Unerwartet gute Quartalszahlen und optimistische Jahresausblicke rücken US-Standardwerte wieder in den Fokus europäischer Investoren. Zahlreiche US-Aktien trotzen der Finanzkrise - und können mit einer im Vergleich zu Europa starken Kursentwicklung aufwarten. Die tägliche Investmentidee auf handelsblatt.com.
FRANKFURT. So überraschten vergangene Woche die Technologiewerte IBM, Intel und Google mit guten Quartalszahlen oder einer positiven Geschäftsprognose. Auch die Quartalsbilanzen der Citigroup
und des Baumaschinenherstellers Caterpillar fielen am Freitag besser aus als vom Markt erwartet. "Der Ernstfall bleibt aus," fasst Sebastian Paris-Horvitz von der Investmentgesellschaft Axa die Zahlen zusammen.
Obwohl die Finanzkrise ihren Anfang in den USA nahm, schneiden US-Aktienindizes bereits seit Jahresbeginn deutlich besser ab als die europäischen Märkte. Für den S&P 500 steht seit Jahresbeginn ein Minus von sechs Prozent in der Bilanz. Der EuroStoxx 50 hingegen notiert 15 Prozent tiefer als noch zu Jahresbeginn, der Deutsche Aktienindex (Dax) 16 Prozent.
Nach Berechnungen der Analysten der Société Générale ist dies auch dem im Vergleich zu europäischen Märkten stabileren Gewinnprognosen geschuldet: Insgesamt senkten die Analysten seit Jahresbeginn die durchschnittlichen Gewinnprognosen für 2008 von 36 Prozent aller europäischer Unternehmen. In den USA beträgt die Quote der Gewinnrevisionen nur 23 Prozent und betrifft vor allem Finanzwerte. Nach Meinung von Tobias Levkovich, Chefstratege für den US-Markt bei der Citigroup
in New York laufen die Geschäfte in fast allen Brachen außerhalb der Finanzbranche sehr gut. "Und für den Bankensektor war 1997 bislang das schlimmste Jahr. Aber das werden wir dieses mal nicht mehr erleben", sagt Levkovich.
Infografik: Starke USA, schwächelndes Europa.
"Ich glaube, der US-Aktienmarkt ist in der Aufarbeitung der Finanzkrise bereits weiter fortgeschritten als der europäische Markt", sagt Jörg Boysen, Fondsmanager des Uni-Nordamerika, dem laut Morningstar besten Nordamerika-Fonds der vergangenen drei Jahre. Als Beleg führt er an, dass etwa der US-Branchenindex für Immobilienwerte nach einem schwachen Jahr 2007 seit Jahresbeginn wieder um acht Prozent zugelegt habe. Auch die US-Branchenindizes für Energie und Industriematerialien notieren seit Jahresbeginn im Plus.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Hoffnung stützt sich auf zwei Pfeiler.
Citigroup
-Stratege Levkovich gibt für den breit aufgestellten Index S&P 500 zum Jahresende gar das Ziel von 1 550 Punkten aus. Das wäre vom aktuellen Niveau aus betrachtet ein Plus von rund 15 Prozent. Seine Hoffnung stützt sich auf zwei wesentliche Pfeiler: Zum einen werde es bei einer leichten Rezession bleiben. Zum anderen profitiere die US-Wirtschaft vom schwachen Dollar und von der nach wie vor hohen Nachfrage aus Schwellenländern nach US-Produkten. Branchen wie Pharma und Biotechnologie, Halbleiter, Medien, der private Konsum sowie Telekom und Transport gehören deswegen zu den Favoriten Levkovichs.
Auch bei Franklin Templeton Investments stellt man sich auf die Zeit nach der Immobilienkrise ein und versucht sich entsprechend zu positionieren. "Trotz negativer Wirtschaftsmeldungen aus den USA haben wir unser Augenmerk auf zukunftsweisende Frühindikatoren gerichtet, die auf ein Anziehen der US-Konjunktur hindeuten", sagt Portfoliomanager Conrad Hermann. Daher bevorzugt er Wachstumsaktien, auch wenn er sich sicher ist, dass es schwierig werden wird, das Publikum im aktuellen Umfeld von dieser Story zu überzeugen. Einer seiner Favoriten ist FLIR Systems, der Marktführer bei Infrarottechnologie und Thermografie. Zu dessen größten Kunden zählt das US-Militär und die Autoindustrie.
Union-Fondsmanager Boysen favorisiert derzeit Aktien aus der Roh- und Grundstoffindustrie sowie Konsumwerte. Im Finanzsektor, dessen Gewichtung er im vergangenen Sommer drastisch auf zehn Prozent des Fondsvermögens gesenkt hat, zieht er Börsenbetreiber und Versicherer vorerst den Banktiteln vor.

