Anlagestrategie
Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff

Rohstoffe sind in den vergangenen Jahren dank zahlreicher Zertifikate für Anleger zu einer ganz normalen Anlageklasse geworden. Doch der Rohstoffmarkt hat seine Tücken.

Welch ein Boom: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Preise für Weizen und Öl mehr als verachtfacht, Kupfer verfünffacht und der Goldpreis verdreifacht. Und das sind nur drei Beispiele. Fast alle Rohstoffpreise rund um den Globus sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Wer jedoch glaubte, die Spekulation auf steigende Rohstoffpreise sei ein sicheres Geschäft, wurde zuletzt bitter enttäuscht. Seit Juli erodieren die Preise für fast alles, was an den Rohstoffbörsen gehandelt wird. Rohstoff-Preisbarometer wie der CRB Index, der Dow Jones AIG, der RICI oder auch der GSCI verloren im Durchschnitt rund 20 Prozent.

Entsprechend sank der Wert vieler Rohstoff-Zertifikate. Hebelpapiere auf Rohstoff-Futures wurden in den vergangenen Wochen reihenweise ausgeknockt. Aber auch Express- und Bonus-Zertifikate hat es hart erwischt. Bei Papieren, die erst im Juni oder Juli aufgelegt wurden, sind die Basiswerte oft innerhalb kürzester Zeit in bedrohliche Nähe zu den unteren Sicherheits-Leveln gerückt. Anleger, die einen 30-prozentigen Abstand des Basiskurses zum Sicherheitslevel für ausreichend hielten, mussten schnell lernen, dass der Rohstoffmarkt ganz eigenen Gesetzen folgt.

Die Anlageklasse Rohstoffe war bis vor kurzer Zeit noch ein Markt für Experten. Das sieht jetzt anders aus. Ob magere Schweine, Sojabohnen-Öl, Erdgas, Aluminium oder auch lebende Rinder, die heute noch irgendwo im mittleren Westen der USA ahnungslos auf der Weide stehen: Mittlerweile gibt es kaum einen handelbaren Rohstoff mehr, der nicht mithilfe eines Zertifikats in ein privates Anlegerdepot gelangen kann. Insbesondere ABN Amro hat sich hier als Innovationsführer hervorgetan. "Wir bieten eine ganze Reihe von Rohstoff-Zertifikaten an, mit denen Anleger selbst in Nischenmärkte vordringen können", sagt Funda Tarhan von ABN Amro, die allerdings auch davor warnt, sich ohne Vorkenntnisse in das Abenteuer Rohstoffe zu stürzen. Im Juli kamen zwar die Preise von Industrie- und Edelmetallen, Energie und Agrarrohstoffen gleichermaßen unter die Räder. "Die verschiedenen Marktsegmente bieten derzeit jedoch ganz unterschiedliche Perspektiven", so Tarhan.

Einer der Boom-Märkte bei Rohstoffen waren in der jüngsten Vergangenheit Industriemetalle.Mit dem Aufschwung in Asien wuchs auch der Bedarf an Rohmaterialien für Fabriken, Autos, und die Baubranche. Doch mit dem globalenWirtschaftsaufschwung ist es wohl erst einmal vorbei. Das zeigen die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für ihre Mitgliedsländer berechneten Frühindikatoren. In allen wichtigen Industrieländern befinden sie sich im Abwärtstrend. Die Angst vor einer weltweiten Rezession hat an den Rohstoffmärkten bereits Bremsspuren hinterlassen. Aus der Befürchtung heraus, die Nachfrage nach Industriemetallen könnte bei abklingender Konjunktur deutlich nachlassen, sind die Preise für Aluminium, Blei, Kupfer, Palladium und Zinn im Juli auf breiter Front eingebrochen. Die Preise für Nickel und Zink befinden sich schon seit Monaten auf Talfahrt.

Die gute Nachricht: Ein Ende des Industriemetall- Ausverkaufs ist in Sicht. "Die Preise für Blei, Nickel und Zink sind auf ein so niedriges Niveau gesunken, dass teilweise schon Minen geschlossen wurden, weil sich die Förderung nicht mehr lohnt", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank, "da bleibt gar nicht mehr viel Raum für weitere Preiskorrekturen nach unten." Ob Industriemetalle insgesamt wieder deutlich teurer werden, sei zwar fraglich, "zumindest eine Stabilisierung der Preise ist aber sehr wahrscheinlich", so Weinberg. Bei Aluminium sieht Jürgen Faltl von der Deutschen Bank den Boden der Preisbildung bereits erreicht: "Die Produktionskosten liegen hier bei etwa 2 300 US-Dollar pro Tonne. Bei einem Aluminium-Preis unter dieser Marke würden viele Produzenten mit jeder verkauften Tonne Verlust machen", sagt Jürgen Faltl. Die Preise für Aluminium sollten daher nun eher steigen.

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