Aber Banken enthalten den Käufern die Dividendenerträge der Korbwerte vor
Bonuszertifikate sind bei stagnierenden Kursen gefragt

Schätzungen zufolge ist die Zahl der Papiere bereits auf rund 60 gestiegen, nachdem die Hypo-Vereinsbank das erste dieser Gattung am 7. April 2003 emittiert hatte. Es ist kein Zufall, dass Bonuszertifikate vor allem auf dividendenstarke Titel wie etwa Versorger begeben werden.

FRANKFURT/M. „Bonus hört sich gut an“, haben sich die Produktentwickler in den Banken sicher gedacht. In der Tat kommen die „Bonuszertifikate“ bei Anlegern gut an. Schätzungen zufolge ist die Zahl der Papiere bereits auf rund 60 gestiegen, nachdem die Hypo-Vereinsbank das erste dieser Gattung am 7. April 2003 emittiert hatte. Zuerst kamen Bonuspapiere auf Indizes wie den Euro Stoxx 50, dann auf Aktienkörbe (auch da waren die Münchener führend). Sal. Oppenheim brachte später als erster Bonuszertifikate auf einzelne Aktien.

Die Papiere, bei denen es trotz des viel versprechenden Namens natürlich nichts geschenkt gibt, funktionieren in der Regel wie folgt: Der Anleger erhält eine festgelegte Rückzahlung am Ende der Laufzeit, falls die zugrunde liegende Aktie den Bonuskurs nicht übersteigt und während der Laufzeit nicht auf bzw. unter die Bonusschwelle gefallen ist. Diese Rückzahlung entspricht genau dem Bonuskurs. Endet die Aktie dagegen oberhalb oder unterhalb dieses Korridors, so bekommt der Kunde die Aktie ausgeliefert oder bei Indexpapieren den Gegenwert ausbezahlt.

Würde die Tui-Aktie zum Beispiel auf 17 Euro klettern, erhielte der Inhaber des entsprechenden Commerzbankpapiers die Aktie – und nicht nur den Bonuskurs von 16,50 Euro. Nach oben hin partizipiert der Investor also ohne Gewinnbeschränkung an der Aktienkursentwicklung. Anleger können mit den Papieren demnach auf leichte Kursrückgänge, eine Seitwärtsbewegung oder steigende Kurse setzen. Der „Minimum Bonus“ drückt dabei aus, welche Rendite bezogen auf den heutigen Kurs des Zertifikats bis zur Fälligkeit mindestens erzielt werden kann, wenn die Bonusschwelle nicht berührt wird. Der „Risiko-Puffer“ ist der prozentuale Abstand zwischen der Bonusschwelle und dem aktuellen Aktienkurs.

Während der Laufzeit orientiert sich der Wert des Zertifikats am Aktienkurs. Er kann aber wegen der speziellen Konstruktion, die Optionskomponenten enthält, insbesondere zum Ende der Laufzeit davon abweichen, wie Wolfgang Gerhardt, Derivateexperte bei Sal. Oppenheim, erklärt.

Es ist kein Zufall, dass Bonuszertifikate vor allem auf dividendenstarke Titel wie etwa Versorger begeben werden: Um die Papiere zu finanzieren, behalten die Emittenten die während der Laufzeit ausgeschütteten Dividenden ein, so dass sich diese nicht im Kurs des Zertifikats niederschlagen. Daher sind auch Bonusindexzertifikate auf Kursindizes wie den Euro Stoxx 50 beliebt – hier werden die Dividenden in den Index nicht einberechnet. Die Institute sichern sich über Optionen, Futures und einzelne Aktien ab, auf diese Art vereinnahmen sie dann die Dividenden. Vor diesem Hintergrund ist auch klar, warum ein von manchen Anlegern geäußerter Wunsch nach Bonuszertifikaten auf Hightech-Aktien nicht in Erfüllung gehen dürfte: Internetwerte zahlen oft gar keine oder nur geringe Dividenden, so dass die Banken kaum Einnahmen generieren würden, aus denen die Bonusstruktur finanziert werden könnte. Weil nicht so viele Kursindizes zur Wahl stehen und die Palette dividendenstarker Titel ebenfalls weitgehend ausgereizt ist, dürften Neuemissionen vor allem Variationen bei den Produkteigenschaften wie etwa den Bonus-Schwellen enthalten.

Ein Beispiel bieten die so genannten „Pro“-Papiere seines Hauses, sagt Christopher Maaß von der Commerzbank. Alle auf einzelne Titel ausgerichtete Papiere besitzen folgende Struktur: Es zählt nur, ob die Aktie die Bonus-Schwelle innerhalb der letzten drei Monate berührt oder unterschritten hat; das Risiko wird also von der gesamten Laufzeit auf drei Monate verringert. Allerdings dürfte das verminderte Risiko auch etwas auf die Rendite drücken.

Kreativ ist zudem die Hypo-Vereinsbank, die sich gerne neue Basketkonstruktionen einfallen lässt. Das aktuelle Beispiel dafür ist das „All Above“-Basket-Zertifikat, das bis zum 29. August gezeichnet werden kann. Susann Cudok, Zertifikateexpertin bei den Münchenern, zufolge bezieht sich das neue Papier zu jeweils einem Drittel auf den Euro Stoxx 50, den amerikanischen S&P-500-Index und den japanischen Nikkei-Index.

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