2003 könnte ein Umsatz-Rekordjahr für Optionsscheine und Zertifikate werden
Mit Knock-Out-Produkten Währungsrisiken absichern

Auch in den ersten Monaten des Jahres überraschen die Umsätze in Optionsscheinen und Zertifikaten in Deutschland positiv.

DÜSSELDORF. Wurden für das erste Quartal 2002 noch 20,5 Mrd. Euro umgesetzt, waren es im ersten Quartal 2003 schon über 34,5 Mrd. Euro. Auch die Umsätze in den Monaten April und Mai waren viel versprechend. Somit könnte das Gesamtjahr 2003 ein weiteres Umsatzrekordjahr für Optionsscheine und Zertifikate werden.

Der Anstieg basiert wie schon im vergangenen Jahr primär auf dem Umsatzwachstum der herkömmlichen Zertifikate sowie der neuen Knock-Out-Produkte - von den Emittenten als so genannte Waves, Turbos oder Endlos-Futures bezeichnet. Durch die Abbildung der Preisbewegung im Verhältnis von nahezu 1 : 1 des Basiswertes und des geringen Volatilitätseinflusses sind jene Produkte vielseitig einsetzbar. Sie eignen sich hervorragend zu der kurzfristigen Spekulation, zu einer passiven Indexverfolgung oder zu der Absicherung von Portfolios.

In letzter Zeit sehen sich Anleger nicht nur mit der reinen Performance-Problematik im Portfolio konfrontiert. Auch die Währungssensibilität eines Portfolios muss beachtet werden. Anleger, deren Aktienportfolio nur aus europäischen Aktien besteht, müssen sich dieser Problematik nicht annehmen. Aber viele Investoren schauen gerade bei High-Tech-Werten oder Biotechnologie-Titeln nach Amerika. Im Grund war dies zuletzt keine schlechte Investition. Dennoch: Der kürzliche Anstieg des Euros machte die schönen Gewinne der Dollar-Aktien zum Teil wieder zunichte.

Früher wurden solche Währungseinflüsse über normale Optionsscheine abgesichert, obwohl die Scheine den Kursverlauf des Euro zum amerikanischen Dollar nicht genau abbilden konnten. Sie unterliegen nämlich Volatilitätsschwankungen, und ihr Hebel ist nicht konstant. Auch hier haben sich mittlerweile die neuen KO-Produkte durchgesetzt.

Durch die Ausstattung mit einer KO-Barriere sind sie günstiger als vergleichbare herkömmliche Optionsscheine. Somit verbilligt sich die Absicherung für den Anleger. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass die Kursbewegungen des Währungspaares nahezu 1 : 1 nachvollzogen werden können. Somit ist die Berechnung der benötigen Anzahl an Scheinen zur Absicherung leicht nachvollziehbar.

Anleger, die also auf einen steigenden Euro gegenüber dem US-Dollar setzen wollen, müssen nach Euro-Calls Ausschau halten. Anleger, die einen schwachen Euro erwarten, sehen sich entsprechend nach Euro-Puts um.

Ein Beispiel zeigt die Absicherung von Wechselkursschwankungen: Angenommen ein Anleger hat 100 000 US-Dollar in amerikanischen Aktien investiert. Bei einem Wechselkurs von 1,18 Euro/US-Dollar ist diese Position dann 84 745 Euro wert. Steigt nun die europäische Gemeinschaftswährung innerhalb eines Monats weiter und das Wechselkursverhältnis erreicht etwa 1,25 Euro/US-Dollar, dann ist die Position nur noch 80 000 Euro wert. Diesen Verlust von insgesamt 4 745 Euro im Portfolio kann der Anleger leicht durch den Einsatz von KO-Produkten absichern. Zu der Absicherung muss der sicherheitsbewusste Investor lediglich den US-Betrag, also die 100 000 US-Dollar in Euro umrechnen und dann durch 100 teilen.

Denn, egal ob Euro-Call oder Euro-Put, KO-Produkte auf Währungen haben fast immer ein Bezugsverhältnis von 100 zu 1. Also bezieht sich ein Euro/US-Dollar-KO-Produkt immer auf die Wertveränderung des US-Dollars zu 100 Euro. In unserem Beispiel braucht der Anleger damit also 848 Euro/US- Dollar-Calls.

Bei einem Wechselkurs von 1,18 Euro/US-Dollar kostet ein Euro/ US-Dollar-Call mit KO-Barriere 1,10 US-Dollar und zweimonatiger Laufzeit 6,84 Euro. Steigt der Euro nun wie oben beschrieben, steigt der Euro/US-Dollar-KO-Call im Wert auf 12,06 Euro. Somit hat der Euro/US-Dollar-KO-Call 5,22 Euro zugelegt. Bei 848 KO-Calls, die zur Absicherung benötigt werden, macht das somit einen Gewinn von 4 426 Euro in der Absicherungsposition. Die Differenz aus dem Verlust des Portfolios und dem Gewinn aus der Absicherungsposition von 319 Euro ist der Zeitwertverlust für den einen Monat, in dem man den KO-Call gehalten hat.

Sollte während der Laufzeit das Gegenteil eintreten, der Euro also an Wert verlieren, dann fällt der KO-Call. Es kann so weit kommen, dass er sogar seine KO-Barriere berührt und ausknockt. Der Anleger kann sich dann aber trotzdem freuen: Der Verlust aus der Absicherungsposition wird dann aufgefangen vom Portfolioanstieg durch den Wertgewinn der US-Dollar-Komponente.

Thorsten Michalik, Deutsche Bank AG, Global Equity Derivatives, Structured & Investment Products.

Quelle: Handelsblatt Nr. 108 vom 06.06.03

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