Zittern um den Aufschwung – Autoaktien sind Wette auf 2004
IAA kann Autowerte nicht beflügeln

Das Modellfeuerwerk auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt ist an der Börse wirkungslos verpufft. Die 60 Weltneuheiten, die noch bis Sonntag auf dem Messegelände im Scheinwerferlicht strahlen, haben die Autoaktien nicht beflügelt. Nach kräftigen Kursgewinnen in der letzten Zeit mussten die meisten Papiere während der Messetage Verluste hinnehmen.

hz/hof FRANKFURT/M. Viele Anleger hatten auf positive Nachrichten von der IAA gehofft – und wurden enttäuscht: „Die in den Kursen reflektierten hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt“, kommentiert Analyst Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank. Dabei sollte die größte Automobilschau der Welt nach dem Willen der Hersteller endlich einen Stimmungsumschwung bringen. Die Autobauer setzen weiter auf einen Aufschwung im nächsten Jahr – Autoaktien bleiben damit eine Wette auf 2004. Daher sind „die Aussagen zum nächsten Jahr bedeutender als die zu 2003“, konstatierten die Autoexperten von Sal. Oppenheim.

Und ausgerechnet die Hoffnungen auf 2004 erhielten auf der IAA einen Dämpfer. Insbesondere der Sportwagenhersteller Porsche enttäuschte die Börsianer mit der Aussage von Finanzchef Holger Härter, der Konzern sei für das bis zum Sommer 2004 laufende Geschäftsjahr mit einem stabilen Ergebnis sehr glücklich. Härter beeilte sich zwar anschließend zu erklären, dies sei keine versteckte Gewinnwarnung, doch der Schaden war bereits angerichtet: Der Kurs der Porsche-Aktie schmierte deutlich ab.

Auch VW-Chef Bernd Pischetsrieder konnte der VW-Aktie keinen Schub verleihen mit seiner Ankündigung, dass VW erst 2005 ein „substanziell besseres Ergebnis“ erwarte. Zugleich konnte Chrysler-Chef Dieter Zetsche Befürchtungen kaum zerstreuen, dass die angeschlagene US-Sparte von Daimler-Chrysler vor weiteren Einschnitten steht. „Wir können in einem solch wettbewerbsintensiven Markt einen Stellenabbau nicht grundsätzlich ausschließen“, sagte der Manager in Frankfurt. „Die IAA war angesichts der zurückhaltenden Aussagen eine Enttäuschung“, zogen die Analysten der Commerzbank in London ihr Fazit.

So wirkte es fast wie eine Pflichtübung, dass neben den vorsichtigen Prognosen genereller Optimismus für 2004 auf dem Programm fast jedes Automanagers stand. Pischetsrieder hofft durch den neuen Golf auf eine Erholung, Opel-Chef Carl-Peter Forster rechnet für sein Unternehmen im kommenden Jahr mit dem endgültigen Durchbruch in die Gewinnzone und auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert sagte für 2004 eine Belebung des Inlandsmarkts von 2 bis 2,5 % voraus.

Auto-Experten warnen aber vor zu viel Optimismus für die europäischen Autoaktien. Die Papiere hätten bereits von dem erhofften Konjunkturaufschwung profitiert, aber nicht alle Konzerne seien gut aufgestellt, urteilt die Fondsgesellschaft Invesco Asset Management. Nur drei der sieben europäischen Branchenwerte könnten wohl von der Konjunkturerholung „voll profitieren“ und sich besser als der Gesamtmarkt entwickeln, schreiben die Invesco-Analysten. Dazu zählen die Experten Renault, BMW und Porsche. Die Fiat-Aktie hingegen schneide mit Blick auf die Kriterien relative Stärke, Bewertung, Managementverhalten und Gewinnrevisionen unterdurchschnittlich ab.

Die Bayerische Landesbank empfiehlt keinen der großen deutschen Hersteller zum Kauf: BMW, Porsche und VW erhalten von den Analysten das Urteil „neutral“, bei Daimler- Chrysler rät Oliver Girzick sogar zum „Untergewichten“ des Papiers. Er begründet dieses Urteil mit der dünn bestückten Modellpipeline bei Mercedes und – entgegen der Unternehmensankündigung – mit einem Verlust bei Chrysler. Optimistischer sind die Kollegen von der Landesbank Rheinland-Pfalz: Sie gehen davon aus, dass zumindest die Aktien von Porsche und VW das Potenzial haben, sich besser zu entwickeln als der Markt.

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