Zwei von drei Gesellschaften lassen Dividende ausfallen – DSW bemängelt Rückgang der Ausschüttungsquoten
Deutsche AGs halten Aktionäre kurz

Die börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften haben für das vergangene Geschäftsjahr stolze 16 Mrd. Euro Dividenden an ihre Aktionäre überwiesen, 300 Mill. Euro oder zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Doch damit ist Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), überhaupt nicht zufrieden. Denn: „Das Wachstum der Dividendenzahlungen hat mit dem Zuwachs bei den Gewinnen nicht mitgehalten.“

wb FRANKFURT/M. Besonders augenfällig sei das Missverhältnis im Dax. Zwar zahlen allein die Mitglieder im Standardwerte-Index mit Ausschüttungen von etwa 10,5 Mrd. (2003: 10,4 Mrd.) Euro fast zwei Drittel der Ausschüttungssumme aller börsennotierten AGs. Doch dem Dividendenplus von knapp einem Prozent steht ein Gewinnzuwachs von 30 Prozent gegenüber. „Damit entfernen wir uns weiter von der DSW-Forderung, dass die Hälfte des operativen Gewinns an die Anteilseigner auszukehren ist“, bemängelt Hocker.

Ein weiterer Kritikpunkt: Zwei von drei der 939 Publikumsgesellschaften (denen etwa dieselbe Zahl nicht börsennotierter AGs gegenübersteht), die die DSW unter die Lupe genommen hat, blieben ihren Eigentümern die Dividende schuldig. Auf der Liste der AGs, die ihre Aktionäre in die Röhre schauen ließen, finden sich 67 neue Namen. Per saldo stieg die Zahl der Verweigerer aber nur um 35 auf 602, da 32 Unternehmen in den Kreis der Dividendenzahler zurückkehrten.

„Damit gingen 33,3 Mrd. Euro oder 43 Prozent des gesamten börsennotierten Grundkapitals leer aus“, rechnet DSW-Bilanzexperte Herbert Hansen vor. „Die hohe Zahl der dividendenlosen Unternehmen wird allmählich zur Belastung für den gesamten Aktienmarkt.“ Und: „Wenn mehr als die Hälfte der Börsengesellschaften keine Dividenden ausschüttet, dann ist das auch ein Alarmsignal für den Zustand der Wirtschaft“, warnt er.

„Prominenteste Beispiele unter den dividendenlosen Neulingen sind sicher die beiden Dax-Werte Lufthansa und Commerzbank“, meint Hansen. Außer ihnen verweigerten auch die Telekom, die Hypo-Vereinsbank und Infineon ihren Eigentümern die Dividende. „Doch das sind alles Unternehmen, die ihre Zahlungen möglichst bald wieder aufnehmen werden“, hofft Hansen. Sein interessanter Hinweis an die Anleger: Nur 54 der 602 dividendenlosen Gesellschaften sind in den vier Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax notiert.

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