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Aufstrebende Märkte wie Vietnam und Pakistan locken Anleger. Doch Zertifikate, die exotische Länder zum Ziel haben, sind riskant. Auf den Boom folgt oft die Enttäuschung. Auch Märkte wie Pakistan, Kasachstan und Indonesien, die vor wenigen Jahren noch niemand im Blick hatte, wurden in der Vergangenheit zu Geheimtipps erklärt.

Es ist der Traum aller Anleger: in kurzer Zeit das eigene Geld vervielfachen. Für denjenigen, der vor einem Jahr sein Geld in Vietnam angelegt hatte, schien dieser Traum wahr zu werden. Im Januar 2007 trat Vietnam zurWelthandelsorganisation WTO bei. Gleichzeitig legte der vietnamesische Aktienindex in einem Monat um mehr als die Hälfte zu. Deutsche Kleinanleger, die den Zug nicht verpassen wollten, kauften reihenweise teure Vietnam-Zertifikate und trieben die Kurse damit noch weiter in die Höhe. Die Banken heizten den Trend an, indem sie weitere exotische Papiere auflegten. Auch Märkte wie Pakistan, Kasachstan und Indonesien, die vor wenigen Jahren noch niemand im Blick hatte, wurden kurzerhand zu Geheimtipps erklärt und unter dem Schlagwort „Next Eleven“ zusammengefasst. Elf Länder, denen ein Wachstum bevorstehen sollte, wie es die so genannten Bric-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China – schon hinter sich haben. Mittlerweile ist ein Jahr seit dem großen Run auf die neuen „Emerging Markets“ vergangen. Jetzt zeigt sich, dass sich die anfänglichen Kursgewinne oft in Luft aufgelöst und enttäuschte Anleger zurückgelassen haben.

Als Erfinder der „Next Eleven“ gilt Jim O'Neill, der Chefvolkswirt von Goldman-Sachs. Auch der Begriff „Bric“ geht nebenbei bemerkt auf O'Neill zurück. Als entscheidendes Kriterium für die Auswahl seiner nächsten Elf wählte O'Neill die Größe der Bevölkerung. Deshalb umfasste die Gruppe neben fundierten Märkten wie Südkorea und Mexiko auch die Türkei und Ägypten sowie Pakistan, Indonesien, Philippinen, Vietnam, Bangladesch, Nigeria und den Iran. Doch die Risiken in solchen Märkten sind hoch. Zum einen stellen politische Unruhen einen großen Unsicherheitsfaktor dar. Das zeigt das Beispiel Pakistan, wo die Börse nach dem Attentat auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 zwischenzeitlich erhebliche Verluste erlitt. Zumanderen sind die Next-Eleven- Märkte sehr klein und wenig liquide. Kommen dann hohe Investments aus dem Ausland hinzu, sind diese Märkte oft überfordert. In der Vergangenheit hat dies oft zu starken Kursschwankungen geführt. Erst schnellen die Kurse hoch, dann brechen sie ebenso schnell wieder ein.

Das zeigt auch die Entwicklung des Next 11-Zertifikats von Goldman Sachs (WKN: GS8N11). Im März 2007 kam das Papier auf den Markt, gerade rechtzeitig als die EuphorieumVietnam und andere abseitige Märkten am größten war. Das Zertifikat wies allerdings einen kleinen Schönheitsfehler auf. Statt der elf Länder, die O'Neill „entdeckt“ hatte, investierte das Next11-Zertifikat nur in acht Länder. Bangladesch, Nigeria und Iran blieben von Beginn an außen vor. Als Grund führt Goldman Sachs „regulatorische Beschränkungen“ auf jenen Märkten an. „Wir können dort bisher nicht handeln“, sagt Dirk Heß, Zertifikate-Spezialist bei Goldman Sachs. Seinen Höchststand erreichte das Zertifikat im Herbst, als es rund 30 Prozent über dem Ausgabekurs notierte.

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