Absicherungsstrategien
Was tun, wenn's abwärts geht?

Nichts währt ewig, auch die schönste Aktienrally nicht. Wer seine Positionen beim nächsten Kurseinbruch nicht überstürzt verkaufen will, sollte sich vorbereiten. Wie Anleger fallenden Kursen trotzen können.
  • 5

DüsseldorfDie Euphorie an den Aktienmärkten war groß. Seit der Dax im vergangenen November die Marke von 9000 Punkten geknackt hat, kletterte er zielstrebig weiter nach oben. Ein paar Rücksetzer gab es zwar, aber viele Analysten waren überzeugt, dass auch die 10.000 Punkte bald erreicht würden. Doch es gibt auch Skeptiker, die bereits vor einem Einsturz warnen. Und die jüngsten Schwankungen nähren die Sorge. Was also tun, wenn die Rally tatsächlich gestoppt wird?

Gerade Anleger, die erst bei hohen Kursen eingestiegen sind, würde ein Kurseinbruch empfindlich treffen. Und die Geschichte lehrt: Irgendwann geht es immer wieder bergab – mal mehr und mal weniger tief, Börsenkurse bewegen sich nun mal in Zyklen, auf und ab. Deshalb kann es sinnvoll sein, das Depot abzusichern. Eine Möglichkeit: Put-Optionsscheine.

Noch sind die Deutschen sehr zaghaft. „Eine echte Absicherungsstrategie fahren nur wenige Privatanleger“, sagt Malte Rubruck von der Direktanlagebank DAB. Die meisten Kundenportfolios seien auf Chancen ausgerichtet, Risiken bleiben außen vor. „In guten Börsenmonaten geht die Strategie auf, doch wenn der Markt dreht, werden die Depots sofort mit hinunter gezogen“, so Rubruck.

Eine Möglichkeit der Absicherung gegen fallende Kurse sind Put-Optionsscheine. Mit ihnen erwirbt der Käufer das Recht, beispielsweise eine bestimmte Menge Aktien innerhalb einer bestimmten Laufzeit zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. „In den Depots unserer Kunden spielen Optionsscheine bislang keine große Rolle“, sagt Rubruck. Doch die Auswahl des richtigen Optionsscheins ist gerade für Anleger, die Dax-nah investieren, sehr einfach – zumindest was die Wahl des sogenannten Basiswertes angeht: Sie kaufen Optionsscheine, die sich auf den Dax beziehen.

Bei der Wahl weiterer Stellschrauben wird es schon etwas kniffliger. Und klar ist auch: Optionsscheine haben ihren Preis. Nutzen bringen sie aber nur, wenn sich der Basiswert tatsächlich so entwickelt, wie der Anleger es erwartet hat. Sie funktionieren quasi wie Versicherungen, erst im Nachhinein weiß der Käufer, ob ein Unglück tatsächlich eingetreten ist und es wirklich nötig war, sich zu versichern. Für Put-Optionsscheine heißt das: Brechen die Kurse nicht ein, wäre es günstiger gewesen, man hätte auf den Kauf verzichtet. Geht es an den Märkten tatsächlich abwärts, kann der Schaden gemindert oder sogar noch ein Gewinn aus dem Kursverfall geschlagen werden.

Kommentare zu " Absicherungsstrategien: Was tun, wenn's abwärts geht?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zur Klarstellung: Optionsscheine sind jederzeit bis zum Laufzeitende handelbar, sowohl europäische als auch amerikanische! Sie müssen unterscheiden zwischen dem VERKAUF der Option und der AUSÜBUNG der Option - das ist etwas missverständlich formuliert. Die Unterscheidung zwischen "amerikanisch" und "europäisch" bezieht sich auf die Ausübung der Option - also bei einer Put Option darauf vom Recht Gebrauch zu machen, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Bei europäischen Optionen ist übrigens oftmals eine automatische Ausübung zum Laufzeitende im Verkaufsprospekt vorgesehen, und zwar für den Fall, dass dies für den Besitzer der Option wirtschaftlich sinnvoll ist. Das bedeutet, dass man sich als Halter der Option nicht aktiv um die Ausübung kümmern muss. Bei amerikanischen Optionen können Sie jederzeit eine Ausübung veranlassen, allerdings ist es für Sie normalerweise günstiger, die Option vor Laufzeitende zu verkaufen statt sie auszuüben. Das liegt daran, dass der im Artikel genannte Zeitwert den Wert der Option erhöht. Im Falle der Ausübung erhalten Sie jedoch nur die Differenz zwischen dem im Optionsschein vereinbarten Verkaufspreis und dem korrespondierenden Kassakurs, und das normalerweise korrigiert um ein Bezugsverhältnis (ebenfalls nachzulesen im Verkaufsprospekt der Option). Der normalerweise bei einer vorzeitigen Ausübung eingepreiste Zeitwert entfällt dann einfach für Sie; bei einem Weiterverkauf des Optionsscheins können Sie ihn aber realisieren. Viel Erfolg!

  • Ich empfehle eher Stop Loss Strategien. Die kosten wenigstens nichts.

    Steigt der Kurs nämlich weiter und man hat einen Put Optionsschein, dann verliert der nämlich massiv an Wert und die Gewinne der Aktie werden vermindert. Muss man ja gegenrechnen.

    Wenn man eh meint, dass der Kurs fallen wird, kann man auch gleich die Aktien ganz verkaufen und den Gewinn einstreichen. Alternativ halt Trailing Stop Loss setzen. Die werden automatisch mit nach oben gezogen.

    VG
    Marvel

  • Das mag ja alles richtig sein.
    Aber wenn wir einmal einen Privatanleger nehmen, der z. B. in seinem Depot 10 Werte aus unterschiedlichen Branchen liegen hat, die er, sagen wir einmal in den nächsten 10 Jahren nicht verkaufen will, was stört es ihn dann wie die Kurse im Herbst 2014 stehen.
    Dann ist eine solche Absicherung dafür nicht nur zu teuer, sondern auch für diesen Fall auch überflüssig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%