Anlagestrategie
Wette auf das Comeback der Supermacht

Die USA rollen das Feld von hinten auf: Als billiger Industriestandort und Rohstoffexporteur setzt das Land auf Stärken, die man bisher nur Schwellenländern zuschrieb. Wie Anleger davon profitieren können.
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DüsseldorfZwei Milliarden Euro: Das ist der Wert der Waren und Dienstleistungen, die jeden Tag über den Atlantik hinweg zwischen den USA und der Europäischen Union ausgetauscht werden. Dieser Handelsstrom macht etwa ein Drittel des Welthandels aus und soll nun mithilfe einer transatlantischen Freihandelszone verstärkt werden. Die Idee kam vor kurzem aus dem Weißen Haus. Aus Washington. Ausgerechnet.

Auf den ersten Blick verwundert dies: Denn die Vereinigten Staaten waren in den vergangenen Jahren im Verhältnis zu Europa eher auf Krawall gebürstet, wenn es um den freien Handel ging. Da stellt sich die Frage, warum die US-Regierung plötzlich den Charme einer neuen Freihandelszone mit Europa entdeckt.

Die Antwort sei simpel, wenn man das Handlungsschema der US-Politik auf ihren wichtigsten Faktor herunterbreche, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Politische Entscheidungen lassen sich in den USA auf einen einfachen Nenner bringen: Wenn es der Wirtschaft nutzt, wird es gemacht“, erklärt Halver. Die USA hätten im Moment Interesse an einer Öffnung der Märkte. Denn die einstmals größte Industrie- und Exportnation der Welt wolle an ihre alten Stärken anknüpfen. Und dafür brauche sie frei zugängliche Absatzmärkte ohne Handelsbeschränkungen für US-Waren, so Halver.

Es ist also etwas in Bewegung geraten auf der anderen Seite des Atlantiks. Es war dringend nötig: Die Nation mit der weltweit höchsten privaten und Staats-Verschuldung ist heute ein Staat, der in den vergangenen Jahrzehnten eine radikale Deindustrialisierung betrieb. Kaum ein Produkt, das das Siegel „Made in USA“ trägt, wird noch in den USA gefertigt. Die Produktion und damit auch ein Großteil der Jobs in der Industrie wurden nach Asien und insbesondere nach China ausgelagert.

Heute macht allein der Konsum rund 72 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts aus. Ehemalige Industriestandorte wie Detroit veröden. Wer einen Job hat, der arbeitet in der Dienstleistungsbranche, bei einer Bank, einer Versicherung, in der Immobilienbranche, im öffentlichen Sektor oder als Rechtsanwalt. Exportweltmeister sind die USA nur noch, wenn es um Waffen und Software geht.

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  • Was gibt es Besseres als Freihandel? Der amerikanische Vorstoss könnte allerdings auch einen banaleren Grund haben. Zunächst darf man Obamas Animosität gegenüber Merkel nicht unter den Tisch kehren. Er hat es bis heute nicht verwunden, dass sie Bush hofierte und ihm im Wahlkampf die Türe vor der Nase zuschlug. Der mächtigste Mann der Welt, kann keinen Korb der mächtigsten Frau akzeptieren. Deshalb hielt er sich auch für den geborenen Herrscher des Pazifik. Da hätte er mal genauer hinschauen sollen, wer dort die Trommel schlägt. Der hat mal kurz durch den Türspalt gelugt. Die Hand zur Freundschaft hatten die Chinesen den Deutschen zuvor schon mehrfach gereicht. Merkel ist, bei allen Verschwörungstheorien, noch nicht in den Verdacht geraten, trilateral, bilderbergmässig oder sonst wie, hörig zu sein. Die Lady ist echt: EISERN.

  • Das Freihandelsabkommen kommt, weil Freihandel sinnvoll ist. Es wurde bislang nicht geschlossen, weil man nach dem Scheitern der Doha-Runde und dem Abschluss des Lissabon-Vertrags Befuerchtungen von Drittstaaten zerstreuen wollte, der Westen schotte sich mit einer Art Mauer gegenueber dem Rest ab (Festung). Wegen der Finanzkrise und dem Ansehensverlust des Westens hat jetzt niemand mehr Sorge vor einer gegenüber dem Rest abgeschottete Insel des Westens. Deswegen kann das Freihandelsabkommen jetzt aus der Schublage gezogen werden.

  • Einen Ärger habe ich noch: Das Handelsblatt muss Geld verdienen, logisch. Aber bitte, bitte, bitte: Weisen Sie bei der Empfehlung von Zertifikaten auf das EMITTENTENRISIKO hin. So, wie das gegenwärtig läuft, lief es historisch immer wieder. Kaum, dass Leute ihr Geld verloren hatten und etwas Gras darüber gewachsen war, hat man mit denselben Produkten die Apokalypse ausgelöst.

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