Aktienmarkt China

Die chinesische Börse ist etwas für Zocker

Chinas Wirtschaft wächst langsamer, doch die chinesischen Aktienkurse sind geradezu explodiert. Es gibt erste Warnzeichen, dass es zu einer Umkehr kommt. Doch auch auf fallende Kurse kann man spekulieren.
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Die Aktienhausse in China ist politisch gewollt. Doch sie könnte bald enden. Denn der Markt ist überhitzt.
Aktienmarkt China

Die Aktienhausse in China ist politisch gewollt. Doch sie könnte bald enden. Denn der Markt ist überhitzt.

Die Börse in Shanghai läuft - wenn man sich den längerfristigen Chart anschaut. Seit Juli vergangenen Jahres hat sich der Wert des Shanghai A Index mehr als verdoppelt. Aktuell notiert der Shanghai Composite bei über 4600 Punkten. Auch die Zwölf-Monats-Performance der Börse in Shenzhen kann sich sehen lassen: Die Kurse der A-Aktien dort sind innerhalb eines Jahres durchschnittlich um mehr als 150 Prozent gestiegen.

Es ist eine Hausse, getrieben von Wetten auf eine noch größere Hausse. So warnen immer mehr Experten vor einem Rückschlag. So erwartet Asienkenner Mark Mobius und Aktienexperte des Fondshauses Franklin Templeton bereits seit April einen Crash light. Er hält „eine Korrektur von 20 Prozent für wahrscheinlich“.

Das erste Warnzeichen gab es am Donnerstag dieser Woche. Der Shanghai Composite verlor bei rekordhohen Umsätzen 6,5 Prozent auf 4.620 Punkte, so stark wie seit vier Monaten nicht mehr. Anleger sorgten sich wegen möglicher regulatorischer Beschränkungen der Kreditvergabe zu Spekulationszwecken. Einige große Handelshäuser hatten zuvor ihre Bedingungen für das mit geliehenem Geld betriebene Geschäft verschärft und höhere hinterlegte Sicherheiten von den Investoren eingefordert.

Ein Grund für bisherigen mittelfristigen Aktien-Boom in Shanghai und Shenzhen ist eine Strukturreform der Börsen: Bisher konnten A-Aktien, die an den Börsen Shanghai und Shenzhen in der Landeswährung Yuan gehandelt werden, nur von chinesischen Investoren und wenigen ausgewählten internationalen Finanzinstituten ge- und verkauft werden.

Wie Sie dem Niedrigzins ein Schnippchen schlagen
Tages- und Festgeldkonten werfen kaum etwas ab:
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Sparer haben es im Euro-Raum derzeit schwer. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es kaum noch Zinsen und es sieht nicht so aus, als ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der nächsten Zeit erhöhen wird und so Sparern wieder zu mehr Einnahmen verhilft. Für Kleinanleger kann es sich durchaus lohnen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie einige Regeln beachten.

Europaweit niedrige Zinsen
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Eine solche Situation, wie sie derzeit an den Märkten herrscht, ist nicht nur für die Kanzlerin Neuland.

Welche Produkte eignen sich für Einsteiger?
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Gut geeignet für Einsteiger sind sogenannte ETF, börsengehandelte Indexfonds. Anleger setzen damit auf die Entwicklung bestimmter Indices, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (Dax). Allerdings sollten Aktienneulinge nicht auf den Dax setzen, sondern auf breit gestreute Fonds, die nicht nur den deutschen, sondern mindestens den europäischen Aktienmarkt umfassen. Laut „Finanztest“ sind globale Fonds am besten geeignet. Sie umfassen nicht nur Aktien verschiedener Länder, sondern zusätzlich Wertpapiere unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Ihr Risiko ist also weit gestreut. Beispiele für mögliche ETF sind der MSCI World-Index oder der Stoxx Europe 600.

Wie groß ist das Risiko bei ETF?
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Aktienanlagen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, auch Investitionen in ETF. Andere Fonds – zum Beispiel Branchenfonds – sind potentiell aber um einiges riskanter. Grundsätzlich sollten Durchschnittssparer beachten, dass sie nur Geld investieren, welches sie langfristig entbehren können – laut „Finanztest“ mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. So lassen sich auch zwischenzeitliche Börseneinbrüche aussitzen.

