Anlagestrategie
Auch Warren Buffett investiert in Derivate

Warren Buffett tut es – und viele andere tun es inzwischen auch. Immer mehr Anleger nutzen Derivate zur Optimierung ihrer Anlagestrategie. Über Verkaufsoptionen auf Aktienindizes generieren sie zusätzliche Ertragsquellen – und sichern andere Risiken ab.

FRANKFURT. Als die lebende amerikanische Anleger-Legende Warren Buffett im vergangenen Jahr Puts – also Verkaufsoptionen – auf den populären US-Aktienindex S&P 500 mit Fälligkeiten in den Jahren 2019 und 2028 im Nominalwert von 37,1 Mrd. Dollar verkaufte, rieben sich Investoren verwundert die Augen. Dass ausgerechnet Buffett zum Derivate-Fan wurde, überraschte. Denn noch kurze Zeit zuvor hatte er Derivate als „Teufelszeug“ mit der Wirkung finanzieller Massenvernichtungswaffen bezeichnet.

Plötzlich wurde deutlich, dass Buffett jedoch längst nicht alle Derivatetypen für Teufelszeug hält. Call-Optionen (Kaufoptionen) und Put-Optionen (Verkaufsoptionen) – die „großen Schwestern“ der Call- und Put-Optionsscheine – sind in der von Buffett kontrollierten Gesellschaft Berkshire Hathaway für die Absicherung von Risiken genauso alltäglich wie bei anderen Firmen des Finanzsektors.

„Diese Strategie, an der sich einige Akteure in der Vergangenheit fast verhoben hätten, ist wegen immens hoher Verlustrisiken meist institutionellen Anlegern vorbehalten“, sagt Greg Toublanc von BNP Paribas. Auch für Warren Buffett dürfte es nach der jüngsten Marktentwicklung inzwischen einige Fragezeichen geben. Das erste Halbjahr verlief für das „Orakel von Omaha“ wenig befriedigend: Der S&P-500-Aktienindex liegt nach den ersten beiden Quartalen knapp im Plus, seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway dagegen um mehr als zehn Prozent im Minus. Kritiker führen diese Lücke auch auf die von ihm abgeschlossenen Derivategeschäfte zurück.

Call- und Put-Optionen werden von Buffett sowohl für die Absicherung von Risiken als auch für die Generierung von Zusatzerträgen eingesetzt. Solche zusätzlichen Erträge werden zum Beispiel durch die von Buffett verfolgte Strategie des Verkaufs von Index-Puts generiert.

Warum also ging die von Buffett verfolgte Strategie „short put“ bisher nicht auf? Die Erklärung ist simpel: In der Vergangenheit war über längere Zeiträume hinweg festzustellen, dass die implizite, also erwartete Volatilität – die Volatilität ist eine Messgröße für die Schwankungsbreite von Kursen – dieser Optionen auf den S&P-500-Index höher war als die tatsächliche „realisierte“ Volatilität des Index.

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