Alpha-Zertifikate
Dividenden-Strategie geht nicht auf

Die Aktienkurse steigen wieder, aber kein Dax-Unternehmen will eine Gewinnprognose abgeben. Denn die Ertragslage ist noch immer schlecht, viele Rücklagen aus vergangenen Jahren sind aufgebraucht. Auch Alpha-Zertifikate können dann ihr Versprechen nicht halten: Sie verdienen mit den vermeintlich dividendenstarken Aktien keine zusätzliche Wertentwicklung.

FRANKFURT. Statt auf die reine Kursentwicklung von Aktien setzen Alpha-Zertifikate auf die Differenz zwischen zwei Indizes (siehe "Alpha-Wetten"). Unter Zertifikateanlegern weit verbreitet ist die Outperformance-Strategie des Dax gegen den Div-Dax: Steigt der Dividendenindex stärker als der Dax, zahlt das Zertifikat die Differenz als Wertentwicklung aus. So wirken selbst fallende Kurse prinzipiell nicht negativ auf die Zertifikaterendite.

Und auch europaweit können Anleger auf die relative Wertentwicklung zweier Indizes setzen. Alpha-Zertifikate auf den Euro-Stoxx-50 gegen den Euro-Stoxx-Select-Dividend-30 versprechen Gewinn selbst bei fallenden Aktienkursen. In der Vergangenheit ging diese Wette auch regelmäßig auf. Seit rund zwölf Monaten weisen die Zertifikate jedoch kaum noch eine positive Performance aus. Und die Aussicht auf sinkende oder gar ausfallende Dividenden könnten den Anlegern jetzt einen weiteren Strich durch die Rechnung machen.

"Die Unternehmensgewinne werden 2009 noch niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr", sagt Hendrik Hollweg, Vorstandsmitglied von Ernst & Young. Bereits für das vergangene Geschäftsjahr berechnete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einen durchschnittlichen Gewinnrückgang in Deutschland von 55 Prozent. Die 30 Dax-Unternehmen schafften 2007 noch gut 109 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern. 2008 lag er nur noch bei 50 Milliarden Euro. "Wegen der sinkenden Geschäftsergebnisse müssten auch die Dividenden sinken", sagt Hollweg. Denn ohne Gewinn, liquide Mittel oder notfalls auch Gewinnrücklagen aus erfolgreicheren Zeiten können die Unternehmen nichts ausschütten. "Und je mehr Anteile der Staat an einem Unternehmen hält, desto komplizierter wird auch die Dividendenausschüttung", erklärt er.

So werden die Aktionäre der Commerzbank in diesem und aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren nicht mit Dividendenausschüttungen rechnen können. Der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young macht auf einen weiteren Aspekt bei deutschen Unternehmen aufmerksam: Denn Basis für die Ausschüttungshöhe von Dividenden ist der Abschluss nach dem deutschen Handelsgesetzbuch. Die veröffentlichten Zahlen zu Umsatz und Gewinn jedoch entstammen regelmäßig der internationalen Rechnungslegung nach IFRS.

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