Anlagestrategien mit Zertifikaten
Sell in May?

In den Sommermonaten haben Börsianer es erfahrungsgemäß schwerer, Geld zu verdienen. Aber müssen Anleger deshalb im Mai verkaufen? Mit manchen Zertifikaten können sie von Kursverlusten sogar profitieren.

DÜSSELDORF. „Sell in May and go away“, heißt eine alte Börsenregel. Der Spruch wird gern und oft zitiert, vielleicht auch deshalb, weil er sich gut reimt. Wer sich im vergangenen Jahr an den Rat gehalten hat, konnte sich tatsächlich viel Ärger ersparen. Von Anfang Mai bis Mitte Juni 2006 rappelte es an den internationalen Märkten. Der Dax beispielsweise verlor in dieser Zeit fast 14 Prozent an Wert. Ist die Börsenregel also richtig? Statistisch gesehen gehört der Mai tatsächlich zu den schwächeren Börsenmonaten – allerdings nur in Deutschland.

Der Dax rutschte in den vergangenen 32 Jahren im Wonnemonat durchschnittlich um 0,6 Prozent ab. Global betrachtet, schrammt der Spruch jedoch knapp an der Wirklichkeit vorbei. In den USA zum Beispiel mussten Aktionäre in den vergangenen 20 Jahren vor allem im Oktober die größten Wertverluste hinnehmen. In diesem Monat büßte der S&P 500 im Durchschnitt 1,9 Prozent an Wert ein.

Und an Europas Börsen tragen nicht Mai und Juni die Rote Laterne, sondern Juli, August und September. Der Euro Stoxx 50 verlor in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig jeweils 1,5 Prozent bis 3 Prozent pro Schwächemonat. Deutschen Aktien machen vor allem die beiden Spätsommermonate August und September zu schaffen. Sie gelten historisch gesehen mit 0,2 Prozent bis 2,3 Prozent Minus trotz langer Tage und Sonnenschein als die trübsten Monate für Anleger.

Die Frage ist: Können Investoren aus diesen Daten lernen? Immerhin: Über Jahrzehnte betrachtet, ist der Saison-Effekt gravierend: Hätte ein Anleger sein Geld seit 1975 regelmäßig immer nur von Juli bis Oktober in deutsche Standardwerte investiert, wäre sein Vermögen bis heute etwa um etwa 37 Prozent geschrumpft. Mit der genau umgekehrten Strategie – nämlich immer von November bis Juni zu investieren – wären aus 100 000 Euro (das entsprach 1975 genau 195 583 DM) bis heute mehr als zwei Millionen Euro geworden. Die Regel müsste eigentlich lauten: „Sell in June and go away“, doch das reimt sich leider nicht.

Trotz Statistik gilt: Nicht voreilig handeln

Anleger haben, wenn sie den Zahlenspielen glauben, also noch bis Ende Mai Zeit, Kasse zu machen. Doch selbst dann können sie sich natürlich nicht darauf verlassen, dass sich die Ereignisse der Vergangenheit auch in Zukunft wiederholen. Experten wie Mathias Schoelzel von der Deutschen Bank raten davon ab, blind auf die Statistik zu vertrauen. „Vor vier Jahren beispielsweise stieg der Dax von Anfang Juni bis Ende August um fast 20 Prozent.“ Schoelzel weist zudem auf die Steuerproblematik hin: „Gewinne aus Wertpapierverkäufen müssen versteuert werden, wenn die Papiere nicht mindestens ein Jahr lang im Depot gehalten wurden. Wer im Frühjahr verkauft und im Spätherbst wieder einsteigt, sollte das bedenken.“

Ein übereilter Aus- und Wiedereinstieg könne durch den Steuernachteil zu einem Verlustgeschäft werden. Besser seien Absicherungsstrategien, die zeitweilige Kursrückgänge abfangen oder sogar zu Kursgewinnen führen können, falls die Börse an Schwung verliert. Die Zertifikate-Branche hat hier mittlerweile eine ganze Reihe von Investment-Instrumenten zu bieten, die die Depots von Anlegern in den Sommermonaten gegen Verdunstung schützen sollen.

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