Agrar-Investitionen
Wie Anleger von Engpässen bei Rohstoffen profitieren

Ob Kaffee, Mais oder Zucker: Die Preise für Agrarrohstoffe steigen immer weiter. Auch langfristig könnte sich dieser Trend fortsetzen. Privatanleger können mit Zertifikaten in Rohstoffe investieren. Bessere Chancen bieten aber oftmals Unternehmen aus dem Agrarsektor.
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UNKEL. Die Preise von Agrarrohstoffen sind in den vergangenen Monaten in die Höhe geschnellt: Der Kaffeepreis stieg seit Juni um rund 30 Prozent, Mais ist 44 Prozent teurer und Zucker sogar fast 80 Prozent. Fachleute erkennen in dieser Entwicklung einen langfristigen Trend. "Die Nachfrage nach Agrarrohstoffen steigt schneller als das Angebot", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte der Commerzbank.

Zwar steigt auch die Produktivität in der Landwirtschaft, wie der aktuelle "Agricultural Outlook" der Vereinten Nationen und der OECD gerade festgestellt hat. Laut dieser Studie wird die Produktion landwirtschaftlicher Güter in vierzig Jahren voraussichtlich um 70 Prozent höher liegen als heute. Doch das wird den Prognosen zufolge nicht ausreichen, um die gesamte Menschheit zu ernähren.

Essgewohnheiten verändern sich

Langfristig wird das Preissteigerungen für die wichtigsten Nahrungsgüter zur Folge haben. Dafür sorgt allerdings nicht nur die Zunahme der Weltbevölkerung, sondern auch die sich verändernden Essgewohnheiten. "Die wachsende Mittelschicht in China konsumiert zunehmend Fleisch, Öle und Fette. Die höhere Nachfrage nach tierischen Nahrungsprodukten bedeutet eine deutliche Steigerung der Viehzucht und damit einen größeren Verbrauch an Agrarrohstoffen als Futtermittel", erklärt Eugen Weinberg. Gleichzeitig hat China das Problem, dass die Ausdehnung von Städten zunimmt und nur 15 Prozent der gesamten Fläche für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind. Zum Teil wird brauchbares Land beim Ausbau der Städte zubetoniert, der Rest wird nicht besonders effizient bewirtschaftet. So kommt es, dass China, noch vor einigen Jahren größter Exporteur von Agrarrohstoffen, schon heute beispielsweise bei Soja, Mais und Zucker zu den größten Importeuren weltweit gehört.

Anleger, die mit Hilfe von Zertifikaten von steigenden Preisen für Agrarprodukte profitieren wollen, sollten sich gut überlegen, ob sie direkt in Rohstoffe investieren. "Der Markt für Agrarrohstoffe ist ein Profi-Markt mit vielen Unwägbarkeiten für Privatinvestoren", warnt Gerd Bennewirtz, geschäftsführender Gellschafter der SJB Fondsskyline aus dem rheinischen Korschenbroich. Das Hauptproblem: Wer in Agrarrohstoff-Zertifikate investiert, kauft keine Rohstoffe, sondern partizipiert nur an der Entwicklung von Rohstoff-Futures, die an der Terminbörse gehandelt werden. Der ständige Austausch dieser Futures kann so teuer werden, dass Anleger, die über mehrere Monate hinweg in Agrarrohstoff-Zertifikate investieren, teilweise sogar Verluste einfahren, obwohl die Preise für die entsprechenden Rohstoffe gestiegen sind.

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  • GiER FRiSST HiRN! Zertifikate sind nichts als eine Wette auf die Preisentwicklung eines Produkts, wobei die bank als Wettparter den vollen Wetteinsatz kassiert, keine Sicherheiten bietet (!) und sogar die Wettregeln ändern kann! Selbst schuld wer da mitspielt. Lehmann läßt grüßen...

  • Es gibt kaum irgendwo sonst eine größere Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern, als im Agrar-Sektor. Während auf der einen Seite die großen Konzerne mit ihrem Marktdiktat sich bei Soja und Mais sich eine goldene Nase verdienen und sich einige findige Spekulanten an den Gewinnen beteiligen können, wird an anderer Stelle auf dieser Erde weiter Land und Umwelt zerstört. Die Spitze des Ganzen ist noch, dass durch das Anwachsen der Rohstoffpreise im Agrarsektor, sämtliche andere Agrarprodukte mitgerissen werden und für die Armen Menschen dieser Welt die Grundnahrungsmittel wieder einmal unerschwinglich werden. Genau das hatten wir schon um 2007 herum. Genau das wird bald wieder traurige Realität sein. Aber was kümmert es die Großverdiener, wenn irgendwo in der Welt wieder einmal Millionen andere, die keine Lobby haben, hungern müssen. Hauptsache die Taschen werden weiter gefüllt. ich persönlich halte die Spekulationen in diesem Sektor für relativ menschenverachtend!

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