Alternative Anlageformen
Mit Gewinn durch die Stürme

Das Vertrauen der Anleger ist weg. In die traditionellen Aktien- und Kreditmärkte wollen sie immer weniger investieren. Stattdessen wendet sich ihr Interesse immer stärker realen Werten und bislang ignorierten oder unterschätzten Anlageklassen zu. Von Wetter-Derivaten bis Wahlkampf-Börsen - verunsicherte Anleger flüchten in lukrative Nischen.

BOCA RATON. Weltweit reagieren die Börsen nun auf veränderte Bedürfnisse der Investoren. Sie wittern neue Geschäftsmöglichkeiten im Handel mit Rohstoffen, mit Produkten zur Schonung der Ökosysteme, mit Finanzinstrumenten zur Steuerung der Wetterrisiken und mit Kredit- und Versicherungsrisiken. Auf der 33. Jahrestagung der Dachorganisation der amerikanischen Derivatebranche FIA wurde deutlich, dass darüber hinaus auch sogenannte Prognosebörsen – auch als Event-Markets oder Prediction-Markets bezeichnet – für sich selbst eine große Zukunft sehen.

Entscheidende Impulse erwarten die Kassa- und Terminbörsen in aller Welt aus der Renaissance der Rohstoffmärkte. Während die Akteure der Rohstoff- und Finanzszene bisher vor allem in den USA sowie im asiatischen und lateinamerikanischen Raum die Chancen und Risiken der Rohstoffmärkte mit Futures und Optionen umsetzten, versucht Europa, den Anschluss nicht zu verlieren.

Inzwischen engagiert sich sogar die Deutsche Börse sowohl direkt als auch über Kooperationen mit Börsen in Leipzig und Slowenien auf diesem Gebiet – und das, obwohl sie das Thema Rohstoffe über Jahrzehnte hinweg ignoriert hat. Zudem entstehen auch in den Emerging Markets massenhaft neue Rohstoffbörsen.

Zudem hat nun nach Politik und Wirtschaft auch die Finanzwelt gemerkt, dass ein pfleglicher Umgang mit dem Ökosystem dieser Welt durchaus Vorteile bringt. Er soll für immer mehr Börsen zu einer Goldgrube werden. In diesem Kontext spielen die Emissionsrechte (EUA) und Emissionskredite (CER) eine zunehmende Rolle für Börsen, sagt Richard Sandor, Chairman und Vorstandschef der Chicago Climate Exchange (CCX). Die Rechte und Kredite stammen aus dem Kyoto-Protokoll und finden im EU-Emissionshandelssystem ihren Ausdruck.

Sandor hat nicht nur im Jahr 2002 die CCX als weltweit erste Klimabörse gegründet, sondern kurze Zeit später auch die European Climate Exchange (ECX) – die mit Abstand bedeutendste Börse dieser Art. Inzwischen haben diese beiden Pioniere Konkurrenz durch europäische Börsen wie EEX/Eurex, Nordpool und die beiden Handelsplattformen New Values und Euets.com – die jetzt zur Climex fusionierten – erhalten. Emissionsrechte und Emissionskredite werden künftig auch auf den Handelsplattformen des weltgrößten Börsenkonzerns NYSE Euronext Liffe gehandelt.

Die Beteiligung des weltweiten Terminbörsen-Weltmarktführers Chicago Mercantile Exchange (CME) am brasilianischen Konkurrenten BM&F wird auch dadurch getrieben, dass die BM&F mit Klimaprodukten erfolgreich ist. Die sich derzeit in Fusionsgesprächen mit der CME befindliche weltweit führende Energiebörse – New York Mercantile Exchange (Nymex) – hat sich mit der neuen Tochterbörse „Green Exchange“ ebenfalls auf diesem Gebiet positioniert.

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