Was ist mit Aktien einzelner Unternehmen?
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Wer Einzelaktien kauft, ist dem Unternehmen „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert, warnt Beckerle. In einigen Fällen winken enorme Gewinne. Wer zum Beispiel Anfang 1997 Apple-Aktien für 1000 Dollar kaufte, ist heute um mehr als 200.000 Dollar reicher. Negativ ins Gedächtnis gebrannt hat sich vielen Anlegern in Deutschland das Beispiel der Telekom-Anleihe. Die „Volksaktie“ stieg zunächst rasant und fiel dann umso stärker. Beckerle rät Verbrauchern von Einzelaktien ab.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf?
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Nein. Auch wenn die Aktienmärkte gerade nur den Weg nach oben kennen, kann sich der Einstieg lohnen. Finanzexpertin Beckerle rät Verbrauchern zum Einstieg in Raten. Die festgelegte Anlagesumme wird dabei in mehrere Teilbeträge aufgeteilt und im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten investiert. Eine weitere Möglichkeit sind dauerhafte monatliche Beträge, die in einen Fonds fließen.

Wo kaufe ich die Aktien?
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Für Einsteiger empfiehlt Beckerle den Kauf über eine Direktbank. Dort sei die Depoteröffnung und Verwaltung meist billiger als bei der Hausbank. Viele Hausbanken würden zudem ihre eigenen Fonds empfehlen, nicht unbedingt ETF. Allerdings: Direktbanken bieten ihren Kunden keine Beratungshilfe an. Wer dort Aktien kauft, muss vorher genau wissen, was er will. Versiertere Anleger, die sich für sogenannte gemanagte Fonds interessieren, fahren meist billiger, wenn sie die Anteile direkt bei Fondsvermittlern im Internet kaufen.

Doch seit vergangenem November kooperieren die Börsen Hongkong und Shanghai miteinander. Internationale Anleger können nun über die Börse Hongkong auch chinesische Inlandsaktien kaufen, die in Shanghai gelistet sind. Das Hongkong-Shanghai-Projekt „Connect“ wird zudem von Steuererleichterungen für Investoren flankiert.

Es ist kein Geheimnis, dass als nächstes die Börse in Shenzhen für internationale Investoren geöffnet werden soll. Die steigenden Aktienkurse spiegeln die Erwartung vieler Chinesen, dass mit dem neuen, zu erwartenden ausländischen Investorengeld die Aktienkurse in Shanghai und Shenzhen weiter steigen werden.

Institutionelle Investoren spielen an den dortigen Märkte übrigens kaum eine Rolle. „Etwa 80 Prozent der Umsätze an der Börse in Shanghai gehen auf das Konto von chinesischen Privatanlegern“, sagt Marc Cujai von MC Vermögensmanagement in Liechtenstein. Wer kann, der zockt. Börsenerfahrung haben die wenigsten Anleger, das durchschnittliche Bildungsniveau vieler Privatanleger ist eher gering.

Einer Untersuchung der Universität für Finanzwesen aus Chengdu zufolge haben zwei Drittel der Börsenneulinge, die nun mit Aktien handeln, die Schule im Alter von etwa 15 Jahren ohne Hochschulreife verlassen, 30 Prozent sogar schon im Alter von 12 Jahren, sechs Prozent sind Analphabeten.

Diese Anlegergruppe geht auch schon mal überdurchschnittliche Risiken bei ihren Börsenwetten ein. „Zwischen 15 und 20 Prozent der Wertpapierkäufe werden mit Krediten finanziert. Das hat durchaus Züge von Glücksspiel und Zockerei“, so Cujai, der davor warnt, dass der Aktienmarkt in Shanghai heiß gelaufen und eine kurzfristige Korrektur möglich sei – nicht zuletzt auch deshalb, weil Shanghai für ausländische Investoren in weiten Teilen noch eine ganze Weile eine Terra incognita bleiben wird.

Immobilienmarkt ist überhitzt
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