Anlagestrategie
Vor der Anlageentscheidung steht die Analyse

Nur wenige Monate nach dem großen Knall versuchen einige Emissionsbanken mit neuen Produkten für ein Investment auf den Finanzmärkten zu werben. Doch Investoren sollten zunächst ihre Vermögenssituation und Riskobereitschaft bestimmen. Das ökonomische Umfeld auf den Märkten bleibt weiterhin schwierig.

FRANKFURT. Eigentlich sind die Anleger derzeit zu bedauern. Nach dem Fiasko der vergangenen Monate blasen jetzt einige mutige – möglicherweise zu mutige – Emissionsbanken wieder zum Einstieg in Aktien, Devisen, Rohstoffe und andere Anlageklassen. Tagtäglich versuchen Emittenten wieder, Anlegern den Einstieg in die Finanzmärkte durch die Kreation neuer Produkte schmackhaft zu machen. Allein an der Euwax konnten die Anleger zu Spitzenzeiten zwischen mehr als 400 000 strukturierten Produkten wie Zertifikaten, Optionsscheinen und Aktienanleihen wählen.

Hinzu kommen inzwischen innovative Konkurrenzprodukte wie die als Finanzderivate an Popularität gewinnenden Contracts for Difference (CfD) oder Exchange Traded Funds (ETF) sowie Exchange Traded Commodities (ETC). Und auch die traditionelle Fondsbranche ist schließlich nicht untätig und offeriert zahlreiche neue Produkte. An Alternativen mangelt es den Investoren also nun wirklich nicht. Doch genau hier liegt das Problem. Kaum ein Anleger ist heute noch in der Lage, die Eigenschaften, Besonderheiten, Chancen und Risiken dieser Produkte zu verstehen und miteinander zu vergleichen.

Und so werden auch dieses Mal wiederum viele Anleger auf verlockende Angebote der Emissionsbanken und Fondsgesellschaften hereinfallen. Dabei sollte der private Investor eigentlich zunächst einmal seine Hausaufgaben machen. Er muss seine persönliche Vermögenssituation richtig einschätzen und dann seine eigene Risikofähigkeit in Sachen Kapitalanlage bestimmen. Danach muss es ihm darum gehen, sich mit dem Makrobild der Weltwirtschaft auseinanderzusetzen. Nur so kann er entscheiden, ob er heute risikoarme Varianten der Kapitalanlage wählt oder sich bereits ein wenig in riskanteres Gefilde vorwagt.

Dass die fundamentale Analyse der Globalökonomie so schwierig ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, steht außer Frage. Entscheidend für die künftige Anlagestrategie wird die Antwort auf die Frage sein, ob Anleger an einen raschen Konjunkturaufschwung glauben. Längerfristig stellt sich dann die ebenso wichtige Frage nach der künftigen Exit-Strategie der Regierungen und Notenbanken. Wie, so muss sich der Investor fragen, ist der weltweit enorm gewachsene Schuldenberg abzubauen und wie gelingt es eigentlich den Notenbanken, die in die Finanzmärkte geschleusten riesigen Geldbeträge wieder zurückzuholen.

In diesem Kontext stellt sich dann für den Anleger auch die Frage nach möglich erscheinenden massiven Steuererhöhungen ebenso dringlich wie die Auseinandersetzung mit den Gefahren einer möglicherweise am Horizont drohenden Hyperinflation. Und erst wenn der Anleger auf einige dieser Fragen eine möglichst plausible Antwort gefunden hat, kann es für ihn um die Frage nach der richtigen Anlageklasse, der attraktivsten Anlageregion und dem passenden Investmentvehikel gehen. Dass an der Euwax und anderen Börsen viele, möglicherweise zu viele, Finanzprodukte verfügbar sind, steht außer Frage.

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