unsicherheit, wie er sagt: "Die Aktionäre haben aus ihren Fehlern gelernt und suchen nun den Schutz der Investmentclubs."

Amateur-Investoren schätzen den Ideenaustausch

Bei "Kaesch Marie" werden jeden Monat drei Werte aus unterschiedlichen Branchen vorgestellt, Geschäftsberichte gewälzt, Charts verglichen, Anlagestrategien diskutiert und zum Schluss mehrheitliche Entscheidungen gefällt."Frauen legen solider an, weil sie ehrlicher diskutieren", erklärt sich Tüngler den Erfolg der weiblichen Investorengruppe.Egal ob männliche, weibliche oder gemischte Gruppen, der Ideenaustausch sei der Vorteil eines Investmentclubs.Außerdem seien Amateur-Investoren im Gegensatz zu professionellen Fondsmanagern, die sich oftmals bei der Anlageentscheidung nach der Geschäftspolitik ihres Hauses richten müssten, unabhängig.Dazu kommt der Vorteil der Risikostreuung.Mit jedem Investitionseinsatz der Club-Mitglieder - bei "Kaesch Marie" 25 Euro pro Monat plus einer Anfangsinvestition von 500 Euro - wächst das Anlagevolumen, der Spielraum wird größer, da das Geld in unterschiedliche Werte angelegt werden kann.Die langfristige Anlagestrategie - die Mitglieder treffen sich in der Regel nur einmal im Monat - sieht Tüngler in den turbulenten Börsenzeiten eher als Pluspunkt.

Auch die Deutsche Börse AG hat die privaten Anleger wieder entdeckt, nachdem diese in den vergangenen Jahren eher vernachlässigt wurden - die Orders an der Frankfurter Börse kommen fast ausschließlich von professionellen Anlegern.Nun erhalten die Hobby-Börsianer wieder mehr Aufmerksamkeit.Zusammen mit der DWS stellt die Deutsche Börse AG auf ihrer Internetseite eine Plattform für Investmentclubs bereit.Die Ziele: Aufklärung, rechtliche Beratung und vor allem auch Vermittlung von potenziellen Club-Mitgliedern."Die Nachfrage ist da", sagt Tüngler: "Wir bekommen jede Woche an die dreißig Anfragen von Leuten, die in einen Investmentclub eintreten wollen."

Die Aktienlust der Deutschen hat zwar nachgelassen - den Zahlen des Deutschen Aktien-Instituts (DAI) zufolge schrumpft die Zahl der Privatanleger von Quartal zu Quartal - doch die Investmentclubs haben noch immer regen Zulauf. Einzelkämpfer sind out.Und inzwischen kommt bei den Hobby-Börsianern der "Kaesch Marie" Artikel 3 des rheinischen Grundgesetzes zur Anwendung: "Et hätt noch immer joot jejange" - das könnte auch bedeuten: "Lerne aus der Vergangenheit!"

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