Anlagestrategie
Banken im Visier der Börsianer

Bankaktien sind wieder gefragt. Kurszuwächse von 50 Prozent und mehr waren in den zurückliegenden zwölf Monaten keine Seltenheit. Die Frage ist: Wie lange währt der Aufschwung noch?
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Frage: Was ist ein Optimist? Antwort: Ein Banker, der Sonntags fünf Hemden bügelt. Witze dieser Art machen derzeit in der Frankfurter Bankenszene die Runde, nachdem Politiker Zwangsaufspaltungen von Banken und sogar Gefängnisstrafen für zockende Bankmanager gefordert haben. Die Angestellten der Finanzbranche sehen die Entwicklungen in ihrer Branche jedoch offensichtlich weit kritischer als die Anleger.

Diese bewiesen nach einer langen Phase, in der Bankaktien als toxische Investments galten, wieder mehr Vertrauen in die Finanzindustrie und griffen bei Bankaktien in den vergangenen Monaten fleißig zu. Der Stoxx Europe 600 Banks Index, in dem die Kursentwicklung von aktuell 46 europäische Banken abgebildet wird, hat seit Juni 2012 mehr als 50 Prozent an Wert zugelegt. Die Aktienkurse einiger Finanzhäuser wie bei beispielsweise die Banca Popolare di Milano haben sich seitdem sogar fast verdoppelt. Die Frage ist nun: Geht es so weiter?

Tatsächlich gibt es Positives aus der Bankenbranche zu berichten. Die Strukturveränderungen sind gravierend. Viele Institute haben ihr Risikomanagement verbessert und ihre Tätigkeiten im Investmentbanking zurückgefahren oder sogar komplett eingestellt. Das Risiko in den Bilanzen ist eher gesunken. Das ist zu einem kleinen Teil der Einsicht geschuldet, dass vielen Bankern klar war, dass es nicht mehr so weitergehen konnte wie bisher. Hauptsächlicher Grund für die Reformen in den Geldhäusern ist aber vor allem, dass die Banken ihre Strukturen den neuen, strengeren regulatorischen Vorschriften aus Brüssel anpassen.

So sorgt die Erhöhung der Eigenkapitalquote beispielsweise für belastbarere Bilanzen. Trotzdem liegen auf den Bilanzen immer noch die Schatten der noch immer ungelösten Schuldenproblematik der europäischen Krisenländer. „Europäische Banken sind die hauptsächlichen Inhaber von Staatsanleihen der Euro-Peripherie“, sagt Robert Halver von der Baader Bank. „Bankaktien haben aufgrund der Befriedung der Eurozone zu Jahresbeginn zwar deutlich stärker profitiert als der europäische Aktiengesamtmarkt, sie bekommen aber jetzt umgekehrt auch die politischen Risiken stärker zu spüren. Insgesamt steigt die Risikowahrnehmung wieder“, so Halver.

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