Zinssätze
Banken zapfen Sparer an

Die von den Banken lange vernachlässigten Sparer profitieren mittlerweile von der Branchenkrise. Die Finanzhäuser brauchen dringend Liquidität - und zahlen ihren Kunden hohe Zinsen. Fast skandalös entwickeln sich allerdings die Zinsen für Sparbücher.

FRANKFURT. Seit Ausbruch der Finanzkrise haben die Institute die Zinssätze für Fest- und Tagesgeld im Durchschnitt sogar stärker angehoben als die Kreditzinsen für Privatkunden. Üblicherweise schrauben die Banken die Schuldzinsen schneller und stärker nach oben als die Sparzinsen. Die günstigen Konditionen für kurzfristige Geldanlagen dürften wie Balsam für die Anleger wirken, die unter den niedrigen Börsenkursen leiden.

Die Finanzkrise und der Konkurrenzkampf unter den Geldhäusern beeinflussen die Konditionen maßgeblich, zu denen Banken sich Geld beschaffen und es ausleihen. In Europa verbuchte die Branche bislang Krisenbelastungen von rund 155 Mrd. Euro, weltweit waren es 342 Mrd. Euro. Zudem stärkt der im Juli angehobene EZB-Leitzins den Trend zu höheren Sätzen für das Parken von Geld.

Vor allem das Festgeld mit Laufzeiten von typischerweise sechs Monaten bis zu zwei Jahren bietet Banken die Möglichkeit, sich zu festen Konditionen zu refinanzieren. "Banken sichern sich darüber massiv Liquidität - das hat die Zinssätze deutlich steigen lassen", sagt Max Herbst, Chef der Frankfurter FMH, der Anlage- und Kreditzinsen beobachtet. Im Durchschnitt sind die Sätze für Festgeld über zwölf Monate laut FMH seit Juli 2007 um 0,82 Prozentpunkte auf 4,78 Prozent gestiegen. Für die längerfristigen Ratenkredite verlangen Geldhäuser hingegen nur 0,61 Prozentpunkte mehr.

"Der Kapitalhunger der Banken schlägt auf die Konditionen durch", bestätigt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

Außerdem sorgt der Markteintritt zahlreicher ausländischer Banken wie die isländische Kaupthing oder die indische ICICI für Bewegung. Aktuell führt die Kaupthing Bank die Liste der Tagesgeldanbieter mit einem Zins von 5,65 Prozent an. Die Banken versuchen, über gute Tages- und Festgeldkonditionen deutsche Kunden zu gewinnen. Etablierte Anbieter müssen in diesem stark umkämpften Geschäftsfeld mitziehen, was das Zinsniveau hebt.

Trotz der immens gestiegenen Sätze kommen die Geldhäuser aber noch gut weg. Würden sie sich ihre Liquidität von anderen Banken beschaffen, müssten sie aktuell für Jahresgeld gut einen halben Prozentpunkt mehr zahlen: Der Euribor-Interbanken-Satz über zwölf Monate liegt aktuell im Durchschnitt bei gut 5,3 Prozent.

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