Zufluchtsort für Vermögende
Die Schweiz wäre der Brexit-Gewinner

In London leben weltweit die meisten Milliardäre. Sie suchen Stabilität, bereits jetzt ablesbar an der Entwicklung des Schweizer Franken. Ein Brexit dürfte den Schweizer Banken weitere Geldzuflüsse bescheren.

ZürichSollten sich die Briten kommende Woche für einen EU-Austritt entscheiden, dürften die Telefone bei den Schweizer Privatbanken nicht mehr stillstehen. Inmitten der zu erwartenden Turbulenzen an den Finanzmärkten wären die Reichen dieser Welt auf der Suche nach einem sicheren Platz für ihre Millionen. In der Schweiz könnten sie fündig werden.

Branchenexperten erwarten daher im Falle eines Brexits Geldzuflüsse für Schweizer Vermögensverwalter. Denn die Alpenrepublik bietet alles, was sich Millionäre und Milliardäre als Zufluchtsort für ihr Vermögen wünschen: Finanzielle und politische Stabilität, Rechtssicherheit, Vertraulichkeit, professionelle Berater und den Zugang zu internationalen Finanzmärkten.

Die Schweiz ist nach Angaben der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) mit ausländischen Vermögenswerten von 2,3 Billionen Dollar bereits heute der wichtigste Ort, an dem Kunden aus aller Welt ihr Geld horten. Hier haben große Vermögensverwalter wie UBS und Credit Suisse ihren Sitz.

An zweiter Stelle rangiert mit einem ausländischen Vermögen von 1,3 Billionen Dollar Großbritannien. In der Hauptstadt London leben so viele Milliardäre, wie nirgends sonst auf der Welt: Hier tummeln sich asiatische Unternehmer neben russischen Oligarchen. Doch ein Brexit brächte weitreichende Änderungen für den britischen Finanzplatz mit sich. „Im Wealth Management wird die Schweiz wahrscheinlich vom Brexit profitieren“, sagt der Schweizer BCG-Chairman Matthias Naumann.

„Wann immer es Unsicherheit gibt, kommt der Sichere-Hafen-Effekt zum Tragen“, erläutert auch UBS-Wealth-Management-Chef Jürg Zeltner auf einer Reuters-Wealth-Management-Veranstaltung. „Etwas davon werden wir mit Sicherheit sehen.“ Kriege und politische Spannungen haben der Schweiz immer wieder Geldzuflüsse beschert, zuletzt während der Eurokrise. Die Milliarden, die damals in das das neutrale Land strömten, halfen den Banken, die Abflüsse in Zusammenhang mit dem Ende des Bankgeheimnisses abzufedern.

An den Finanzmärkten würde es nach Einschätzung von Zeltner einige Zeit dauern, bis die Anleger einen Brexit verdaut hätten. „Erstmal würden alle schockiert sein, wenn Großbritannien austreten würde“, sagte er. Viele der vermögenden Kunden seien angesichts der niedrigen Zinsen, dem Ratespiel um die US-Zinswende und der schwächelnden Konjunktur in China ohnedies verunsichert und würden teilweise mehr als 30 Prozent ihres Vermögens in bar halten. „Bei großen Korrekturen versuchen Kunden als erstes ihr Vermögen zu schützen“, sagte Zeltner.

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