Anlagestrategie
Verwirrende Vielfalt bei Russland-Indizes

Der direkte Aktienerwerb in Russland ist wegen Restriktionen schwierig. Auf den russischen Leitindex RTS werden außerhalb Russlands keine Anlageprodukte und Derivate angeboten. Allerdings bilden die an der Wiener Börse gelisteten Indizes RTX und RDX die wichtigsten russischen Unternehmen ab.

DÜSSELDORF. Auf diese beiden Indizes existieren auch Anlagezertifikate. Der RTX (Russian Trade Index; ISIN: AT0000999602) ist ein kapitalisierungsgewichteter Kursindex (Dividendenausschüttungen fließen nicht in die Berechnung ein) und setzt sich aus den acht umsatzstärksten Blue-Chip-Werten des russischen Aktienmarktes zusammen, deren Unternehmen ihren Sitz in Russland haben und die sich als Grundlage für den Derivatehandel eignen.

Der RTX wird auf Basis von US-Dollar berechnet und ist Basis für an der Wiener Börse gehandelte und in US-Dollar abgerechnete Futures und Optionen. Startwert des RTX waren 1 000 Punkte am 8. Oktober 1997. Im Gegensatz zum RTX wird der RDX (Russian Depositary Receipts Index) nicht nur in US-Dollar (ISIN:AT0000999602), sondern auch in Euro (ISIN: AT0000802079) berechnet. Auch in ihrer Zusammensetzung unterscheiden sich RTX und RDX, da sich der D-Index auf die Londoner Notierungen der GDRs der neun liquidesten russischen Aktien bezieht. Bei den GDRs (Global Depository Receipts) handelt es sich um Wertpapiere, die als Pendant zu echten, von einer Partnerbank im jeweiligen Land gehaltenen Aktien alle Kursbewegungen und Dividendenzahlungen reproduzieren.

Der RDX beinhaltet im Gegensatz zum RTX auch die nur im Ausland gelistete Gazprom, die im dem Moskauer T-Index fehlt. Nicht nur aufgrund der Bedeutung des russischen Schwergewichts Gazprom, das im RTX-Index nicht enthalten ist, ziehen viele Anleger Derivate auf Basis der D-Variante vor.

Der RDX ist auch bei weitem liquider – die Umsätze der in London gehandelten Papiere sind um etwa zehnmal höher als im RTS-System und aufgrund der Notierung in Euro entfällt das Währungsrisiko im Vergleich zum in Dollar berechneten RTX.

Beide Indizes sind mit nur acht bzw.neun enthaltenen Unternehmen nicht besonders breit aufgestellt. Das ist vor allem für Anleger beachtenswert, die Wert auf eine hinreichende Diversifizierung ihres Russland-Engagements legen.

Hinzu kommt – beim RDX stärker noch als beim RTX – die Rohstofflastigkeit beider Börsenbarometer. Entscheidend für die Performance beider Indizes sind demzufolge nicht unbedingt die gesamtwirtschaftlichen Fortschritte Russlands auf dem Weg zur entwickelten Industrienation, sondern vor allem die zukünftigen internationalen Markterfolge weniger Unternehmen der Öl- und Gas-Branche.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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