Zertifikate
Anleger wollen den Bonus

Das rasante Wachstum des Zertifikatemarkts war in diesem Jahr geprägt von vorsichtigem Optimismus der Anleger. Nach dem Boom der Garantiezertifikate wagten sich viele Käufer an Strukturen, die auf steigende Kurse setzen – ohne allerdings Absicherungen gegen Verluste aus den Augen zu lassen. Angaben aus der Branche zufolge zählten vor allem Bonuszertifikate, aber auch Expressstrukturen zu den Verkaufsschlagern im Markt.

HB DÜSSELDORf. Bei einem Bonuszertifikat erhält der Anleger an Ende der Laufzeit zusätzlich zum Wert des Indexes oder der Aktie, auf den sich das Papier bezieht, einen festen Betrag (Bonus) – allerdings nur, wenn der Basiswert während der Laufzeit nie unter eine bestimmte Kursschwelle gefallen ist.

Begünstigt wurden die Strukturen unter anderem durch die niedrige Schwankungsbreite der Aktienmärkte (siehe „Spiel mit Dividende und Volatilität“). Dadurch war es für die Emittenten möglich, Bonuszertifikate mit Absicherungen gegen Kursstürze von bis zu 75 Prozent auszustatten.

Viele Outperformance-Strukturen wurden durch die niedrigen Optionspreise sogar erst möglich. Wer solche Papiere hält, kassiert bei Fälligkeit ein Vielfaches der Kurssteigerungen des Basiswerts. Fällt der entsprechende Index oder die Aktie, dann erhält der Anleger immerhin noch eine Rückzahlung entsprechend dem Kurs. Die Dividenden fließen allerdings in die Konstruktion.

Aber auch vertriebsgetriebene Produkte legten im vergangenen Jahr deutlich zu. Vor allem Express-Zertifikate verkauften sich an den Bankschaltern gut. Die Papiere sind sehr leicht zu erklären: Ein Mal pro Jahr wird das angelegte Geld verzinst, sofern der Basiswert des Zertifikats eine bestimmte Schwelle erreicht hat. Weil Express-Zertifikate in der Regel mit einer Kapitalgarantie ausgestattet sind, darf sie praktisch jeder Bankberater verkaufen.

Angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen waren die Papiere für risikoscheue Kunden attraktiv. Stefan Armbruster, Direktor des Zertifikategeschäfts der Deutschen Bank, vermutet aber, dass Anleger wieder eher zu festverzinslichen Wertpapieren greifen, wenn die Zinsen wieder steigen sollten. Denn die meisten Expresszertifikate bringen nur dann höhere Renditen als Anleihen, wenn die Aktienmärkte gut laufen. „Die Zinsentwicklung und die Änderungen bei den Steuern werden den Markt im kommenden Jahr beeinflussen“, sagt Armbruster.

Auch die steuerrechtlichen Änderungen dürften 2006 ihre Spuren im Markt hinterlassen. Bisher sind die Gewinne von Produkten ohne hundertprozentige Kapitalgarantie nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei. Dieses Privileg wird mit Einführung einer generellen Spekulationssteuer fallen – Index, Discount und Bonuszertifikate verlieren damit einen Wettbewerbsvorteil. Andererseits könnte die neue Bundesregierung auch die Steuerpflicht für „Finanzinnovationen“ verändern, zu denen die Garantieprodukte zählen. Sollten die Erträge aus den Papieren künftig wie Aktiengewinne versteuert werden, dann dürfte dies für viele Anleger von Vorteil sein. Bisher ist für die Erträge aus solchen Papieren der individuelle Steuersatz fällig.

Bei Basiswerten standen im vergangenen Jahr vor allem Rohstoffe im Mittelpunkt. Die Emittenten verbrieften beispielsweise die Preisentwicklung von Rohöl, Metallen und Agrarrohstoffen. Sogar Zertifikate auf den Kunststoff-Preis sind inzwischen am Markt. Fachleute sehen die Möglichkeiten allerdings noch immer nicht ausgereizt. „Der Rohstoffbereich wird im kommenden Jahr ein wichtiges Thema bleiben“, sagt Christian Krieg, Produktspezialist der DAB Bank.

Das Wachstum des Anlageprodukts Zertifikat wird nach einhelliger Meinung weiter gehen. „Ich wäre verblüfft, wenn der Markt nicht weiter um 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachsen würde“, sagt Markus Bertsch, Leiter des Aktienderivate-Geschäfts der UBS Deutschland. In diesem Jahr wuchs das investierte Volumen in Zertifikaten nach Schätzung des Derivate Forums um 40 Prozent. Verglichen mit den anderen Anlageformen ist das Marktvolumen von 75 Mrd. Euro noch äußerst bescheiden. Selbst wenn sich das Wachstum 2006 wiederholen sollte, bleiben Zertifikate ein Produkt mit Potenzial.

Spiel mit Dividende und Volatilität

Schwankungen

Die Schwankungsbreite der Aktienmärkte (Volatilität) ist ein wichtiger Faktor für die Preise von Zertifikaten. In diesem Jahr sank die Volatilität auf ein historisch niedriges Niveau. Der Index V-Dax, der die erwarteten Schwankungen des Deutschen Aktienindexes Dax abbildet, notierte in Jahrestief bei 10,77 Prozent (s. Grafik).

Ausschüttungen

Mit Dividenden werden Optionen finanziert, die in Zertifikate-Strukturen enthalten sind. Weil die Unternehmen 2005 hohe Gewinne eingefahren haben, stieg die Dividendenrendite im Dax zeitweise auf rund 2,7 Prozent.

Strukturen

Die Kombination aus hohen Dividenden und niedriger Volatilität erleichtert es den Banken, attraktive Bonus- und Outperformancezertifikate anzubieten. Ein hoher Anteil von Optionen in den Strukturen sorgt für große Puffer und Hebel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%