Anlagestrategie
Versicherer zu Schnäppchenpreisen

Die Kurse der meisten Versicherer sind im Sog der Schuldenkrise deutlich gefallen. Nun halten Analysten und Fondsmanager die Papiere für unterbewertet. Mit welchen Papieren Anleger auf die Wende setzen.
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FrankfurtWenn Versicherungsmanager im September vor dem Casino in Monte Carlo schwitzen, entdecken sie gerne hinter jeder Palme eine Schlange. So warnt Munich Re, während einer Hitzeperiode könnten die Lieferwege auf der Welt zusammenbrechen. Oder Swiss Re fürchtet, dass niedrige Zinsen an den Kapitalmärkten die Branche stärker gefährden als Erdbeben oder Hurrikane. Dabei wissen die Manager: Gerade die Rückversicherer schwimmen im Geld.

Weder Beben noch Stürme bringen sie ins Wanken, stellen Analysten fest. In den Aktienkursen spiegelt sich diese Robustheit derzeit aber nicht wider. Die Anleger sind wegen der Schuldenkrise in Europa und Amerika tief verunsichert. Versicherungsaktien sind daher genauso wie Bankwerte deutlich gefallen. Große Unterscheidungen nach Geschäftsmodellen machen die Märkte derzeit nicht.

So hat sich der Börsenwert der beiden Branchenführer Allianz und Axa fast halbiert in diesem Jahr. Fondsmanager wie der Frankfurter Hendrik Leber sprechen deshalb ungeniert von „Schnäppchenpreisen“. Das heißt: Starke Kursgewinne sind drin, mit etwas Glück sogar 100 Prozent. Ein Beispiel für solch eine Chance ist die Aktie des größten Rückversicherers Munich Re, zu dem auch der Erstversicherer Ergo gehört. Die Analysten von JP Morgan haben ihr Kursziel bestätigt: 153 Euro.

Derzeit notiert die Aktie um 80 Euro. Sie ist seit Februar stetig gefallen und kostet so wenig wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Die Belastungen durch die Finanzkrisen in südeuropäischen Ländern sowie das Niedrigzinsumfeld seien nach den jüngsten Kursverlusten von Versichereraktien eingepreist, meint JP-Morgan-Analyst Duncan Russell in einer Branchenstudie. Die Bewertungen im Sektor bewegten sich nahe den historischen Tiefs. Vor diesem Hintergrund sei Munich Re eine „Top-Wahl“.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Versicherer zu Schnäppchenpreisen"

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  • Sorry, so einfach ist das nicht - und es gibt gute Gründe, warum Versicherungsaktien optisch billig erscheinen, weil sie kein vernünftiger verantortungsbewusster Grossanleger haben will. Die Einnahmen der Versicherer müssen angelegt werden und ein enorm grosser Anteil ist in Staatsanleihen investiert. Da auch angeblich "gute" Staaten wie D und F in Wirklichkeit zu hoch verschuldet sind, haben Versicherer mittelfristig genau die gleichen Probleme wie Banken zusätzlich zu ihrem Kerngeschäftsrisiko (mit dem sie allerdings wohl ganz gut umgehen können). Zusätzlich sind sie auch beliebte Opfer für Neidpolitik und damit fast so stark durch Politik gefährdet wie Banken, Pharmafirmen und Versorger. Ich halte es noch für zu früh, da einzusteigen - höchstens asiatische oder US-Versicherer könnten zur Zeit attraktiv werden.

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