Zahlreiche Gesellschaften bieten Investitionsmöglichkeiten: Wie Anleger helfen und trotzdem verdienen können

Zahlreiche Gesellschaften bieten Investitionsmöglichkeiten
Wie Anleger helfen und trotzdem verdienen können

Small is beautiful – unter dieser Devise können Anleger gleich zwei Ziele erreichen.

BERLIN. Mit Anleihen und Fonds, die auf Mikrokredite für Kleinstunternehmen in Entwicklungsländern spezialisiert sind, erzielen sie erstens eine – wenn auch oft nur magere – Rendite. Zweitens eröffnen sie Handwerkern in Asien, Näherinnen in Afrika oder Korbflechtern in Lateinamerika den Weg aus der Armut in die Selbstständigkeit.

Dieses Jahr bringt die International Projekt Consult GmbH (IPC) eine neue Anlagemöglichkeit auf den Markt. Die Frankfurter Mikrokredit-Beratungsfirma begibt im Juni Genussscheine über zehn Millionen Euro, sagte Firmenchef Claus-Peter Zeitinger dem Handelsblatt. Bereits ab diesem Jahr fällt dafür eine Mindestrendite von zwei bis drei Prozent an. Ab 2010 soll es zusätzlich eine Gewinnbeteiligung geben. „Die Rendite beläuft sich dann zum Beispiel auf insgesamt zwölf Prozent, wenn die Kapitalrendite des Bankennetzes der IMI Internationale Micro Investitionen AG wie in den vergangenen zwei Jahren zwölf Prozent erreicht“, sagte Zeitinger. In den kommenden fünf Jahren werde der Gewinn der kleinen Banken mit dem Label ProCredit vollständig reinvestiert, um deren starkes Wachstum zu finanzieren.

IPC hat IMI, die sich seit Januar ProCredit Holding nennt, vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen und hält noch 20 Prozent. Das ProCredit-Netz umfasst inzwischen 19 Mikrofinanz-Banken in Südamerika, Mittel- und Osteuropa sowie Afrika mit einem ausstehenden Kreditportfolio von 950 Mill. Euro und einer Bilanzsumme von 1,35 Mrd. Euro. Diese Institute vergeben Kredite von weniger als 1 000 Euro bis 10 000 Euro an Kleinstunternehmer, die von größeren Banken abgewimmelt werden. Für Privatanleger interessant sind auch zwei Anleihen der IPC über je drei Mill. Euro mit Laufzeiten von drei und sechs Jahren: Sie bieten im Vergleich zu Bankenanleihen hohe Renditen von fünf und 6,5 Prozent. Die Mindesteinlage beträgt 10 000 Euro. Die Papiere kann man nur bei IPC kaufen, sie sind nicht an der Börse handelbar. Bisher wurden 5,1 Mill. Euro eingesammelt.

Mit Anleihen und Genussscheinen will Zeitinger das Wachstum des Bankennetzes fördern sowie seinen Anteil an IMI/ProCredit Holding bei 20 Prozent festigen. Weitere Großaktionäre, die teils ebenfalls mehr Kapital zur Verfügung stellen, sind die KfW Bankengruppe, die zur Weltbank gehörende International Finance Corporation und die niederländische FMO sowie private Stiftungen.

IMI/ProCredit erhielt im Herbst als erster globaler Mikrofinanzierer eine gute Bonitätseinstufung (BBB-) von der Ratingagentur Fitch. Das er-mögliche eine Anleihe von 50 Mill. Euro mit drei bis fünf Jahren Laufzeit zur Refinanzierung der Banken. Noch ist unklar, ob sie auch dieses Jahr auf den Markt kommt. Zeitinger sucht zunächst nach Partnern, die die Anleihe garantieren, um dadurch ein AAA+-Rating zu erhalten. „Meine Hauptsorge ist, dass die falschen Leute – Venture-Capital-Menschen – drauf springen“, sagt Zeitinger: „Wir suchen Investoren, die langfristig denken und Geduld haben.“

Eine andere Variante ist die Beteiligung an der niederländischen Genossenschaft Oikokredit. Über Förderkreise in den deutschen Bundesländern kann man Genossenschaftsanteile erwerben, die seit sechs Jahren je zwei Prozent Rendite abwarfen. Das ist die mögliche Obergrenze. Deutsche Anleger bringen zur Zeit 40 Prozent des gesamten Volumens von 200 Mill. Euro auf, berichtet Siegwart Kriebel

vom Förderkreis Nord-Ost in Berlin.

Weitere Anlagemöglichkeiten bieten Fonds, die Mikrokredit-Banken finanzieren. „Für deutsche Anleger kommen vier Fonds in Frage. Sie haben ein geringes bis mittleres Risiko“, resümiert Patrick Goodman, der als unabhängiger Berater den Mikrokreditmarkt in mehreren Studien unter die Lupe nahm und die meisten der inzwischen weltweit 38 zumeist geschlossenen Fonds für zu klein und renditeschwach hält. Die vorgeschlagenen Fonds haben allerdings keine Vertriebszulassung in Deutschland; noch gibt es keinen deutschen Anbieter.

Anleger können aber über ihre Hausbank den 1998 aufgelegten Luxemburger Dexia BlueOrchard Microcredit Fund erwerben. Er ist mit einem Volumen von 40 Mill. Euro etabliert. „Er erzielte in den vergangenen fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von gut fünf Prozent“, sagt Melchior De Moralt, Vizepräsident des Schweizer Fondsberaters BlueO-chard Finance.

Möglich ist auch eine Anlage in zwei niederländischen Fonds, dem größeren ASN-Novib Fund und dem Triodos Fair Share Fund. Anleger können die nicht börsennotierten Fonds via Internet, Telefon oder Post erwerben. „Nachteil ist, dass wir Informationen nur in niederländisch liefern“, räumt Thomas Steiner von Triodos ein.

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