Anlageprodukte
Spekulieren mit dem Superhebel

Geringer Einsatz, hohe Gewinne: Onlinebroker locken mit riskanten Wetten. Obwohl auch das Verlustrisiko hoch ist, kommen die Produkte bei Anlegern an.
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DüsseldorfDie Kurse rauschen über das Display des iPads – nur wenige Punkte bewegt sich der Dax, doch die Ausschläge im Depot sind immens. Dem Hebel sei Dank! Wer seinen Einsatz binnen kürzester Zeit verdoppeln, verdreifachen oder verzehnfachen will - aber Vorsicht, auch verlieren kann-, der findet bei Onlinebrokern das passende hochspekulative Produkt. Die Sparkassen-Tochter S- Broker etwa, aber auch der größte deutsche Onlinebroker Comdirect und Wettbewerber Cortal Consors bieten Produkte mit extremer Hebelwirkung an: Contracts for Difference (CFD), auf deutsch: Differenzkontrakte.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. CFD sind keine Wertpapiere, sie sind im Grunde Wetten auf die Entwicklung an den Aktien-, Devisen- oder Rohstoffmärkten. Anleger können sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des jeweiligen Basiswertes setzen, also auf Aktien, Indizes, Devisen oder Rohstoffe – und das mit enormer Hebelkraft. Was die Sache so interessant, aber eben auch hochspekulativ macht: Anleger brauchen nur einen Bruchteil der Summe einzusetzen, mit der sie eigentlich spekulieren. Sie hinterlegen nämlich lediglich eine Sicherheitsleistung – genannt Margin –, die wesentlich geringer ist als der Gegenwert des Basisinstruments. Sie streichen aber, wenn ihre Wette aufgeht, den vollen Kursgewinn ein. Die Höhe der Margin bestimmt dabei den Hebel.

Ein Beispiel: Bei einer Hebelwirkung von zehn setzt der Anleger zehn Prozent des Basiswerts als Sicherheitsleistung ein. Kauft er also mit einem entsprechenden CFD-Kontrakt Daimler-Aktien für 10.000 Euro, muss er 1.000 Euro hinterlegen. Steigt der Daimler-Kurs um fünf Prozent, macht er 500 Euro Gewinn - bezogen auf seinen Einsatz also 50 Prozent. Hat der Stuttgarter Konzern an der Börse aber einen schlechten Tag und verliert fünf Prozent, ist der CFD-Anleger auch die Hälfte seines Einsatzes los.

Die Hebel variieren je nach Anbieter und Basiswert. Sowohl bei Comdirect als auch bei S-Broker handeln Kunden mit einem maximalen Hebel von 100. Wem das noch nicht genug Nervenkitzel ist, der kann den Einsatz – in diesem Fall den Hebel – noch erhöhen. Bei CMC Markets, dem größten Anbieter in Deutschland, zocken Investoren mit einem Hebel von bis zu 400. Anlegen mit Faktor 400 – das verspricht nicht nur satte Gewinne, wenn die Spekulation aufgeht. Das kann auch danebengehen und Anlegern hohe Verluste bescheren. Denn auch das Minus wird gehebelt.

Der Totalverlust droht schneller, als man denkt. Bei Spekulationen mit Hebel 400 muss der Basiswert nur um 0,25 Prozent fallen, schon ist die hinterlegte Sicherheitsleistung aufgebraucht. Fällt der Wert weiter, kommt es sogar zur Nachschusspflicht. Und das heißt nichts anderes, als dass Anleger mehr verlieren, als sie eingesetzt haben. Sie müssen Geld nachzahlen. „Jeder, der sich für den Handel mit CFDs entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass ein vergleichsweise hohes Verlustrisiko besteht“, sagt Mario Jessen, CFD-Experte der Comdirect Bank. Viele Anbieter und Onlinebroker – darunter auch Comdirect und S-Broker – begrenzen den möglichen Verlust allerdings auf die Summe, die auf dem CFD-Konto liegt. Sie schließen die Position, wenn das Konto gegen null geht oder die Sicherheitsleistung aufgebraucht ist.

Kommentare zu " Anlageprodukte: Spekulieren mit dem Superhebel"

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  • CFD's, aber auch Zertifikate und Optionsscheine sind hervorragende Geldquellen - für die Emittenten.
    Diese Instrumente sind natürlich finanzmathematisch so ausgelegt, dass der Erwartungswert für den Emittenten positiv ist. Nicht umsonst überschwemmen die Banken den Markt damit. Das heißt aber, dass die Käufer im Mittel immer die Verlierer sind.
    Also, nur weiter so, Banken wollen auch leben.

  • Die meisten Zocker würden nicht mal dann die Finger von solchen Produkten lassen, wenn wie bei Zigaretten in Fettschrift "CFDs gefährden Ihre Finanzgesundheit!" drauf stünde. Also was soll´s? Lasst sie doch spielen, bis der Beutel leer ist und fertig. Genau wie im Casino.

  • Interessant wäre ein Vergleich realer CFD- und Aktiendepots hinsichtlich ihrer Rendite über einen längeren Zeitraum. Ich bezweifle stark dass solche kurzfristige Zockereien dem Kleinanleger einen dauerhaften Gewinn bescheren.

    Nur dass keine Nachschüsse fällig werden heißt noch lange nicht dass der CFD-Anleger nicht innert kürzester Zeit seinen Einsatz verloren hat. Diese Sicherheitsmaßnahmen bedeuten schlicht dass der Anleger herausfällt wenn die Margin oder der Depotwert auch nur kurzfristig unterschritten wird.

    Und 8 Euro pro Order sind in meinen Augen auch nicht gerade billig... Mal davon abgesehen dass ausgerechnet die Sparkassen dahinter stecken, die sich sonst gerne als Hort der Sicherheit und der Stabilität gerieren...

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