Zwölf Prozent und mehr: Palmöl - Investieren in einen umstrittenen Rohstoff

Zwölf Prozent und mehr
Die grüne Rendite-Verlockung

Palmöl - Investieren in einen umstrittenen Rohstoff

Das Konzept

Palmöl ist gefragt, denn es wird nicht nur zum Braten und Frittieren verwendet, sondern auch in vielen Backwaren und Süßigkeiten. Bei der Agrofinanz erwirbt der Kunde das Ertragsrecht an individualisierten Parzellen mit Ölpalmen in Ecuador sowie das wirtschaftliche Eigentum an Grund und Boden. Er soll jedes Jahr eine Ausschüttung bekommen – garantierte fünf Prozent in den ersten vier Jahren, danach richtet sich der Betrag nach dem Erlös aus dem Palmöl. Außerdem wird das Grundstück der Plantage nach 25 Jahren verkauft. Auch an diesem Verkaufserlös soll der Anleger beteiligt werden. Die Mindestbeteiligung liegt bei 7.500 Euro.

Die Rendite

Im Internet lockte der Anbieter zunächst mit einer Rendite von 13,5 Prozent. Im Prospekt ist die Euphorie weniger groß, dort sind drei Szenarien dargestellt: Im Worst-Case steigt der Preis für Palmöl um null und der Preis für das Grundstück um zwei Prozent. Im Basisfall legen beide Preise drei Prozent zu und im Best-Case klettert der Palmölpreis sechs Prozent und der Plantagenpreis vier Prozent.

Schon auf der Titelseite des Prospekts wird mit einer Renditeprognose (IRR) von nur noch 8,28 Prozent geworben, was dem Basisfall entspricht. Von 13,5 Prozent ist hier nicht mehr die Rede. Auf Nachfrage erklärt ein Kundenberater im telefonischen Gespräch, dass sich die 13,5 Prozent nur auf die mögliche Rendite in einem einzelnen Jahr beziehen. So soll im Basisfall im 23. Jahr eine Ausschüttung von 4.056 Euro erreicht werden – was bei einem Investitionsbetrag von 30.000 Euro eben jenen 13,5 Prozent entspricht. Allerdings müssen die Erträge als Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft versteuert werden.

Auf die Diskrepanz der Renditeangaben angesprochen, muss der Vertriebsleiter von Agrofinanz, Stefan van Ühm, eingestehen: „Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass die genannte Rendite von 13,5 % p.a. nicht jedes Jahr erzielt wird. Dies haben wir auch nicht in unserer Werbung gesagt. Die Werbung sagt: ‚Bis zu 13,5% p.a. und mehr’.“ Inhaltlich sei dieser Text so korrekt. „Dies sorgt nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei möglichen Investoren für Missverständnisse. Und dies zu Recht! Seit ungefähr zehn Tagen haben wir diese Anzeige gestoppt und wir werden kurzfristig mit einer angepassten Werbekampagne fortfahren“, so von Ühm.

Tatsächlich wurde die Werbe-Website nach der Anfrage von Handelsblatt Online mehrfach geändert. Statt mit „Bis zu 13,5 Prozent pro Jahr und mehr“ heißt es nun „Feste Ausschüttung 9% p.a.“. Außerdem titelt die Website nicht mehr „Nachhaltig, Ökologisch sinnvoll, Krisensicher“, sondern „Der weltweite Konsum von Palmöl hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt.“ Und das ist noch nicht alles: Ein Diagramm, das wohl die Entwicklung von der anfänglichen Anlagesumme zum späteren Vermögen zeigen sollte, wurde entfernt. Stattdessen wird nun auch hier auf die stark steigende Nachfrage nach Palmöl verwiesen. In einem weiteren Schritt änderte Agrofinanz die Zeile „Rückgabeoption nach vier Jahren“ in „Laufzeit 10 Jahre“. Das Angebot wurde also insgesamt stark überarbeitet.

Die Nachhaltigkeit

Um die Nachhaltigkeit des Anbaus der Palmen nachzuweisen, wird die Mitgliedschaft im RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil – benannt. Damit bekenne sich Agrofinanz unter anderem zu Transparenz,  langfristiger wirtschaftlicher Tätigkeit, langfristige Wahrung der Bodenfruchtbarkeit sowie verantwortlichem Verhalten gegenüber der Umwelt, den Angestellten und bei der Entwicklung neuer Anbaugebiete heißt es im Prospekt.

Kommentare zu "Die grüne Rendite-Verlockung"

Alle Kommentare
  • Wie kann ich eine Frage an die Redaktion stellen?

  • hallo,

    kann ich Fragen an die Redaktion stellen - soll heißen, werden die dann auch von der Redaktion beantwortet?

  • Wo finde ich die Jahresbilanzen der Life Forestry Switzerland AG in Basel - oder müssen solche "Unternehmungen" solche Angaben gar nicht veröffentlichen - können mit dem eingesammelten Geld also machen, as sie wollen?

  • Ist die Life Forestry Switzerland AG eine Aktiengesellschaft,oder kann jeder an einen niedlichen Firmennamen ein AG anhängen?

  • Nicht in Palmöl-Plantagen in Ecuador investieren, ist so ungefähr Betrug, so wie ich das sehe !!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sind das die Investments, für die auf der Handelsblatt-Webseite regelmäßig Werbung gemacht wird und mit denen das Handelsblatt somit Geld verdient?

  • Mit Menschenleben spekuliert man nicht ... https://www.regenwald.org/aktion/691/honduras-25-morde-fuer-palmoel-mit-weltbank-kredit

  • Ja richtig - rein zufällig biete ich meine Hilfen an für Ihre eigene Plantage in ... z.B. Brasilien, Paraguay und andere. Herzl. Grüsse aus SP-Brazil

  • Naja, dann bleiben Sie doch bei "Ihrer" Stadt-Sparkasse ind D-dorf oder sonstwo, erfreuen sich 20 Jahre an Ihren 1/2 bis 1 % Zinsen und sehen "beruhigt" zu, wie Ihnen die Euro-/Inflation nicht nur die Zinsen sondern auch den Basisbetrag wieder wegnimmt... man gönnt sich ja sonst nichts ;-)

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