Anlagestrategie
Die neue Gier

Magerzinsen adé? Neue Aktienanleihen bieten Zinssätze von bis zu 50 Prozent. Doch diese Zahl sagt nichts über die letztendliche Rendite aus. Anleger sollten sich nicht täuschen lassen – und nicht der Gier verfallen.
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DüsseldorfUm die Jahrtausendwende herrschte Hochstimmung an der Börse. Der Neue Markt, an dem junge Unternehmen ihr Glück versuchten, stieg unaufhörlich. Sogar vermeintlich konservative Anleger wollten von dieser Goldgräberstimmung profitieren. Und kauften Aktienanleihen auf die riskanten Wachstumswerte. Zinszahlungen von bis zu 17 Prozent blendeten, die ein solches Produkt kurz nach der Jahrtausendwende beispielsweise auf das Entertainment-Unternehmen EM.TV versprach.

Wer glaubt, solch hohe Kupons sind Geschichte, der täuscht sich. Derzeit sind neun Aktienanleihen mit einem Kupon in Höhe von 50 Prozent über die Börse oder direkt über den Emittenten erhältlich. Weitere neun bieten eine Zinszahlung, die über 40 oder 30 Prozent liegt.

Damals wie heute wussten viele Anleger gar nicht, welches Risiko sie eingingen. Denn der Name Aktienanleihe täuscht. Diese Produkte sind strenggenommen keine Anleihen. Sie vermischen Aktien- und Anleihekomponenten, wobei das Aktienrisiko dominiert. Anders als es der Name suggeriert, sind Aktienanleihen Zertifikate mit festem Zinskupon. Die Zinszahlung erfolgt wie bei einem klassischen Bond in bar. Ob aber der Anleger am Ende sein eingesetztes Geld zurückbekommt oder Aktien im Depot landen, hängt von der Entwicklung des Basiswerts ab.

Liegt der Kurs des Wertpapiers über einem bei der Emission vereinbarten Kurs (Basispreis), erhält der Anleger den Nominalbetrag zurück. Andernfalls bekommt er anstelle der Aktienanleihe eine feste Anzahl von Aktien ins Depot gebucht - und erzielt eventuell ein hohes Minus.

Im Fall der Aktienanleihe auf EM-TV lag dieser Basispreis bei 48,08 Euro - die Aktie notierte aber zwischenzeitlich bei 4,75 Euro. Aus den eingezahlten 5.000 Euro wurden 494 Euro, weil dem Käufer 104 Aktien ins Depot geliefert wurden. Diesen Verlust konnte die 17-prozentige Zinszahlung zum Laufzeitende auch nur wenig lindern.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Die neue Gier"

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  • Wem erklären Sie das?

    Wer es nicht weiß, istz ohenhin bereits abgezockt worden .....!

  • "Die neue Gier"
    _____________________

    Gier kennt man bereits seit den Neanderthalern.
    Neue Gier kann nur bedeuten: es gäbe neue Neanderthaler.

    Gier ist wie Toilette gehen müssen: laangweilig.

    Und nur weil Primaten Havard gieren können/sollten ist Gier alles andere als modern: Gier hält man sich und man hüte sich davor sie leben zu müssen.

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