Anlagemöglichkeiten
Wie Anleger die Bankenkrise nutzen können

Strenge Regulierung und hohe Abschreibungen auf Staatsanleihen – die Banken machen im Moment eine schwere Zeit durch. Spezielle Zertifikate klammern die Branche aus, oder setzen auf weiter fallende Kurse.
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DüsseldorfBankaktien gehören zu den größten Verlustbringern an der Börse. Mehr als 40 Prozent hat der europäische Branchenindex Stoxx 600 Banks in den vergangen zwei Jahren eingebüßt. Sogar rund 50 Prozent beträgt das Minus bei dem Indexpendant Euro Stoxx Banks, das ausschließlich Finanztitel der Euro-Zone umfasst. Zum Vergleich: Im Schnitt legten europäische Aktien im selben Zeitraum um etwa fünf Prozent zu.

Und an den trüben Aussichten für Bankaktien dürfte sich auf absehbare Zeit wenig ändern. Erst kürzlich hat beispielsweise die Bank of England davor gewarnt, dass die Gewinnziele der britischen Geschäftsbanken zu optimistisch seien. Die Folgen der absehbar strengeren Regulierung auf die Institute seien nicht hinreichend berücksichtigt. Die unter dem Stichwort „Basel III“ bekannte strengere Regulierung des Finanzsektors habe unter anderem das Ziel, Investitionen in Banken risikoloser zu machen. Das aber gehe gleichzeitig mit einer geringeren Rendite für die Anleger einher, so die Notenbank.

In die selbe Kerbe schlägt auch der künftige Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Die Bank-Branche werde sich auf geringere Renditen einstellen müssen. „Wir treten in eine Periode niedrigerer Renditen ein“, sagte Fitschen bei einer Veranstaltung am Wochenende in Berlin. Ebenfalls alles andere als ein zuversichtlich stimmendes Zeichen: Die Bundesregierung rüstet sich derzeit für mögliche Schieflagen von Banken. Spätestens im Januar soll das Kabinett grünes Licht für eine Revitalisierung des Rettungsfonds Soffin geben. Während der Finanzmarktkrise versorgte der Fonds in Not geratene Banken mit Kapital und Garantien. Vor allem die anhaltende Staatsschuldenkrise könnte neue Hilfen erforderlich machen.

Kein Wunder, dass sich viele Investoren trotz der optisch billigen Kurse zurückhalten. Das Argument‚ Bankaktien seien günstig, ziehe nicht, weil weitere Abschreibungen anstehen, warnen Experten. Fachleute befürchten jahrelang schrumpfende Bilanzen, hohe Refinanzierungskosten und zusätzliche Risikopotenziale durch die Anleihebestände. „Finger weg von Finanzaktien“ lautet beispielsweise der unmissverständliche Ratschlag von Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Gleichzeitig rät der Experte aber Anlegern dazu, ihr Depot breit aufzustellen und möglichst viele Anlageklassen zu berücksichtigen. „Trotz der anhaltenden Turbulenzen an den Börsen sollten sich Anleger nicht vom Aktienmarkt zurückziehen", so Albrech. Der Grund: Wegen der politisch dominierten Kapitalmärkte, wisse niemand wie sich die einzelnen Anlageklassen weiterentwickeln. Da helfe nur diversifizieren.

Prinzipiell positiv gestimmt für die Börsen zeigen sich auch Finanzinstitute. Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank sehen die Aktienmärkte vor einer Erholung. Er rechne mit einem prozentual zweistelligen Kursplus bis Ende 2012, sagte Anfang der Woche Arnaud de Servigny, der die Investitionsentscheidungen der Vermögensverwaltungssparte verantwortet.

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Kommentare zu " Anlagemöglichkeiten: Wie Anleger die Bankenkrise nutzen können"

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  • Klar kann man an der Krise gewinnen.

    Aber man sollte daran denken, dass selbst ein schwein NIE so doof ist und befragt den Metzger wegen seiner Altersvorsorge. Warum also sollte man einem bank-Experten danach fragen, wie man sein Geld optimal anlegt??

    Aber es ist zu vermuten, dass in der nächsten Zeit ein Niedergang der Wirtschaft kommen kann. Diese Finanzkrise hat sehr wahrscheinlich einen Verzug von ca. 6 Monaten, bis es in der Wirtschaft ankommt.

  • Zertifikate sind Wetten gegen die Bank, wobei die Bank sofort 100% des Wetteinsatzes erhält, keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln nachträglich ändern kann.
    Wer so etwas kauft ist selbst schuld und hat absolut nichts aus der Lehmann-Pleite gelernt. Da Gier bekanntlich Hirn frisst, finden sich aber immer noch genug Käufer von Zertifikaten. Die Banken freuen sich ...

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