Anlagestrategie
Vermögensverwalter scharf auf griechische Aktien

Die Stimmung an Athens Börsen ist am Boden, der Handel ausgesetzt. Ein Einstieg für Anleger könnte sich bei Wiedereröffnung lohnen. Die Entwicklungen anderer Märkte dienen als Vorbild.
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DüsseldorfKurz vor Ablauf der Frist hat Premier Alexis Tsipras, am späten Donnerstagabend, die Reformliste bei Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem eingereicht. Im Gegenzug hofft die Regierung in Athen auf ein neues, dreijähriges Rettungsprogramm, mit dem das Land vor dem Bankrott bewahrt werden soll. Am Sonntag wollen die 28 EU-Staaten dann über die neuen Reform-Vorschläge aus Athen beraten.

Während die Politiker in Brüssel noch nach Lösungen suchen, um Griechenland zu stabilisieren und das Land im Euro zu halten, hatten die Finanzmärkte zuletzt eigentlich den Grexit eingepreist. „In unseren Augen ist der Grexit keine Frage des Ob, sondern spätestens seit dem Referendum nur noch des Wann und Wie“, sagt Thilo Stadler, Vermögensverwalter der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung in Mannheim.

So wie er, sehen das vielen Kollegen. Dennoch: Selbst ein ungeordneter Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde kaum jemanden überraschen. „Die Kursschwankungen würden in solch einem Fall vermutlich zwischenzeitlich zunehmen. Einen Crash an den Finanzmärkten erwarten wir aber nicht“, so Stadler.

Griechische Aktien erscheinen manchem Vermögensverwalter gerade jetzt attraktiv bewertet: André Kunze von P.A.M. Prometheus Asset Management sieht den Aktienmarkt in Athen an einem Tiefpunkt angelangt. „Unabhängig davon, ob es zu einem Grexit oder einer Einigung Griechenlands mit der EU kommt, ist Athen derzeit auf mittelfristige Sicht einer der interessantesten europäischen und internationalen Aktienmärkte“, so Kunze. Die Athener Börse ist allerdings noch bis Montag geschlossen.

Es soll das Prinzip gelten, dann zu kaufen, wenn die Stimmung am schlechtesten ist: Der griechische Athex Composite Index notierte zuletzt rund 85 Prozent unter seinem historischen Höchstkurs aus dem Jahr 2007. Internationale Investoren haben griechische Unternehmen aus ihren Portfolios verbannt. Schlimmer geht es tatsächlich kaum.

„Bei aller berechtigten Unsicherheit über die katastrophale Haushaltslage des griechischen Staates sollte man sich als Anleger darüber im Klaren sein, dass ein privatwirtschaftlich agierendes Unternehmen nur in geringem Maße von der Finanzkraft des Heimatlandes abhängig ist“, erklärt Kunze.

So hätten beispielsweise die in Griechenland ansässige  Coca-Cola HBC, einer der größten Abfüller von Coca Cola-Produkten der Welt, oder Hellenic Telecom, an der die Deutsche Telekom mit 40 Prozent beteiligt ist und die vor Ort der größte Telekommunikationsdienstleister ist, nur wenig mit der Haushaltsmisere des griechischen Staates zu tun.

„Trotzdem nehmen die Börsen derartige Unternehmen bei Staatskrisen immer wieder gerne in Sippenhaft. Gleichzeitig zählen solche Unternehmen am langen Ende zu den Gewinnern. Erfahrene und aufmerksame Investoren nutzen solche Entwicklungen für sich. Ein antizyklischer Einstieg in einen ausgebombten Aktienmarkt wird fast immer belohnt“, so Kunze.

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