Zusatzrente von der Börse
Das Geheimnis des langfristigen Aktiensparens

Wer regelmäßig Aktien kauft und sich so eine spätere Rente finanziert, der kann Risiken massiv senken und effektiv für den Ruhestand vorsorgen. Das zeigt unsere große Auswertung über 55 Jahre.

DüsseldorfZinsen? Viel zu niedrig! Aktien? Viel zu riskant! Wirklich? Im aktuellen Zinsumfeld bleibt auch risikoscheuen Sparern eigentlich nichts anderes übrig, als auch in Aktien zu investieren. Wie sonst soll es noch möglich sein, einigermaßen rentabel fürs Alter vorzusorgen. Modelle, die versuchen, die Risiken der Aktienanlage abzufedern, stoßen daher auf Interesse.

Die guten Nachrichten vorweg: Es gibt spannende Ansätze für das langfristige Aktiensparen mit begrenztem Risiko. Der Blick zurück zeigt aber vor allem, dass sich mit regelmäßigem Sparen sogar eine Rente allein mit Aktien finanzieren lässt, ohne dass Vorsorgesparer bei einem Crash Angst vor einem Ruhestand in Armut haben müssten. So kamen Vorsorgesparer, die erst mit regelmäßigen monatlichen Einzahlungen gespart haben und sich danach jeden Monat gleich hohe Auszahlungen finanziert haben, in der Vergangenheit selbst in den schlechtesten Fällen auf Renditen von über sechs Prozent pro Jahr.

Professor Oskar Goecke von der Fachhochschule Köln ärgert sich darüber, dass Vorsorgesparer ihr Geld bislang unrentabel anlegen. „Risikobehaftete Aktieninvestments bringen etwa vier Prozent Überrendite“, sagt er mit Blick auf die langfristigen, weltweiten Finanzmarktdaten. Er kann trotzdem verstehen, dass viele Sparer sich nicht an Aktien herantrauen. Denn auch wer regelmäßig Geld in Aktien investiert, etwa als Ratensparplan auf einen börsengehandelten Dax-Indexfonds (Dax-ETF), kann Probleme bekommen, wenn er sein Geld nach einem Börsenabsturz braucht.

Selbst dicht aufeinander folgende Sparergenerationen hätten in der Vergangenheit extrem unterschiedliche Anlageergebnisse erzielt, zeigen Goeckes Berechnungen. So wäre ein Sparer mit einem 20-jährigen Sparplan à monatlich 100 Euro bis Ende Februar 2000 auf ein Endguthaben von rund 163.800 Euro gekommen. Das entspricht beeindruckenden 16,7 Prozent Rendite pro Jahr. Sparer, die drei Jahre später angefangen hatten und erst Ende März 2003 die 20 Jahre beendet hatten, hätten hingegen nur 33.500 Euro an Gegenwert im Depot gehabt. Ihnen wären schlappe 3,2 Prozent Rendite geblieben.

Goecke hat deshalb ein Modell entwickelt: den Generationenfonds. Hier sollen Sparer im Kollektiv in Aktien und Anleihen investieren. Neben ihrem individuellen Sparguthaben soll dabei eine kollektive Reserve aufgebaut werden, die kurzfristige Wertschwankungen ausgleichen soll. Wer seinen Sparplan also in schlechten Börsenjahren beendet, bekommt etwas extra. Wer in guten Börsenjahren aussteigt, muss einen Teil der theoretisch erzielten Erträge für schlechtere Zeiten abtreten.

Im Durchschnitt würden die kollektiven Ratensparer über zehn, zwanzig und dreißig Jahre so sogar etwas höhere Renditen schaffen als mit normalen Dax-Sparplänen ohne Generationenausgleich. Doch das ist nicht entscheidend. Der große Vorteil wäre, dass negative Ausreißer wegfallen würden.

Hätte ein individueller Dax-Ratensparer über zehn Jahre im schlechtesten Fall noch 5,9 Prozent pro Jahr verloren (!), hätte er im Kollektiv wenigstens 5,5 Prozent jährliche Rendite geschafft. Das haben Goeckes Auswertungen vergangener Börsendaten von 1967 bis heute ergeben. Auf der anderen Seite wäre die maximal mögliche Jahresrendite von 23 auf 14 Prozent pro Jahr gefallen.

Goecke will es nicht beim theoretischen Modell belassen. Er hofft, dass sein Modell eines Tages umgesetzt wird. „Vor allem im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge könnte es zum Einsatz kommen“, sagt er. Hier könnten dann zum Beispiel Arbeitgeber eine Startreserve ins generationenübergreifende System einspeisen.

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